Anna-Sabina Zürrer — Transformation, Auflösung, mediale Reduktion

Anna-Sabina Zürrer, Auslese Bauwerke (Relikte), 2015. Foto: Sibylle Kathriner

Anna-Sabina Zürrer, Auslese Bauwerke (Relikte), 2015. Foto: Sibylle Kathriner

Anna-Sabina Zürrer — Transformation, Auflösung, mediale Reduktion

Sarnen — Die digitale Revolution ist in aller Munde. Während sich die Gesellschaft von den alten, analogen Medien rasch verabschiedet, tut sich in der Kunst ein weites Spektrum an künstlerischen Herangehensweisen auf. Einige setzen sich euphorisch an die Spitze der Entwicklungen, andere schätzen dagegen gerade die langsamen, sperrigen, vermeintlich bereits überholten Medien. Die Künstlerin Anna-Sabina Zürrer (*1981) gehört jedoch weder den ersteren, noch den letzteren an. Sie befasst sich zwar mit Medien und Dingen der Vergangenheit: mit Klassikern, in Brockenhäusern gefundenen Fotoalben, Briefmarkensammlungen, analogem Filmmaterial oder ausrangierten Diapositiven. Anstatt jedoch die gute alte Zeit wieder aufleben zu lassen, beschleunigt sie vor aller Augen Prozesse der Auflösung und des Vergessens. 

So auch in ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Hofmatt in Sarnen. In einem verglasten Wandregal stehen kleine medizinische Fläschchen, an die sich leere Diapositive mit Aufschriften wie ‹Notre Dame, Paris› lehnen. Zürrer hat die Diapositive berühmter Bauwerke, die früher in jeden Kunst- und Architekturunterricht gehörten, mit einer chemischen Substanz ausgewaschen und die Abbildungen als Essenz in die Fläschchen verbannt. Daneben präsentiert sie eine Serie von Briefmarkenalben, die jedoch nur noch die gezahnten Ränder der Marken enthalten, die Bildmotive hat die Künstlerin herausgeschnitten. An anderer Stelle reagiert Zürrer direkt auf die Ausstellungsräume und thematisiert u.a. den Keller als Speicherort. Abgeschlossen wird der Rundgang von einem gerahmten Haselnussblatt, aus dem sie das gesamte Chlorophyll herausgewaschen hat. Zürrers Vorgehen ist damit alles andere als im strengen Sinne «archivarisch». Sie bewahrt nicht, sie transformiert, löst auf, reduziert. Doch oftmals ist es gerade die Trennung von Bild und Träger, die das Medium als Medium überhaupt erst sichtbar macht. Was bei Zürrer bleibt, ist die Essenz, die Rahmung, der Bildträger – die entschwindende Erinnerung an ein analoges Zeitalter.

https://galerie-hofmatt.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Anna-Sabina Zürrer 11.03.201709.04.2017 Ausstellung Sarnen
Schweiz
CH
Autor/innen
Jana Bruggmann
Künstler/innen
Anna-Sabina Zürrer

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