Anselm Kiefer — La Ribaute

Anselm Kiefer · Die Himmelspaläste, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Anselm Kiefer · Die Himmelspaläste, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Anselm Kiefer · Die Frauen der Antike, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Anselm Kiefer · Die Frauen der Antike, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Anselm Kiefer — La Ribaute

Barjac — Nach dem Crash seiner ersten Ehe und dem Verlassen seiner Heimat lebte Anselm Kiefer 1993 bis 2008 mit seiner damaligen zweiten Frau, der Fotografin Renate Graf, in der ehemaligen Seiden-Spinnerei ‹La Ribaute› in Südfrankreich. Hier wurde der Meisterkünstler aus Deutschland Vater zweier seiner fünf Kinder, werkte unermüdlich, wurde eine der Spitzenpositionen des internationalen Kunstmarktes. Nun hat er sein Anwesen dem Publikum gestiftet und zugänglich gemacht. Aus Sicherheitsgründen streng geregelt, können über die Website der in Österreich angesiedelten Eschaton-Stiftung Gruppen von maximal 18 Personen dreistündige Führungen buchen. Nach zweieinhalb Autostunden von Montpellier aus – anders ist in die zurückgezogene okzitanische Landschaft kaum zu gelangen – eröffnet sich eine höchst eigene, ebenso persönlich-intime wie monumentale Freiluft-Skulptur. Ein Ensemble zahlreicher Arbeiten ist über 40 Hektar Fläche verteilt, über 15 Jahre wurden zudem rund 60 Gebäude werkgerecht errichtet. Gestapelte Beton-Häuser ragen meterhoch als ‹Himmelspaläste› empor. Mit Bagger und Presslufthammer wurde teils heftig in die Landschaft eingegriffen. Wie in einem Ruinenfeld erlebt man hautnah Kiefers Ästhetik als eine des Desasters, deren Pathos auf «löchrigem Boden steht», wie er einmal sagte. Zugleich wird deutlich, wie sehr er gegen Übersehen und Verschweigen in der Geschichte arbeitet. Kunst ist für den 77-jährigen Abgrund und Ausweg zugleich: «L’art survivra à ses ruines» nannte der in Frankreich hoch geehrte Künstler 2010/11 seine Vorlesungsreihe am Collège de France. In ‹La Ribaute› empfing er Geistes- und Kunstgrössen in einem aus Betonformen gestapelten ‹Amphitheater›, in dessen Gängen weitere Arbeiten stehen. Zudem ist das Gelände durch ein verzweigtes Tunnelsystem unterirdisch begehbar, hallengrosse, aus dem Boden gegrabene ‹Krypten› beherbergen Installationen, in einer fallen Bleiflocken wie Sterne zu Boden. Oben entwickelt in einem der Glashäuser der bleierne Düsenjet ‹Mohn und Gedächtnis› eine historische Fliehkraft, die sogar den südfranzösischen Wind aus den rauchenden Trümmern der Geschichte zu blasen scheint. Gravitationszentrum des Ganzen ist Anselm Kiefer, ab 2014 lud er geschätzte Kolleg:innen dazu: Valie Export, Giovanni Anselmo, Laurie Anderson oder Monica Bonvicini haben eigene Gebäude gestaltet, Wolfgang Laib kleidete unterirdisch einen Raum vollständig mit Bienenwachs aus. Grösse und Anspruch des Kunst-Lebens-Werks lassen an den ‹Cyclope› denken, von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle in Milly-la-Forêt bei Paris errichtet. Oder an das ‹Palais idéal› des Postboten Ferdinand Cheval im zwei Autostunden nördlich gelegenen Hauterive. ‹La Ribaute› zu öffnen ist eine grosse, eine grosszügige Geste. Sie erlaubt Einblick in Anselm Kiefers Fragilität, seine Methode und seinen Humor, den es zu entdecken gilt. 

www.eschaton-foundation.com

 

Bildlegenden: 

Anselm Kiefer · Die Himmelspaläste, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Anselm Kiefer · Die Frauen der Antike, 1993–2008, Eschaton-Stiftung

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Anselm Kiefer 01.06.202230.10.2022 Ausstellung Albine
Frankreich
FR
Künstler/innen
Anselm Kiefer
Autor/innen
J. Emil Sennewald

Werbung