Wege der Kunst

Dōji, Nō-Maske eines Knaben mit Beutel und Kissen. Japan, Momoyama- bis frühe Edo-Zeit, 16.–17. Jh., Museum Rietberg, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart. Provenienz: 16./17. Jh. – um 1907/13, Fürstenfamilie Nanokaichi-Maeda, dann weiter an Ernst Grosse, Freiburg i. Br., durch Vermittlung von Hayashi Tadamasa und Kano Tessai; 1928–55, Georg Reinhart, Winterthur; 1955–89, Balthasar Reinhart, Winterthur. Foto: Rainer Wolfsberger

Dōji, Nō-Maske eines Knaben mit Beutel und Kissen. Japan, Momoyama- bis frühe Edo-Zeit, 16.–17. Jh., Museum Rietberg, Geschenk Balthasar und Nanni Reinhart. Provenienz: 16./17. Jh. – um 1907/13, Fürstenfamilie Nanokaichi-Maeda, dann weiter an Ernst Grosse, Freiburg i. Br., durch Vermittlung von Hayashi Tadamasa und Kano Tessai; 1928–55, Georg Reinhart, Winterthur; 1955–89, Balthasar Reinhart, Winterthur. Foto: Rainer Wolfsberger

Hinweis

Wege der Kunst

Zürich — Es ist eines der komplexesten Projekte, die das heute siebzigjährige Museum Rietberg in jüngerer Zeit je in Angriff genommen hat, und es gelingt ihm, vieles sichtbar zu machen: die Geschichte der Sammlung(en), die Rolle der beteiligten Akteure, welche Folgen das hat für einzelne Objekte und den Umgang mit Kunst.
Zum Glück dauert die Ausstellung ein ganzes Jahr. Denn die Fragen, die hier aufgeworfen werden, sind von grundsätzlicher Art und stellen letztlich jeden Betrachter, jede Betrachterin vor neue Fragen; subjektive und durchaus kantische: Was kann ich wissen? Unter dem schönen Titel ‹Wege der Kunst – Wie die Objekte ins Museum kommen› macht das Museum Rietberg zum ersten Mal darauf aufmerksam, wie verschlungen die Wege sein können, wie vielfältig die Prozesse, bis ein Objekt zum Museumskunstwerk wird. Denn jedes Objekt hat seine Geschichte, seine Biografie, in die sich die Biografien und Geschichten jener eingeschrieben haben, durch deren Hände sie gingen. Kein leichtes Unterfangen, werden doch viele Geschichten erst greifbar, wenn die Objekte in westlichen Besitz gelangen, während die meist viel längere Vorgeschichte im Dunkeln liegt. Wie vermittelt man das alles? Kuratorin Esther Tisa Francini und ihr Team haben einen wohldurchdachten Parcours durch die ständige Sammlung angelegt. Er beginnt in der Villa Wesendonck und führt hinüber in den Smaragdbau. An 22 Stationen, die den Themen Sammeln, Zeigen, Handeln und Wissen zugeordnet sind, kann man Halt machen. Ausgewählte Beispiele in eigens für diese Schau geschaffenen Vitrinen zeigen, was zum Leben eines bestimmten Objekts gehört, welche unmittelbaren Spuren zu seinem Verständnis beitragen, in welch spannendem oder problematischem ästhetisch-historischem Kontext es sich bewegte und bewegt. Briefe, Sammlungsinventare, Etiketten, Zeichnungen, Fotografien – die ganze Palette von Dokumenten ist vertreten, um dem, was uns heute als Kunstwerk begegnet, und den Menschen dahinter gerecht zu werden. Zusammen mit den Kunstobjekten ergibt das vierhundert Exponate – von über dreitausend Jahre alten chinesischen Bronzen bis zu indischen Terrakotten aus den Sechzigern. Bei den Bronzen lässt sich der Bedeutungswandel besonders gut nachvollziehen, den viele Gegenstände von ihren Anfängen bis zur Museumsgegenwart durchmachen. Einst bei rituellen Opferzeremonien eingesetzt, erlangten sie mit der Zeit politisch-soziale Bedeutung, wurden selbst Sammelobjekte, gerieten durch Plünderungen ins westliche Ausland – und die aktuelle Regierung der VR China missbraucht sie als Machtsymbol. Immer wieder wird man darauf aufmerksam gemacht, was es bedeutet, wenn Dinge aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gerissen werden – die Masken aus dem Kameruner Grasland, Raubgut aus Benin City … Immer wieder aber wird deutlich, wie verantwortungsvoll, transparent und international kooperierend das Museum Rietberg sich seiner eigenen Geschichte stellt. 

Bis 
17.06.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Wege der Kunst 17.06.202225.06.2023 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass

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