Auf Silberspuren – Daphné Le Sergent in Paris und Luxembourg

La préciosité du regard et le désir des choses rares 2, 20193 photo-dessins, tirage jet d’encre pigmentaire et mine de plomb, vernis sélectif sur certaines parties, transfert d’image70 x 110 cm chaquetirages : Atelier Boba, Paris

La préciosité du regard et le désir des choses rares 2, 2019
3 photo-dessins, 
tirage jet d’encre pigmentaire et mine de plomb, vernis sélectif sur certaines parties, transfert d’image
70 x 110 cm chaque
tirages : Atelier Boba, Paris

Silver halide grains, 20195 tirages jet d’encre pigmentaire, 50 x 60cmtirages : Atelier Boba Parissérie de poutres Bande son (bruit de torrent et de déclencheur d’appareil photo)design sonore : Vincent GuiotPhoto Kiyong NAM © Fondation d’entreprise Hermès

Silver halide grains, 2019
5 tirages jet d’encre pigmentaire, 
50 x 60cm
tirages : Atelier Boba Paris
série de poutres 
Bande son (bruit de torrent et de déclencheur d’appareil photo)
design sonore : Vincent Guiot
Photo Kiyong NAM © Fondation d’entreprise Hermès

Fuck the cloud, (détail), 2015© Daphné Le Sergent

Fuck the cloud, (détail), 2015
© Daphné Le Sergent

Auf Silberspuren – Daphné Le Sergent in Paris und Luxembourg

Pontault-Combault – Seit 19. Mai ist es wieder möglich, Frankreichs Kunstzentren zu besuchen. Gelegenheit für einen Ausflug in das rund eine Stunde von Paris entfernte Centre photographique d’Île-de-France (CPIF). Daphné Le Sergent behandelt hier bereits seit 20. März mit „Silver memories, le désir des choses rares“ die Bedingungen der analogen Fotografie. Die Künstlerin hält eine Professur für Kunst und Ästhetik an der Universität Paris 8, arbeitet seit Jahren zu geopolitischen Fragen in Bezug auf Kunst, deren Produktion, deren paradoxalen Effekte von Ab- und Eingrenzung. Entsprechend verbindet ihre Studienausstellung ästhetische Erfahrung mit filigranen piktorialen Reflexionen und erklärungsreichen Essays. Gleich zu Beginn fordert „Codex of 2031: The End of Silver Ore“ zur Lektüre auf. Der teils faksimilierte, teils delikat überzeichnete Maya-Kodex sagt das Versiegen von Silbervorkommen voraus, wie es tatsächlich heute von wissenschaftlichen Studien für bereits ab 2029 berechnet wird. Diese Information löste bei der in Südkorea geborenen Daphne Le Sergent eine Forschungsreise aus, bei der sich Erinnerungen, wie sie die mit Silberhalogeniden erstellten Fotografie tragen, mit solchen der materiellen Bedingungen verbinden, die sie möglich machen. Inspiriert von Prousts Suche nach der verlorenen Zeit und dessen Schilderung plötzlich aufwallender Reminiszenzen evoziert die Videoprojektion „Et j’ai deux fois vainqueur traversé l’Achéron“ (2021) fließendes Wasser, Pixelstrom, das fotografische Korn, dessen Gewinnung durch Auswaschung. Auf poetische Weise wird thematisch, was den Erfolg der analogen Fotografie im 19. Jahrhundert begründete: Kolonialisierung und Ausbeutung seltener Metalle. Le Sergent verfolgt diese Extraktionslogik durch ökonomische, politische, ästhetische Schichten, führt immer wieder vor deren Ambiguität zwischen Erinnerung und Vergessen, Bildgewinn und Zerstörung. Der im Titel adressierte Unterwelt-Fluss Acheron empfängt in der griechischen Mythologie den Schmerz der Toten. Der Videoessay „Voyages en nos Indes intérieurs“ führt zeichnend und erzählend von den Schürf-Methoden des 16. Jahrhunderts bis ins aktuelle Data-Mining. Arbeiten wie die aus vier großformatigen überzeichneten Fotografien von Wolken bestehende „Miroirs Clouds/miroirs Claude“ von 2015 oder die 2019 angefertigte Serie „Les certitudes de la mémoire“, die in sieben Diptychen aus fotografierten Felsformationen und Augen-Innen-Aufnahmen Parallelen zwischen den Maserungen des Organs und der es mit Bildern versorgenden mineralen Umwelt herstellt, zeugen von Le Sergents Fähigkeit, Wissen auszuformen. Das bringt ihre Arbeit in die Nähe von anderen VertreterInnen epistemologischer Ästhetik, die wie Hito Steyerl, Dove Allouche oder Evariste Richer an den Bedingungen der Möglichkeit der Bilder forschen. Richer legte 2005 mit „Nuages au iodure d’argent“ eine Daguerrotypie von Gewitterwolken vor, wie sie für landwirtschaftliche Zwecke durch das Besprühen mit Silberhalogeniden gezielt zum Abregnen gebracht werden (vgl. J. Emil Sennewald, Giboulées d’étoiles – Sternenschauer, lacritique.org, 2008). Bei Daphné Le Sergent erzeugt die Verbindung von bodenständigen geopolitischen Maßnahmen, persönlicher Geschichte und himmelhohen kosmologischen Reflexionen ein dichtes, nicht immer gleich eingängiges Werk. Durch die Pandemie bedingt wurde die Ausstellung im CPIF verschoben, ist nun parallel zu einer Schwester-Ausstellung im Casino in Luxemburg zu sehen. Eine doppelte Gelegenheit, sich von Daphné Le Sergents reichhaltigen Reflexions-Welten aufnehmen zu lassen. 

 

Silver memories, le désir des choses rares, Centre photographique d’Île-de-France, bis 18.7., http://www.cpif.net/fr/programme/daphne-le-sergent-silver-memories

Silver memories, Casino Luxembourg, bis 6.6., https://www.casino-luxembourg.lu/fr/Expositions/Silver-Memories

Die Werke sind neben den Ausstellungsseiten gut auf der Webseite der Künstlerin dokumentiert: https://daphnelesergent.com, Ausschnitte aus den Filmen sind unter folgender Adresse einsehbar: https://vimeo.com/536256134

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Daphné Le Sergent — Silver Memories 02.04.202106.06.2021 Ausstellung Luxembourg
Luxemburg
LU
Daphné Le Sergent — Silver Memories 02.04.202106.06.2021 Ausstellung Luxembourg
Luxemburg
LU

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