03 Schreibwerkstatt – Wenn man sich Zeit nimmt

KuBaA. Foto: Dominik Zietlow

KuBaA. Foto: Dominik Zietlow

Adrian Bütikofer, aus der Arbeit ‹Strandgut›. Foto: Dominik Zietlow

Adrian Bütikofer, aus der Arbeit ‹Strandgut›. Foto: Dominik Zietlow

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte. Foto: Chiara Fiorini

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte. Foto: Chiara Fiorini

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte. Foto: Chiara Fiorini

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte. Foto: Chiara Fiorini

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte, Foto: Chiara Fiorini

KuBaA, Chiara Fiorini, ‹Flussbett›, 2018, verschiedene Blech- und Eisenobjekte, Foto: Chiara Fiorini

03 Schreibwerkstatt – Wenn man sich Zeit nimmt

Alles geht schnell, schnell weiter, keine Zeit anzuhalten, das Nächste wartet schon. Im KuBaA, dem ehemaligen Bahnhofsgebäude in Affoltern, lohnt es sich, einen Gang herunterzuschalten, genauer hinzusehen und genauer zuzuhören.

KuBaA — Wieso sich nicht Zeit nehmen? Sich Zeit nehmen, Dinge zu betrachten und nicht schon nach dem ersten Blick zu kategorisieren. Wieso nicht, dachte sich Chiara Fiorini (*1956, Acquarossa), als sie die Installation ‹Flussbett› schuf: Ein Bett mit Nachttisch, das aus verschiedenen Blech- und Eisenobjekten besteht, die sie beim Spazieren entlang des Flusses Brenno im Bleniotal fand. In der Absicht, die Umgebung vom «Abfall» zu befreien, entdeckte sie den ästhetischen Wert längst vergessener Gegenstände und gab ihnen eine neue Verwendung. So steht vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude in Affoltern nun ein altes – oder neues – Bett, und Metallobjekte dienen symbolisch als Leintücher, Teppich oder Lampenschirm. Die Installation wirft Fragen auf: nach Anfang und Ende, und danach, wer eigentlich den Wert aller Dinge bestimmt. Tun wir das noch selbst? Oder überlassen wir das lieber fremden Mechanismen, die alles für uns kategorisieren: «nützlich», «nutzlos», «brauchbar», «unbrauchbar». Lieber einfach, lieber schnell, lieber Inhalt, der bereits in konsumgerechte Häppchen verpackt wurde. Diese Haltung thematisiert Adrian Bütikofer (*1960, Kirchberg) in seiner Arbeit ‹Strandgut›. Drei Figuren liegen am Boden, gekrümmt, ohne Arme und Beine, unfähig, sich zu bewegen oder sich festzuhalten. Das Sinnbild der Verliererinnen und Verlierer der Gesellschaft, die mit dem vorgegebenen Tempo nicht mehr mithalten konnten und kraftlos irgendwo angespült wurden. Sie sind gesichtslos, mit Haut aus Zeitungspapier: Denn wir haben nie mit ihnen gesprochen – wenn, dann nur über sie, anhand eines Artikels, aus dem wir unser Wissen schnell zusammengebastelt haben. Nun liegen die drei neben den Bahngleisen – dem Symbol für Bewegung, Aufbruch, aber auch für Gütertransport. Was nicht gebraucht wird, bleibt liegen.

Wieso also nicht mehr auf das achten, das uns umgibt, genau den Geschichten zuhören, die Zeit brauchen? Dies tat die Fotografin Yvon Baumann (*1960, Zürich) in ihrer Arbeit ‹Träumt die Köchin vom Kochen?›, die 2014 im Quartier Basel-/Bernstrasse in Luzern entstand. Sie bat die Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Träume zu schildern, in der Absicht, die vielseitigen Erlebnisse der heterogenen Nachbarschaft abzubilden, in der Menschen aus über siebzig Ländern leben. Und dies eben nicht anhand von Fotografien, die – wenn man so will – schnell konsumiert werden können, sondern mit Tonaufnahmen, die nun im Schopf des KuBaA zu hören sind. Was kann man wohl alles erahnen, alles erfahren, wenn man sich die Zeit nimmt?

Giulia Bernardi, freie Autorin, giulia.bernardi@outlook.com

Schreibwerkstatt ist ein Projekt von Kunst: Szene Zürich 2018 und Kunstbulletin.

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