Kunsträume — La rada pflegt den Austausch

Lisa Lurati und Giordano Tatum Rush · The Room, 2015, Foto: Courtesy la rada

Lisa Lurati und Giordano Tatum Rush · The Room, 2015, Foto: Courtesy la rada

Augustin Rebetez · Post-Epileptic Vids and Krautshots, 2015, Foto: Courtesy la rada

Augustin Rebetez · Post-Epileptic Vids and Krautshots, 2015, Foto: Courtesy la rada

Nicolas Cilins · The Way We Walk, 2020. Foto: Courtesy la rada

Nicolas Cilins · The Way We Walk, 2020. Foto: Courtesy la rada

Fokus

In den 24 Jahren seines Bestehens hat sich der Kunstraum la rada in Locarno als zentraler Ort für Gegenwartskunst im Tessin etabliert. Dabei findet hier ein aktiver Austausch zwischen den Landesteilen und dem nahen Italien statt, in einem Kanton, in dem eine klassische Kunsthalle fehlt.

Kunsträume — La rada pflegt den Austausch

Was macht die eigene, was eine fremde Kultur aus? Die Frage stellt sich immer neu. Parallel zum abgespeckten Filmfestival Locarno zeigt la rada – spazio per l’arte contemporanea den Film ‹The Way We Walk / Cách Mình Đi Bô›. Dieser untersucht kulturelle Differenzen anhand der vermeintlichen Selbstverständlichkeit des «Gehens». Der Genfer Künstler Nicolas Cilins (*1985) startete mit Dustin Đuc Thinh Duong, einem jungen Australier mit vietnamesischen Wurzeln, eine Recherche, nachdem dieser nach zehn Jahren Abwesenheit von seinen Verwandten plötzlich als Fremder wahrgenommen wurde: Der Film begibt sich auf eine weitläufige «Feldforschung» in Vietnam und lässt ganz unterschiedliche Personen, von der Buchhalterin bis zum Transporteur, auf einem Laufband ähnlich jenen in Fitnesscentern im eigenen Tempo voranschreiten. In der komplexen, ruhigen Zweikanal-Videoinstallation sprechen die Protagonisten über die Wirtschaft und die kommunistische Regierung. Dabei werden weniger kulturelle Unterschiede thematisiert als Fragen zum «Fortschritt» der Gesellschaft sowie danach, was öffentlich geäussert werden kann.
Der von la rada koproduzierte Film und die vom umtriebigen Direktor Riccardo Lisi kuratierte Schau sind Teil der von Pro Helvetia geförderten Reihe für Junge Schweizer Kunst. Dass der Übertitel ‹The House Trap› coronabedingt plötzlich neue Assoziationen weckt, ist Zufall. Lisi, der seit 2012 den Auftritt von la rada prägt, hat die Vernetzung mit Genf, mit der Deutschschweiz, speziell den Kunstschulen, und Italien stets vorangetrieben. Dies zeigt sich im jungen Publikum und in der gesamtschweizerischen Sichtbarkeit. Während Lisi meist nur rund zwei von acht Ausstellungen im Jahr kuratiert, sind für die übrigen weitere Vertreter aus dem vierköpfigen ­«curatorial board» des Vereins oder externe, häufig junge Kuratierende verantwortlich.
Gemäss Lisi will la rada ein Ort für Gegenwartskunst sein, der das Tessin als ­«terra di lavoro» versteht und gegen die Abwanderung der Kreativen ein Zeichen setzt. In welcher Form, zeigt das Ausstellungsprogramm: Die Kunstschaffenden werden oft zu zweit eingeladen und ermutigt, ortsspezifische Arbeiten zu realisieren. Hierfür bieten die zwei grossen, in einem alten Swisscom-Gebäude in Locarno beheimateten «White Cubes» gute Voraussetzungen. la rada ist gezielt im Spannungsfeld zwischen Museum, Galerie, Künstlerinitiative und Atelier angesiedelt und füllt mit diesem Profil in der italienischsprachigen Schweiz eine wichtige Lücke.

Adrian Dürrwang. Kunsthistoriker, freier Autor und Lehrer in Bern. a_duerrwang@hotmail.com
Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Bis 
12.09.2020

→ ‹The Way We Walk | Cách Mình Đi Bo›, Film und Ausstellung von Nicolas Clinis und Dustin Đuc Thinh Duong, la rada – spazio per l’arte contemporanea, Locarno, bis 12.9. ↗ www.larada.ch

Institutionen Land Ort
la rada Schweiz Locarno
Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
Nicolas Cilins 07.08.202012.09.2020 Ausstellung Locarno
Schweiz
CH

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