Boris Rebetez — Lauf der Würfel

Boris Rebetez · Place de Cubes, 2022, 80 Fotografien, digitale Projektion, 14’, Loop

Boris Rebetez · Place de Cubes, 2022, 80 Fotografien, digitale Projektion, 14’, Loop

Boris Rebetez · Place de Cubes, 2022, 80 Fotografien, digitale Projektion, 14’, Loop

Boris Rebetez · Place de Cubes, 2022, 80 Fotografien, digitale Projektion, 14’, Loop

Besprechung

Die Projektion ‹Place de Cubes› von Boris Rebetez, die aktuell bei von Bartha zu sehen ist, besteht aus achtzig Fotografien. Sie ist betitelt nach dem Übernamen eines Platzes in Belfort in Frankreich. Dessen architektonische Gestaltung aus farbigen Würfeln, auf die der Übername anspielt, wurde 2019 demoliert.

Boris Rebetez — Lauf der Würfel

Basel — Die Gestaltung des ‹Place de Franche-Comté›, wie der Platz im ostfranzösischen Belfort offiziell heisst, wurde 1988 eingeweiht. Sie setzte sich aus würfelförmigen Betonmodulen zusammen, gefliest mit weissen sowie gelben, roten und blauen Keramikplatten – den Farben Mondrians – sowie aus aufgesetzten Metallgittern und kugelförmigen Laternen. Den Platz widmete die Architektin und Stadtplanerin Jacqueline Trébillon den Kindern und den «Kinderseelen» der Erwachsenen. Doch der Platz alterte rasch. In den Jahren vor dem Abriss störten sich die Ansässigen zunehmend an seinem desolaten, von Wetter und Vandalismus gezeichneten Zustand.
‹Place de Cubes›, 2022, dokumentiert den verschwundenen Platz in 80 Aufnahmen, die im Loop projiziert werden. Fast jeder Aufnahme folgt ein Schwarzbild. Der regelmässig getaktete Wechsel zwischen beiden ruft die Erinnerung an eine Dia-Projektion hervor. Abwechslungsweise werden die Würfel frontal oder schräg, von Nahem oder Weitem und von sprunghaft wechselnden Standorten her gezeigt. Die Fotografien nehmen in dieser Variabilität formaler Parameter einen Modul-Charakter an, ähnlich dem Würfel. Gleichzeitig entwickelt deren Anordnung in der Dauer der Projektion eine Abfolge von Themen: eine Art reduzierten narrativen Bogen aus Würfeln, Pflanzen, Schulkindern, Pfützen und zerbrochenen Keramikfliesen, Abenddämmerung, Nacht und Morgengrauen.
Das Grundelement der Erzählung, die Zeit, wird durch ein dreimaliges Aussetzen des Schwarzbildes betont. Diese Ausnahmen, in denen jeweils zwei Fotos mit dem gleichen Ausschnitt nahtlos aufeinanderfolgen, zeigen ein über den Platz rennendes Mädchen, das Angehen der Laternen in der Abenddämmerung und deren frühmorgendliches Verlöschen. Die punktuell verstärkte Zeitwahrnehmung korrespondiert mit dem Verblassen und Erstarken der Farben oder mit dem Thema der Pflanzen, die dank Sonne und Regen zwischen den Würfeln wachsen. So stellt die Projektion die Kuben, den rechtwinkligen Platz und die umgebenden Wohnblöcke in den Widerspruch einer zirkulären Struktur. Das Erleben von Zeit als Wiederholung – das Gefühl des Alltags, das die Nachbarschaft des Platzes beherrscht – verhält sich zu den Spuren des Verfalls, zu den Pfützen und dem Moos, das an Bruchstellen wächst, wie die Statik der Architektur zum Moment, in dem ein Kind über den Platz rennt, oder wie die geloopte Projektion zu den Fotografien.

Bis 
29.10.2022

→ ‹Boris Rebetez›, Galerie von Bartha, 1.9.–29.10.; Führung, 3.9., 14 Uhr ↗ www.vonbartha.com

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Boris Rebetez — Place des Cubes 01.09.202229.10.2022 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Boris Rebetez
Autor/innen
Meredith Stadler

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