illustriert & inszeniert

Bilderbücher: illustriert & inszeniert, Aus­stellungsansicht Gewerbemuseum, 2022. Foto: Michael Lioh

Bilderbücher: illustriert & inszeniert, Aus­stellungsansicht Gewerbemuseum, 2022. Foto: Michael Lioh

Johanna Schaible · Es war einmal und wird noch lange sein, Carl Hanser Verlag, 2021

Johanna Schaible · Es war einmal und wird noch lange sein, Carl Hanser Verlag, 2021

Hinweis

illustriert & inszeniert

Winterthur — Wer zu den Geduldigen, Ausdauernden gehört, kommt fast nicht mehr weg. Und wer sich sowieso angesprochen fühlt, wenn einer wie Eugen Gomringer sich feierlich dem «lieben Leser» zuwendet, «der Du bist eines der erwachsenen Kinder, die ihr Erwachsensein gerne mit Kindern teilen», der bleibt lange in den hellen Räumen des Gewerbemuseums. Das ist trotz seines altmodischen Namens ganz im Hier und Jetzt präsent, und die Erfahrungen, die man dort machen kann, sind immer besonders. Erst recht in der Ausstellung ‹Bilderbücher: illustriert & inszeniert›, für die Gastkurator Hans ten Doornkaat, der Bilderbuchexperte schlechthin, verantwortlich zeichnet. Eine verlockende, gut gegliederte, absolut überzeugende Schau, die sich auch wegen der schönen offenen Szenografie auf vielfältige Art sinnlich und intellektuell erleben lässt und aufmerksame Kinder ebenso anspricht wie ausgepichte Bilderbuchfreaks. Und angesichts der Themenvielfalt könnte man philosophisch werden.
Hans ten Doornkaat erkennt Bilderbücher als eigentliche «Sinnstiftungsmaschinen». Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, wie es den Bilderbüchern gelingt, Welt und Welten zu vermitteln, welche Strategien – künstlerische, grafische, formale etc. – sie einsetzen, um das Bilderlesen so unglaublich spannend zu machen und zugleich, gerade in der Wiederholung, dieses Gefühl von Geborgensein zu geben, welches Kinder ihren Bilderbüchern verdanken. Man kann das immer an sich selbst ausprobieren, da alle Bücher in der Ausstellung mindestens doppelt vorhanden sind: als buchstäblich nahe liegende Exponate und als Bücher, die man bequem in Holzsesseln und -bänken zur Hand nehmen kann. Es sind lauter zeitgenössische Bücher (eine Neuausgabe von Hans Fischers ‹Pitschi› fehlt natürlich nicht), und es wird allen nur möglichen visuellen Erzählformen Rechnung getragen. Mal wird extrem einfach in Farbflecken erzählt, mal wimmelt es nur so von Menschen und Dingen in Alltagssituationen. Mal entsteht Welt – unter den Augen, unter der Hand – dank Zooming, Pop-ups oder wie auf einer Guckkastenbühne. Welt, die sich verändern, erweitern lässt, weil man etwas bewegen kann, Stanzungen der Gegenwart ein Schnippchen schlagen oder die Erzählung auf kleiner werdenden Seiten in die Gegenwart schrumpft, um darin wieder bis in die Zukunft zu wachsen (‹Es war einmal und wird noch lange sein›, ein Werk der eben ausgezeichneten Johanna Schaible). Bald wird die Geschichte auf Doppelseiten ausgebreitet, dann wieder erweist sich der Falz als Grenze. Und das Umblättern büsst – welcher Erwachsene erinnert sich nicht daran! – nie, wirklich nie, seinen Überraschungseffekt ein. Nicht zuletzt verdankt manches Kind Bilderbüchern seine ersten Kunsterfahrungen. Büchern wie ‹Das kleine Museum› oder das zauberhaft einfache, mit konkreter Kunst erfüllte von Anton Stankowski (und dem zitierten Gomringer): ‹Gucken›. 

Bis 
23.10.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Bilderbücher — illustriert & inszeniert 06.03.202223.10.2022 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Johanna Schaible

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