Rosemary Mayer

Rosemary Mayer · Fotodokumentation zu: Some Days in April, 1978, installiert in der Woche des 17. April 1978 auf dem Grundstück von Bruce Kurtz, Hartwick, New York © The Rosemary Mayer Estate

Rosemary Mayer · Fotodokumentation zu: Some Days in April, 1978, installiert in der Woche des 17. April 1978 auf dem Grundstück von Bruce Kurtz, Hartwick, New York © The Rosemary Mayer Estate

Rosemary Mayer · Besucherin vor den ­Arbeiten auf Papier, in: Ways of Attaching, 2022, Städtische Galerie im Lenbachhaus und ­Kunstbau München. Foto: Lukas Schramm

Rosemary Mayer · Besucherin vor den ­Arbeiten auf Papier, in: Ways of Attaching, 2022, Städtische Galerie im Lenbachhaus und ­Kunstbau München. Foto: Lukas Schramm

Hinweis

Rosemary Mayer

München — Blüte oder Körper, Leib oder Kleid? Die Kunst von Rosemary Mayer ist nicht figurativ und wirkt dennoch fast pulsierend lebendig: Sie schuf floral-flamboyante Formen und mal zarte, mal opulente textile Plastiken. Jetzt präsentiert das Münchner Lenbachhaus das wenig bekannte, höchst eigenständige Werk der New Yorker Künstlerin (1943–2014) in der Ausstellung ‹Ways of Attaching›.
Mit Adrian Piper war sie eng befreundet, mit Vito Acconci verheiratet, und sie gehörte zu den Mitbegründerinnen des Frauen-Kunstraums ‹A.I.R-Gallery› in Soho. Für eine US-Künstlerin der 1970er-Jahre ist Mayers Werk erstaunlich manieristisch. Mayer, die Altphilologie studiert hatte, war fasziniert vom Mittelalter, von der florentinischen Renaissance, vom römischen Barock – und seiner bayerischen Abwandlung. Mitte der 1970er-Jahre ging sie für mehrere Monate auf Grand Tour durch Europa – u. a. nach Bayern, um das Rokoko von Johann Michael Fischer, den Asams und den Zimmermann-Brüdern zu studieren.
Und so theatralisch der jesuitisch geprägte Barock war, so sehr erinnern Mayers Werke an Versatzstücke aus dem Theaterfundus, die ein staunenswertes Eigenleben entwickeln.
Eine Wandarbeit ist der mittelalterlichen Äbtissin und Dichterin Hrotswit von Gandersheim gewidmet, eine andere der spätantiken Kaiserin Galla Placidia. Sie wirkt wie ein überdimensioniertes antikes Gewand, aus dem die Figur entwichen ist. Und sie greift Farben der Frauen in Pontormos Gemälde ‹Die Heimsuchung› auf: Orange, Rosa, Hell- und Türkisgrün. Mayers Skulptur aus transparenten Stoffen sieht aus, als hätte sie deren Kleider pars pro toto herausgehoben und skulptural in 3D aufbereitet.
Ob wild gebauscht oder drall gespannt, in der abendländischen Skulptur wird das Gewand zum Ausdrucksträger. Das hat Mayer so fasziniert, dass sie sich auf die Textilien konzentrierte. Dabei wird das Objekt zugleich entmaterialisiert, abstrahiert und motivisch verdichtet.
In den späten Pastellzeichnungen werden dann aus Blumen Körper: Die Serie ‹Löwenmäulchen› erinnert an Georgia O’Keeffe, doch die üppigen Blüten wirken auch muskulös wie die Leiber bei Michelangelo. Mayers Absicht war es, sie ebenso monumental wie die Gestalten der Sixtina erscheinen zu lassen.
Ihr fabelhaftes Werk ist voller kunsthistorischer Kenntnisse und Anspielungen, aber nie abgehoben. Rosemary Mayer schafft tatsächlich vielfältige Verbindungen und bleibt dabei sinnlich und nahbar. 

Bis 
18.09.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Rosemary Mayer — Ways of Attaching 11.06.202218.09.2022 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Rosemary Mayer
Autor/innen
Roberta, De Righi

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