(Un)certain Ground

Miriam Cahn · Zeige!, 18./19.4.+24.8.+1.9.2020, Courtesy Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe; ­Renée Levi, MMXXK, 2020, MMXXL, 2020, ­Barbara, 2022, Liliane, 2022, Ausstellungs­ansicht Kunsthaus Centre d’art Pasquart. Foto: Guadalupe Ruiz

Miriam Cahn · Zeige!, 18./19.4.+24.8.+1.9.2020, Courtesy Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe; ­Renée Levi, MMXXK, 2020, MMXXL, 2020, ­Barbara, 2022, Liliane, 2022, Ausstellungs­ansicht Kunsthaus Centre d’art Pasquart. Foto: Guadalupe Ruiz

Andriu Deplazes · Liegen zwischen Sonnenblumen, 2021, Courtesy Julius Bär Kunstsammlung; Natacha Donzé, Do you love me (Boston Dynamics), 2022; © ProLitteris, Ausstellungsansicht Kunsthaus Centre d’art Pasquart. Foto: Guadalupe Ruiz

Andriu Deplazes · Liegen zwischen Sonnenblumen, 2021, Courtesy Julius Bär Kunstsammlung; Natacha Donzé, Do you love me (Boston Dynamics), 2022; © ProLitteris, Ausstellungsansicht Kunsthaus Centre d’art Pasquart. Foto: Guadalupe Ruiz

Hinweis

(Un)certain Ground

Biel — Auf das Abenteuer einer Momentaufnahme quer durch das Medium Malerei hierzulande hat sich die Schau ‹(Un)certain Ground – Aktuelle Malerei in der Schweiz› im Pasquart eingelassen.
Ein Blick in die grosse Salle Poma illustriert ebenso den Reiz wie die Fallstricke einer solchen Zusammenstellung. Lässt man den Blick kreisen, reichen die Motive vom Porträt mit Schrift von Yoan Mudry über die nächtliche Kraterlandschaft mit einem träumenden Mann zwischen zwei Sonnenblumen von Andriu Deplazes über anthropomorphe Ornamente von Natacha Donzé bis zu den Altmeisterinnen Miriam Cahn und Renée Levi. Hier begegnet ein provokanter Frauenakt von Cahn der gestischen Formsprache von Levi. Deren über drei Meter grosse Leinwände bilden eigentliche Raumtrenner, auch wenn die Schau weitgehend auf Positionen verzichtet, die dezidiert auf den Raum eingehen.
So unterschiedlich die Bildwelten, so divers die Prozesse: Mudry bedient sich für sein Heldinnenporträt von Jane Goodall mit dem Spruch «Easier to change ideologies than painters» einer Fotovorlage, Cahns Frauenfiguren entspringen ihrer Vorstellungswelt, beide sind immanent politisch. Levis gespraytes Formvokabular dagegen kann als physische Aneignung des Raums gelesen werden. Deplazes arbeitet symbolistisch, zeigt eine einsame Landschaft, spielt mit dem Rätselhaften. Donzé greift auf organische Elemente zurück, die eine gelbe Freifläche rahmen. Das Nebeneinander von Deplazes und Donzé mit ihren ganz eigenen Assoziationsebenen wurde gezielt kuratiert. Bei Cahn und Levi sind es eher formale Elemente, die sie verbinden: die sich in dunklen beziehungsweise leuchtfarbenen Vierecken auflösenden Hintergründe. Nicht alle Bezüge gelingen, erscheinen zuweilen etwas zufällig, vor allem in den kleineren Räumen mit den über dreissig Kunstschaffenden in vielen Formaten. Hier wird die Krux der Überblicksausstellungen spürbar – die Zusammenarbeit dreier Kuratorinnen, Madeleine Amsler, Clare Goodwin und Felicity Lunn, mag dazu beigetragen haben? Im Umkehrschluss vermittelt die Schau jedoch einen reichhaltigen Überblick weit über bekannte Positionen hinaus und ist der konsequente Abschluss einer Ära, in der Felicity Lunn das Haus mit ihrem Auge für Malerei während der letzten zehn Jahre prägte. 

Bis 
04.09.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Aktuelle Malerei in der Schweiz 03.07.202204.09.2022 Ausstellung Biel/Bienne
Schweiz
CH

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