Christoph Rey – An der Grenze von Banalität und Poesie

Christophe Rey, ‹D’un touriste›, Centre de la photographie Genève, 2018 (Ausstellungsaufnahmen). Foto: Katharina Holderegger

Christophe Rey, ‹D’un touriste›, Centre de la photographie Genève, 2018 (Ausstellungsaufnahmen). Foto: Katharina Holderegger

Christophe Rey, ‹D’un touriste›, Centre de la photographie Genève, 2018 (Ausstellungsaufnahmen). Foto: Katharina Holderegger

Christophe Rey, ‹D’un touriste›, Centre de la photographie Genève, 2018 (Ausstellungsaufnahmen). Foto: Katharina Holderegger

Christoph Rey – An der Grenze von Banalität und Poesie

Genf – Das Centre de la photographie Genève/CPG hat die Fotografie des auch als Dichter tätigen Christophe Rey bereits mehrfach gestreift, darunter in der sich auf das Manifest Allan Sekulas von 1984 beziehenden Schau zum 30. Geburtstag der Institution ‹Photography against the grain›, 2014, die der neuen nicht mehr eigentlich nur post-avantgardistischen, sondern sich bereits auch von der oft rigiden Regelhaftigkeit konzeptueller Ansätze wiederum absetzenden Dokumentarfotografie galt. Die erste Soloschau in der Institution von Rey gehört nun einem von Künstler auf Augenhöhe angebrachten Fries mit 450 seiner rund 6500 Aufnahmen, die in den letzten Jahren auf aus Neugier oder zur Erholung unternommenen Reisen entstanden sind, etwa in den Süden der USA, nach Venedig, Florenz, Rom und Sizilien, Japan, Paris und Versailles sowie zu in familiäre Refugien in der Ardèche und den Walliser Alpen. 

Im Schlepptau der Myriaden von Touristen/-innen, die global 10% des BIP, aber auch 8% des CO2-Ausstosses zeitigen, wie Joerg Bader, der langjährige Leiter des CPG, in seiner Einführung erinnert, nahm der Künstler dabei mit einer vom bekannten Genfer Bildhauer, Maler und Zeichner Fabrice Gygi ungebrauchten und ihm deshalb geschenkten Leica M6 das auf, was seinen Blick spontan anzog – und zwar vom Abfahrtsort bis zu den verschiedenen Zielen und umgekehrt. Die Arbeit geriet so eher zu einer Geschichte über die nur mehr über den Tourismus selbst sprechenden Zwischenräume zwischen und Vordergründe vor den spektakulären Kulissen: Geschmacklose Hotels, Restaurants und Bars, triste Strassen und Pisten sowie darauf verkehrende Vehikel, monotone Felder und Wiesen, da und dort Bäume.

Statt chronologisch, hat Rey die Aufnahmen jedoch Wand für Wand nach Elementen geordnet, die ihm beim Durchgehen des ganzen Bilderschatzes als kontinuierliche, letztlich effektiv eher relativ abstrakte motivische und kompositorische Themen auffielen, nicht ohne zugleich seine Gewohnheit zu entlarven, ein ihn faszinierendes Ding in verschiedenen Perspektiven festzuhalten, aufgrund der analogen statt digitalen Technik jedoch nie mehr als zwei oder drei Male. Die Schau gerät so zu einer bezaubernden Hinführung zu Konstellationen in Konstellationen, in denen in einer nach Marktgesetzen durchgestalteten Welt vielleicht einzig und allein noch Poesie gefunden werden kann. Nicht zuletzt stellt Rey mit seiner unprätentiösen, freischwingenden Dokumentarfotografie jedoch die moralische Frage: Muss man angesichts dieser Lage für dieses besondere Erleben in der Tat noch so grosse Sprünge machen oder liegt es einem nicht überall zu Füssen?

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Christophe Rey 23.05.201819.08.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
Christophe Rey

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