Yves Netzhammer

Yves Netzhammer · Die Pflege der Argumente, 2018, Video, 12’24’’, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein. Foto: Norbert Miguletz

Yves Netzhammer · Die Pflege der Argumente, 2018, Video, 12’24’’, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein. Foto: Norbert Miguletz

Yves Netzhammer · Adressen unmöglicher Orte, 2009/2019, Installation, Ausstellungs­ansicht Frankfurter Kunstverein. Foto: Norbert Miguletz

Yves Netzhammer · Adressen unmöglicher Orte, 2009/2019, Installation, Ausstellungs­ansicht Frankfurter Kunstverein. Foto: Norbert Miguletz

Hinweis

Yves Netzhammer

Frankfurt/Zürich — Eigentlich spricht vieles dagegen, dass sie uns emotional erreichen: Die Figuren in den Animationen von Yves Netzhammer (*1970) sind modellhafte Skizzen von Menschen, ungelenk, ohne Gesichts­züge, mit kühl anmutender, glatter Oberfläche. Trotzdem berühren sie uns mit ihren manchmal absurden, aber intuitiv erfassbaren Handlungen innerhalb abstrakter und doch stets realitätsnaher Szenerien, sodass wir gar nach Frankfurt reisen, wo sie derzeit im Kunstverein als Teil der Ausstellung ‹Empathische Systeme› zu ­sehen sind. Kuratorin Franziska Nori vereint darin drei künstlerische Positionen, deren Werke Einfühlung mittels Technologie evozieren – ein hoch aktuelles und denkwürdiges Thema, das den Ausflug nach Frankfurt lohnenswert macht, nicht nur für Netzhammer-Fans. Einnehmend sind etwa auch die ‹Strandbeests› von Theo Jansen (*1948) oder vielmehr die fast obsessive, jahrzehntelange Hingabe des Holländers an diese «nichtbiologischen Wesen»: Konstruiert aus Polyurethanröhren, Kabelbindern und Plastikflaschen, werden die Gebilde vom Künstler, der auch mehrere Jahre Physik studiert hat, an Stränden ausgesetzt, wo ihnen der Wind insektenhaft anmutendes Leben einhaucht. Unterhaltsam und gewiss verblüffend ist der kleine, künstlich intelligente Kopf, den der Japaner Takayuki Todo (*1985) mitgebracht hat. Das Puppengesicht wendet sich uns zu und blinzelt uns nervös an, vermag den Anspruch der Empathie damit aber (noch) nicht einzulösen. Gerade im Vergleich mit Netzhammer, der mit ausgewählten Installationen, Filmen und Zeichnungen von 2003 bis 2019 breit vertreten ist, wird erneut deutlich: Nicht unbedingt die Annäherung an äussere Erscheinungen ist ausschlaggebend dafür, ob wir uns mit einer Kunstfigur identifizieren, sondern deren Fähigkeit, uns in oftmals unaussprechlichen Gemütsregungen abzuholen. Eine grau gefurchte, kauernde Gestalt beispielsweise, die das Auge eines Walfisches umklammert, erschüttert uns geradezu in ihrer existenziellen Verlorenheit und gleichzeitigen Erdverbundenheit. Mit diesem Bild endet der Film, den Netzhammer 2007 als zentrales Element im Schweizer Pavillon in Venedig gezeigt hatte und der hier erstmals wieder in Europa zu sehen ist. Wem der Ausflug an den Main dennoch zu weit ist, der findet neue Werke des Künstlers aktuell auch in Zürich: im Kunstparcours ‹Der grüne Henry› anlässlich von Gottfried Kellers 200. Geburtstag und im Atelier Hermann Haller als Teil der Gruppenschau ‹Catwalk›. 

Bis 
06.10.2019

→ Empathische Systeme, Frankfurter Kunstverein, bis 8.9. ↗ www.fkv.de
→ Der grüne Henry, Zürich, diverse Orte, Netzhammer im Internationalen Lyceum Club, bis 1.9. ↗ www.dergruenehenry.ch
→ Catwalk, Atelier Hermann Haller, Zürich, bis 6.10. ↗ www.stadt-zuerich.ch

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