Alexandre Bianchini — Mit Haut und Haaren

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini, Locus Solus, Prilly/VD, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Viriginie Otth

Alexandre Bianchini — Mit Haut und Haaren

Prilly/VD — Seit drei Jahren betreibt Catherine Monney im Haus, das sie zusammen mit dem Künstler Alain Huck und seiner Familie inmitten in einer ehemaligen Pflanzschule in der Lausanner Agglomeration bewohnt, den Kunstraum Locus Solus. Dass die Eröffnung und die Lesung, die sie zu jeder der rund sechwöchigen Ausstellungen organisiert, sofort zu lauschigen Treffen der Kunstszene geworden sind, ist dabei nicht erstaunlich. Die gelernte Buchhändlerin und Assistentin von Alain Huck engagiert sich seit über dreissig Jahren mit einer Selbstverständlichkeit für Kunstschaffende, die ihresgleichen sucht, angefangen als Mitglied des Kollektivs M/2, das zwischen 1989 und 1993 in einer Wohnung in Vevey jungen Positionen eine der damals noch raren Plattformen gab. Zurzeit bespielt auch ein Künstler Locus Solus, mit dem die Beziehung bis in diese inzwischen legendären Jahre zurückreichen. Wie andere damals bei M/2 verkehrenden Persönlichkeiten, die heute zu den sicheren Werten auf den Kunstbühnen der grossen weiten Welt gehören, bewegt sich auch Alexandre Bianchini (*1966) seit Langem international, hält sich dabei jedoch nach wie vor an alternative Schauplätze, da sie seinem in ökonomischen Setzungen auftretenden, dunkelsinnlichen und blitzgescheiten Werken den nötigen intimen Rahmen bieten. 

Das schummrige auf einen weisslichen Text auf einem schwärzlichen Grund reduzierte Gemälde auf einer Plane über einem Keilrahmen auf der Wand, welche die Wohnung Catherine Monneys von Locus Solus trennt, spielt dabei auf die rohe und grobe, aber zugleich hoch performative Welt der Clubs, der Prostitution und der Pornographie an. So lässt er das Bild seinem Publikum gerade wie eine Dom seinen Sub zuwerfen: «Naughty Boys / Kneel Down / Infront Of / Your Dusky / Highness». Nicht ohne inhaltlich das indes jungfräulichere ‹Grosse Glas› von Duchamp in Erinnerung zu rufen, kurbelt es unvermittelt tabulose Gedanken über das Verhältnis zwischen Kunst und ihren Betrachtern und Betrachterinnen an. Das Werk kündigt darüber hinaus an, dass es Bianchini in dieser Schau wieder mit der Malerei aufnimmt, die im Schaffen des Abgängers von Chérif Defrouis Atelier Médias Mixtes so etwas wie eine On-Off-Liebe darstellt. So wechseln sich darin ihr gewidmete Jahre mit Momenten ab, in denen er sich für alles andere von ihr abkehrt: Zeichnung, Collage, Skulptur, Assemblage, Foto, Video, Klang.

Im Raum von Locus Solus finden sich in der Tat acht kleinformatige Gemälde unterschiedlicher Fabrikation, die sich ganz in die moderne Tradition der Auseinandersetzungen mit dem Medium der Malerei im Medium der Malerei schreiben. Am verblüffendsten sind auf den ersten Blick die schlicht und einfach mit Leder oder mit Fell bespannte Keilrahmen, die einem mit einer warmen Note bewusst machen, wie sehr in den traditionellen Tafelgemälden der Neuzeit und der Moderne stets eine Körperanalogie mitschwingt. Andere der Gemälde beschäftigen sich indes mehr mit der wenigstens versuchsweise rationalisierten Seite des traditionellen Gemäldes, seiner quadrierten Struktur, die Bianchini interessanterweise nicht, wie dies meistens geschieht, von der Theorie des Fensters oder der Praxis des Rasters ableitet. Die Gemälde, die in schwarzer Öflarbe auf ungrundierter und direkt an die Wand gepinnter Leinwand in leicht unregelmässigen Flächen wie bei den Geometrien von Malewitch suggestive Worte wie «Light / Time»und «Home»erscheinen lassen, machen vielmehr Kette und Schuss sichtbar, in die das Öl der Farbe zum Teil weit ausläuft. Schwarzweiss und kunterbunt bilden zwei Gemälde sodann den Schlussakkord, in denen Bianchini das fast bei jedem neuzeitlichen und modernen Gemälde im Hintergrund lauernde Textil mit dem mal vertikal, mal horizontal geführten Pinsel wie verstärkt hat. Im Gegensatz zu den anderen Gemälden, die Bianchini streng flach gehalten hat, stösst er in diesen zwei Gemälden damit gleich unendlich viele Räume auf, in die wir wie durch Vorhänge sehen. In gewissen tauchen hier sogar erstmals auch figürliche Fragmente in Erscheinung, die sich wie das Eingangswortbild als sexuell aufgeladen entpuppen und uns damit nolens volens nicht zuletzt als Voyeure/-innen in Erscheinung treten lassen.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Alexandre Bianchini 03.03.201829.04.2018 Ausstellung Prilly
Schweiz
CH

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