Bex & Arts — Industrie als künstlerischer Nährboden

Alex Dorici · Acqua salata confezionata #1, 2020, (Detail), Plastik, Wasser und Salz aus Bex, Farbstoffe, ca. 30 m2, Courtesy Bex & Arts. Foto: Jacques Bétant

Alex Dorici · Acqua salata confezionata #1, 2020, (Detail), Plastik, Wasser und Salz aus Bex, Farbstoffe, ca. 30 m2, Courtesy Bex & Arts. Foto: Jacques Bétant

Besprechung

Als Freiluftveranstaltung zählt die Triennale von Bex zu den ­raren pandemieresistenten Formaten dieses Kunstsommers. Die 14. Austragung folgt dem Motto ‹Industria›, richtet sich jedoch an die postindustrielle Gesellschaft und steckt von antiken Feuerbringern bis zu 5G eine Fülle prometheischer Vorhaben ab.

Bex & Arts — Industrie als künstlerischer Nährboden

Bex — Fester Austragungsort der Skulpturen-Triennale von Bex ist seit 1987 der im englischen Stil gestaltete Landschaftspark des Domaine de Szilassy. Spektakulär zwischen Rebbergen gelegen, gibt er mit rund sieben Hektaren den weitläufigen Rahmen für den Kunstparcours ab. Immer wieder vagabundiert der Blick auch zu nahen Alpengipfeln, allen voran zu den Dents du Midi. Ein Traum. Aus der Luft oder per Google-Satellitenansicht rückt aber auch weniger Idyllisches ins Bild: neben dem Salzbergwerk, für das Bex bekannt ist, etwa ein riesiger Gipssteinbruch; in der Rhone-­Ebene grenzt eine grosse Kiesgrube an die Autobahn und beidseits des Flusses verwächst talauf und talab immer mehr Land zu Gewerbegebiet. Der Mensch, kein Zweifel, hat die Gegend industriell vereinnahmt und ihr den Stempel von Produktivität und Mobilität aufgedrückt.
Weniger streng und alarmistisch hat sich Catherine Bolle, die die Triennale im Auftrag des Comité Bex & Arts zum zweiten Mal künstlerisch verantwortet, dem menschlichen Tun unter dem Stichwort ‹Industria› zugewandt. Klug versteht sie den Begriff in seiner ganzen semantischen Vieldeutigkeit und eröffnet so ein Interventionsfeld, das von der Industrie im engen Sinn wegführt und stattdessen geschäftige Betriebsamkeit, Handfertigkeit, künstlerisch-technische Kollaboration, Unternehmergeist, ja das Schöpferische tout court zur Grundlage erklärt. Die Carte blanche, die sie den 33 eingeladenen Positionen damit faktisch zugespielt hat, haben diese vielseitig genutzt. So dienen etwa Stahlträger, Spiegelmetalle und Epoxy-Repliken guss­eiserner Kanaldeckel als Basis minimalistischer Setzungen; andernorts materialisiert sich die künstlerische Recherche in kunstvoll bearbeitetem Naturstein, Beton oder Faser­zement. Unbehaustheit wird zur destabilisierenden Erfahrung, Flechten zum Widerstandsakt. Auditive Wahrnehmungen, klanglich oder auch skulptural interpretiert, erschliessen ein weiteres Spektrum der Achtsamkeit; so ist auch für leichtere Momente gesorgt. Positiv fällt auf, wie viele Arbeiten allein durch genaues Hinsehen und etwas Gespür für die umsichtige Einbettung ins Terrain erste Erkenntnisse vermitteln. Exemplarisch hierfür sei Andreas Schneiders vierteiliger Eingriff ­‹sapiens› genannt, der sich quer übers Areal zieht und in unschuldigem Kalkweiss Allwissen und Superioritätsdenken des Homo Deus demontiert. Auch Echos zwischen den Arbeiten machen den Kunstspaziergang vor Ort zum Gewinn und die Schau am Ende zu mehr als zur Summe ihrer Teile. 

Bis 
18.10.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Triennale de Sculpture 2020 06.06.202018.10.2020 Grossausstellung/Festival Bex
Schweiz
CH
Künstler/innen
Alex Dorici
Andreas Schneider
Autor/innen
Astrid Näff

Werbung