Georgette Maag

Georgette Maag · Hortulus, 2020, Pigmentdruck auf Hahnemühle-Büttenpapier auf Aluminium, 120 x 180 cm, Auflage 3 (+ EA)

Georgette Maag · Hortulus, 2020, Pigmentdruck auf Hahnemühle-Büttenpapier auf Aluminium, 120 x 180 cm, Auflage 3 (+ EA)

Georgette Maag · Tu sueño, 2020 (Ausschnitt), Graphit, Öl auf Papier, Grösse variabel, Einzelblätter: 35 x 43; 35 x 64,5 cm

Georgette Maag · Tu sueño, 2020 (Ausschnitt), Graphit, Öl auf Papier, Grösse variabel, Einzelblätter: 35 x 43; 35 x 64,5 cm

Hinweis

Georgette Maag

Zürich — Das Gewächshaus steht schon lange im Park. Die Mauern haben Patina angesetzt und die Fenster sind mit Feuchtigkeit beschlagen. Die Umrisse der Pflanzen im Innern sind nur schemenhaft zu sehen und ihr struppiger Wuchs steht im Kontrast zur geometrischen Strenge des Fensterrasters. Doch trotz des leichten Zerfalls kommt keine Melancholie auf. Denn hier ist eine stille Beobachterin am Werk, die ein Auge hat für subtile Details. Sie betätigt die Kamera in dem Augenblick, in dem die Sonnenstrahlen diagonal in den Raum strömen und unerwartete Muster und Lichtflecken auf Mauern und Blattwerk zeichnen. Das unscheinbare Motiv mutiert zu einem poetischen Seherlebnis. Georgette Maag ist nicht auf der Suche nach Exotika. Sie findet die Schönheit in den trivialen Begebenheiten des Alltags, denen sie unerwartet Sinn verleiht. Dabei ist der Fokus auf das Fenster als sichtbares Sujet eher selten. Vielfach ist es der Blick aus dem Fenster, wie zum Beispiel dasjenige ihrer Wohnung oder ihres Ateliers, der ihr Motive offenbart, die wir in der Hektik der täglichen Routine schlichtweg übersehen. Während des Corona-Lockdowns beobachtete die Künstlerin, die Videokamera in der Hand, die im geforderten Abstand von zwei Metern stehende Menschenmenge vor dem Bäckerladen. Da sich die Warteschlange immer wieder neu formiert, führt uns das Filmdokument auf eindrückliche Weise die Entstehung einer neuen gesellschaftlichen Ordnung vor Augen.
Wie der in Schweizerdeutsch verfasste Titel ‹Vom Sims› verrät, liegt das Motiv des Fensters allen in der Ausstellung präsentierten Arbeiten in irgendeiner Weise zu Grunde. Für Georgette Maag ist das Fenster jedoch nicht nur das Tor zur Welt, durch das sie das Geschehen beobachtet. In manchen Arbeiten denkt sie es als Schnittstelle von Innen und Aussen. Sie fasst das Fenster als Membran auf, durch die das Licht in den Raum flutet und Hell von Dunkel scheidet. Es ist Ausgangspunkt für ihre abstrakten Zeichnungen und Fotografien, etwa wenn sie die im Raum schwebenden Lichtstrahlen als geometrische Formen in wechselhaften Konstellationen mit in Leinöl gebundenen Graphitpigmenten auf Papier festhält. So entstehen energiegeladene Zeichnungen, bei denen Arbeitsspuren sichtbar bleiben, die den Werken einen performativen Charakter verleihen. Beim eigens für die Ausstellung gefertigten Grossformat ‹tu sueño› wechseln sich offene und geschlossene Partien ab. Wie bei ­einer Partitur entstehen Rhythmen von Licht und Schatten, wobei sich in einige der Leerräume filigrane Strukturen schieben, die an kunstvoll geschmiedete Balkongeländer erinnern. Die Arbeiten sind stets vielseitig interpretierbar. Da die Künstlerin gezielt mit Perspektive, Ausschnitt und Kontrasten spielt, regt sie die Wahrnehmung des Publikums an.

Bis 
05.09.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Georgette Maag 19.08.202005.09.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Kathrin Frauenfelder
Künstler/innen
Georgette Maag

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