Beatriz Gonzalez — Total deplatziert

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez, Desplazamientos forzados y paisajes elementales, 2017, Ausstellungsaufnahme Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Beatriz Gonzalez — Total deplatziert

Zürich — Die kolumbianische Künstlerin Beatriz Gonzalez (*1938) gehört zu den grossen Namen lateinamerikanischer Gegenwartskunst. Als solcher fällt sie fast etwas aus der Reihe an der documenta14, die erklärtermassen schwergewichtig Künstler/innen zeigt, die ansonsten eher an der Peripherie der Kunstwelt stehen. Weniger aus der Reihe fällt Gonzalez mit ihrer künstlerischen Position, die sie an der diesjährigen documenta mit mehreren Arbeiten vertritt. Augenfällig ist etwa der hallenhohe «Vorhang beweglicher und veränderlicher Natur» von 1978 in der «Neuen Neuen Galerie». Er zeigt ein flächig gemaltes Remake von Edouard Manets «Frühstück im Grünen» und lässt sich vereinfacht gesagt als Verhandlung der Kunstgeschichte mit Mitteln der Pop-Art lesen. Besonders bei dieser kulturgeografisch interessierten documenta stellt sich bei der Arbeit die Frage, was es bedeutet, wenn eine Künstlerin aus Südamerika einen Giganten der westlichen ­– sich nach wie vor sehr gerne selbst universalisierende – Kunstgeschichte angreift.

Solche und andere geografischen Fragen prägen das übergreifende Werk von Gonzalez. Immer wieder befasste sich die Künstlerin mit Verortung und Entortung, mit Einwanderern, Landschaften und Heimaträumen. So auch in ihrer aktuellen Ausstellung ‹Erzwungene Umsiedlung und elementare Landschaften› in der Galerie Peter Kilchmann. Dabei richtet sie ihren Blick wie üblich auf ihr eigenes Heimatland Kolumbien. Ausgehend von Pressebildern abstrahiert sie Landschaften, Umweltkatastrophen, Heimatlose oder andersartig entwurzelte Menschen zu schattigen, flächigen Gestalten. Sie hausen ebenso auf grauen Leinwänden, wie sie glattlackierte Holzmöbel oder Tapeten bewohnen. Diese ästhetische Ambivalenz, die Motive einerseits auf Gebrauchsgegenstände zu setzen und sie andererseits in dicke, rohe Leinwand einzureiben, wirkt konstitutiv für die Ausstellung. Ebenso konstitutiv wirkt die fast typologische Verwendung derselben Gestalten. In beiden Fällen wird der Mensch, um dessen zeitgeschichtliche Existenz es in den Pressebildern ging, zum Schattenwesen. Zu einer reinen Figur, einem blossen Motiv, das hier gerade noch als Lücke, als anonyme Form eines echten Menschen auftaucht. Insofern werden die Gestalten ästhetisch ausschliesslich durch ihre Deplatzierung verstanden. Sie gehören zu keinem fixen Bild und haben keinen festen Ort, sondern sie werden ständig neu platziert, abgeändert und verwischt. Die ästhetische Provokation öffnet also durchaus den Raum für Kontroverse: Klar, Flüchtlinge als dekorative Elemente einer Tapete sind bis zur Geschmackslosigkeit deplatziert. Ist es aber umgekehrt nicht mindestens so absurd, Deplatziert sein gestalterisch dadurch auszudrücken, ihnen einen ästhetisch «sinnvollen» bzw. «passenden» Platz zuweisen zu wollen?

Ausstellungen/Newstickerabsteigend sortieren Datum Typ Ort Land
Hernan Bas, Beatriz Gonzalez 10.06.201728.07.2017 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Beatriz Gonzalez
Autor/innen
Philipp Spillmann

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