Turner — Das Meer und die Alpen

William Turner · Die blaue Rigi, 1842, Aquarell auf Papier, 22,8 x 21,5 cm, Courtesy Tate London

William Turner · Die blaue Rigi, 1842, Aquarell auf Papier, 22,8 x 21,5 cm, Courtesy Tate London

William Turner · Lawinenniedergang in Graubünden, ca. 1810, Öl auf Leinwand, 135 x 166 cm, Courtesy Tate London

William Turner · Lawinenniedergang in Graubünden, ca. 1810, Öl auf Leinwand, 135 x 166 cm, Courtesy Tate London

Besprechung

Die Kunstgesellschaft Luzern, Trägerin des Kunstmuseums, ist zweihundert Jahre alt. Das Jubiläum ist Anlass für eine ausserordentliche Schau, die William Turner gilt. Er besuchte in den Anfangszeiten der Gesellschaft Luzern mehrfach. Die Ausstellung wird zur Parade grossartiger Landschaften und Seestücke.

Turner — Das Meer und die Alpen

Luzern — Der erste Saal ist schwergewichtig mit grossartigen Werken Turners bestückt – mit der ‹Sintflut›, entstanden um 1805, mit zwei Werken, in denen sich Turner mit Goethes Farbenlehre auseinandersetzt (1843), mit ‹Sonnenaufgang mit Seeungeheuer›, 1845, und weiteren späten Malereien, die in ihrem freien malerischen Duktus so gegenwärtig wirken, als wären sie heute gemalt. Die Schau, die Fanni Fetzer (Direktorin Kunsthaus Luzern), Beat Wismer (früher Kunstpalast Düsseldorf) und David Blayney Brown (Tate Gallery London) kuratierten, präsentiert zentrale Ölmalereien aus allen Werkphasen von William Turner (1775–1851) sowie viele Aquarelle und Studien, insgesamt rund 140 Arbeiten, die mehrheitlich aus Tate-Beständen stammen. Das Thema ‹Turner: Das Meer und die Alpen› zeigt: Man peilt einen gültigen Überblick über das Schaffen Turners in seiner ganzen Breite an (Themen, Malweise, stilistische Entwicklung) und setzt zugleich einen Schwerpunkt  bei seinen Schweiz-Bezügen. Zu diesem Schweizer Schwerpunkt tragen vor allem die Aquarelle und Studien bei, die während der sechs Schweiz-Aufenthalte des Künstlers (zwischen 1802 und 1844) entstanden sind. Darunter befinden sich Darstellungen der Rigi, die Turner aus seinem Fenster im Hotel Schwanen schuf und in denen er diese in stets wechselnder Lichtstimmung festhielt. Darunter befinden sich auch zwei höchst freie Malereien einer Rigi-Aussicht und einem Blick ins Urner Tal von 1844 sowie eine besonders expressive malerischen Schilderung von 1810 der für 25 Menschen tödlichen Lawine im Bündner Oberland im Jahr 1808. Turner schuf das dramatische Werk ohne Kenntnis der Örtlichkeiten, nach Beschreibungen der Katastrophe, die er in London zu lesen bekam – und wohl auch unter dem Eindruck der politischen Verwerfungen, denen die Welt zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgesetzt war. Weitere Besonderheiten seien erwähnt: Die mit ‹Drei Seestücke› betitelte, um 1827 entstandene Malerei, eher eine Studie als ein abgeschlossenes Werk. Sie ist in ihrer Reduktion in Farbgebung und Komposition von bestechender Modernität. Da ist auch die erste in Öl gemalte Landschaft von 1798, eine Morgenstimmung, von der Turner selber in seinem Akademie-Kommentar schrieb, hier werde das Licht zum Maler. Erstaunlich, was das Kunstmuseum Luzern, ein doch eher bescheidenes Haus, mit dieser Ausstellung zu leisten vermag. Bemerkenswert auch die weiträumige Präsentation der Werke Turners in den hellen und in unterschiedlichen Galerietönen gehaltenen Sälen. 

Bis 
13.10.2019

→ ‹Turner: Das Meer und die Alpen›, Kunstmuseum Luzern, bis 13.10.; Katalog mit Texten von F. Fetzer, B. Wismer, D. Blayney Brown, Cees Nooteboom u.a. ↗ www.kunstmuseumluzern.ch

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