Mondrian — Malerei als umfassende Gestaltungsform

Piet Mondrian · Mühle bei Sonnenschein, 1908, Öl auf Leinwand, 114,8 x 87 cm, Kunstmuseum Den Haag, Vermächtnis Salomon B. Slijper © Mondrian/Holtzman Trust. Foto: Kunstmuseum Den Haag

Piet Mondrian · Mühle bei Sonnenschein, 1908, Öl auf Leinwand, 114,8 x 87 cm, Kunstmuseum Den Haag, Vermächtnis Salomon B. Slijper © Mondrian/Holtzman Trust. Foto: Kunstmuseum Den Haag

Besprechung

Mit Rot, Blau und Gelb sowie Schwarz- und Weisstönen, Pinseln und Papier-Tapes hat Piet Mondrian skizziert, komponiert und improvisiert. Die Fondation Beyeler präsentiert ihn nach dem dreijährigen ‹Mondrian Research Project› zu Werken aus der eigenen Sammlung als transatlantische Ausnahmeerscheinung.

Mondrian — Malerei als umfassende Gestaltungsform

Basel — In den ersten beiden Räumen treffen dunkeltonige Landschaftsgemälde und Interieurs auf abstrakte Kompositionen wie ‹New York City I›, 1941, an denen Mondrian nach der Emigration von Europa in die USA in seinem New Yorker Atelier fast täglich Veränderungen vornahm, indem er die schmalen Paper-Tapes verschob und neu arrangierte. Diese Hängung ist programmatisch für die Ausstellung. Besucher:innen werden bei Naturlicht und choreografierten Ausblicken auf den Seerosenteich und in die umgebende Landschaft durch das Schaffen Mondrians begleitet. Zu seinen prägenden Arbeitsorten gehören die Küsten von Flandern und der Niederlande, das kubistische Paris der 1910er-Jahre, das New York der frühen 1940er. Die Schau rückt das Thema ‹Evolution›, das Mondrian in einem Triptychon gleichen Titels bearbeitet hat, in die Nähe eines vom Künstler 1919 verfassten Dialogs zwischen einem Kunstliebhaber, einem naturalistischen und einem abstrakt-realistischen Maler. Die Hängung macht die Nuancen der Loslösung von einer gegenständlichen Darstellung erfahrbar. Sie versöhnt das künstlerische Interesse an Veränderungen der Natur im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten mit der modernistischen Haltung, dass eine Ablösung vom Naturalismus eine (notwendige) neue Zeitrechnung markiere. Am Beispiel von Gemälden einer Sonnenblume lässt sich dieser Wandel nachvollziehen.
Mit einer Ausnahme werden sämtliche Werke aus der eigenen Sammlung ausnahmsweise unverglast gezeigt. Im Verlauf des ‹Piet Mondrian Conservation Project› wurden sieben Gemälde von 2019 bis 2021 wissenschaftlich untersucht. Erkenntnisse über Mondrians Malweise, welche die Angaben im Werkverzeichnis durch wissenschaftliche Befunde ergänzen, sind online einsehbar. Die malerischen Oberflächen, die kalkuliert ausgearbeiteten, plastischen Flächen mit dem besonderen Reflexionsverhalten, bezeugen eine Grundspannung zwischen dem Interesse an mathematischen Gesetzmässigkeiten und der Lust, diese intuitiv abzuwandeln. Im Katalog werden früh formulierte Grundsätze so aktualisiert, dass eine späte Aussage Mondrians eine neue Bedeutung gewinnt: «Wir können das eine oder andere tun: ein Kunstwerk erschaffen oder ein ästhetisches Objekt herstellen. Beide unterliegen denselben Gesetzen. Lassen wir die Frage beiseite, ob ‹Kunst› immer noch notwendig ist. Unser Ziel ist die Schaffung einer nützlichen und ästhetischen Umgebung.» Ein Saal im zweiten Obergeschoss des Kunstmuseums Basel ermöglicht, Mondrian historisch zu kontextualisieren – mit Beständen aus Basler Sammlungen.

Bis 
09.10.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Mondrian Evolution — Piet Mondrian 05.06.202209.10.2022 Ausstellung Basel/Riehen
Schweiz
CH
Autor/innen
Stefanie Manthey
Künstler/innen
Piet Mondrian

Werbung