Anouk Kruithof

Anouk Kruithof · Universal Tongue, 2018, ­Ausstellungsansicht Museum Tinguely 2022. Foto: Matthias Willi

Anouk Kruithof · Universal Tongue, 2018, ­Ausstellungsansicht Museum Tinguely 2022. Foto: Matthias Willi

Anouk Kruithof · Universal Tongue, 2018, ­Ausstellungsansicht Museum Tinguely 2022. Foto: Gina Folly

Anouk Kruithof · Universal Tongue, 2018, ­Ausstellungsansicht Museum Tinguely 2022. Foto: Gina Folly

Hinweis

Anouk Kruithof

Basel — Es gibt viele Gelegenheiten zum Tanzen: Hochzeiten, Partys, allein in der Wohnung oder perfekt inszeniert für ein Publikum. Anouk Kruithofs 8-Kanal-Videoinstallation ‹Universal Tongue› sammelt eine Fülle solcher Tänze aus Plattformen wie YouTube oder Instagram, aufgenommen in verschiedenen Teilen der Welt und hochgeladen in den grenzenlosen Raum des Internets. 1000 Samples editierte die niederländische Künstlerin Kruithof (*1981, Dordrecht) zu acht vierstündigen Videos, die sie nun im Museum Tinguely auf acht im Raum verteilten Leinwänden zeigt. In mal kürzeren, mal etwas längeren Sequenzen sieht man da zum Beispiel einen Rollstuhlathleten, der Pirouetten dreht, einen Flash Mob, verschiedene Volkstänze aus aller Welt, tanzende Kinder, eine Modenschau, ausgefeilte Choreografien sowie private Tanzvideos. Die einzelnen Clips werden ohne Ton gezeigt. Dafür wird ein einziger Song laut gespielt, was den Eindruck erweckt, dass die teilweise sehr unterschiedlichen Personen zum selben Soundtrack tanzen. Kruithof interessiert sich da, wie sie in einem Interview sagt, denn auch für eine «uniformity of language» bei gleichzeitiger «celebration of diversity».
Tanz als universelle Sprache, als körperliche Kommunikation und gemeinschaftsbildendes Ritual. Die Installation feiert ein populäres Phänomen und hat damit Erfolg: Nicht wenige Besucher:innen lassen sich von der Bewegung mitreissen und tanzen mit oder drehen gar ein eigenes Video für Instagram oder TikTok. Andere hingegen stehen statisch zwischen den Leinwänden, während sie die Videos anschauen, oder fläzen sich auf den mit Screenshots der Videos bedruckten Sitzschlangen, die überall verteilt liegen. Die Installation versteht sich als «Dancyclopedia» durch den Dschungel des Internets. Als solche funktioniert sie, doch wer auf eine tiefergehende Auseinandersetzung hofft, wird enttäuscht. Der Effekt der Einheitlichkeit verpufft relativ schnell und wirkt bald etwas bemüht. Zu viel kultureller Kontext wird ausradiert. Die tanzenden Gruppen sind nicht selten klischeehaft volkstümlich kostümiert. Auch die Gegenüberstellung mit Tinguelys geschichtsbeladenem Mengele-Totentanz bleibt auf einer eher oberflächlichen Ebene – wo in Tinguelys Raum der Tod omnipräsent ist, tanzt im anderen Raum das pure Leben. Doch vielleicht ist all dies auch gar nicht so wichtig, denn die Installation richtet sich definitiv nicht an den Kopf, sondern an die Beine. 

Bis 
30.10.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Anouk Kruithof 24.04.202230.10.2022 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Anouk Kruithof
Autor/innen
Martina Venanzoni

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