13 Schreibwerkstatt — Wechselspiel

Maja Vieli-Bisig, Wüfelprojekt / Monatsbilder, 2016, Acryl auf Holz, je 30x30 cm. Foto: Dominik Zietlow

Maja Vieli-Bisig, Wüfelprojekt / Monatsbilder, 2016, Acryl auf Holz, je 30x30 cm. Foto: Dominik Zietlow

Maud Châtelet, Clay Totems, 2016/17, Ton, roh gebrannt, Dimensionen variabel; Konsole, 2017, Sperrholz, Dispersion, 57x36x65 cm. Foto: Dominik Zietlow

Maud Châtelet, Clay Totems, 2016/17, Ton, roh gebrannt, Dimensionen variabel; Konsole, 2017, Sperrholz, Dispersion, 57x36x65 cm. Foto: Dominik Zietlow

Maud Châtelet, von links nach rechts: Pastel 043 beige-light yellow, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 040 dark olive, 2018, Pastell auf Papier, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 048 greenish turquoise, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 047 black, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm. Foto: Dominik Zietlow

Maud Châtelet, von links nach rechts: Pastel 043 beige-light yellow, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 040 dark olive, 2018, Pastell auf Papier, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 048 greenish turquoise, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm; Pastel 047 black, 2018, Pastell auf Papier, 29,7x21 cm. Foto: Dominik Zietlow

Manuel Market, Message from a ghost, 2018, Bücherregal, Bücher. Foto: Dominik Zietlow

Manuel Market, Message from a ghost, 2018, Bücherregal, Bücher. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

Sofatalk #4 Maud Châtelet im Gespräch mit Daniel Morgenthaler. Foto: Dominik Zietlow

13 Schreibwerkstatt — Wechselspiel

Die Arbeiten der Ausstellung ‹Abstract Playground› changieren zwischen Figuration und Abstraktion, machen greifbaren Inhalt ungreifbar. Im Raum von jevouspropose entstehen neue Bedeutungen, die es nur noch zu dekodieren gilt.

jevouspropose — Die kuratorische Reihe jouvouspropose findet nicht nur online auf Instagram statt, sondern auch in einem kleinen Raum an der Lutherstrasse 36. Initiiert von Sabina Kohler wird jeweils eine Person eingeladen, eine Künstlerin oder einen Künstler nach Wahl vorzustellen. Die jeweilige Präsentation wird auf Instagram erweitert. Anlässlich der Kunst: Szene Zürich 2018 zeigen im realen Raum nun vier Künstlerinnen und Künstler ihre Werke. In einigen werden figurative Elemente zurück in die Abstraktion transferiert. So zum Beispiel in ‹Clay Totems› von Maud Châtelet (*1975). Die Installation umfasst sieben totemähnliche Figuren aus Ton, die auf einer Konsole aus Sperrholz positioniert wurden. Wofür stehen die «Totems»? Welche Geschichte haben sie zu erzählen? In der Annahme, dass diese einst etwas Figuratives wie Pflanzen oder Tiere darstellten, drängt sich die Frage auf: Sprechen wir ihnen nun eine andere Bedeutung zu? Denn ihr abstrakter Charakter eröffnet einen Spielraum, den wir zuvor nicht hatten.

Auch bei Valentin Hauri (*1954) wird Figuration zu Abstraktion. Wer sich anhand der Titel seiner Bilder eine figurative Darstellung erhofft, wird enttäuscht: So präsentiert uns Hauri auf dem Bild ‹Painterly Realism of a Boy at a Table› nicht einen an einem Tisch sitzenden Jungen, sondern drei weisse, aneinandergrenzende Quadrate auf grauem Hintergrund. Stellen die rechteckigen Formen drei aneinandergereihte Tische dar? Oder etwa drei noch weisse Papierblätter aus der Vogelperspektive, die der Protagonist gleich mit den Zeichen beschriften wird, nach denen wir uns so sehnen? Was möchte uns der Junge wohl mitteilen?

Die Übermittlung einer Nachricht thematisiert auch Manuel Market (*1990) in seiner Arbeit ‹Message from a ghost›. Diese besteht aus einem Regal, in dem die Bücher mit dem Rücken zur Wand schauen. Market spielt auf eine Szene des Science-Fiction-Films ‹Interstellar› an: Darin übermittelt der Protagonist seiner Tochter eine Nachricht aus einer anderen Dimension – die sich hinter einem Bücherregal befindet. Durch die umgedrehten Bücher kommt es uns vor, als ob wir uns, wie der Protagonist, hinter dem Bücherregal befinden. Statt also auf eine Nachricht zu warten, die uns ein unbekannter Junge auf ein leeres Blatt schreibt, könnten wir uns auch fragen: Welche Nachricht würden wir wohl senden? Und wem würde diese gelten?

Doch muss eine Nachricht immer geschrieben sein? Muss ein Ton immer hörbar sein? Maja Vieli-Bisig (*1951) hat in ihrem ‹Würfelprojekt› die Schwingungsfrequenzen der zwölf Töne in Farben übersetzt. Letztere hat Vieli-Bisig auf einem zwölfseitigen Würfel markiert und jeden Tag, ein ganzes Jahr lang, eine Farbe ausgewürfelt. Die Farben, die sich im Verlauf eines Monats ergaben, hat sie anschliessend auf einem Holzträger übereinandergeschichtet. So entstanden insgesamt zwölf Bilder.

Die Ausstellung ‹Abstract Playground› ist ein Wechselspiel zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen zwei- und dreidimensionalem, akustischem und visuellem Raum. Bestehende Inhalte, deren Bedeutung bereits entziffert wurde, werden in eine neue Umgebung transferiert und so wieder verschlüsselt. Diese gilt es nun erneut zu entschlüsseln.

Giulia Bernardi, freie Autorin, giulia.bernardi@outlook.com

jevouspropose, bis 2.12, Di-Fr 12-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr

http://www.jevouspropose.ch
www.kunstszenezuerich.ch
www.artlog.net/notebooks

Schreibwerkstatt ist ein Projekt von Kunstbulletin und Kunst: Szene Zürich 2018.

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