Critical Zones — Horizonte einer neuen Erdpolitik

Alexandra Arènes / Soheil Hajmirbaba (SOC – Société d’Objets Cartographiques atelier shaā), Critical Zone Observatory Space, 2018–2020, Installation mit Videos, Modelle, Objekte, dimensionen variabel, Courtesy ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Foto: Elias Siebert

Alexandra Arènes / Soheil Hajmirbaba (SOC – Société d’Objets Cartographiques atelier shaā), Critical Zone Observatory Space, 2018–2020, Installation mit Videos, Modelle, Objekte, dimensionen variabel, Courtesy ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. 
Foto: Elias Siebert

Critical Zones — Horizonte einer neuen Erdpolitik

Karlsruhe — Die Ausstellung ‹Critical Zones – Horizonte einer neuen Erd-politik› widmet sich dem aktuellen Diskurs um das Anthropozän. Der künstlerisch-wissenschaftliche Austausch zum komplexen physischen Zustand der Erde findet in einer virtuellen sowie auch in einer physischen Schau im ZKM statt.
Mit «Kritische Zone» wird jene die Erde umhüllende Schicht bezeichnet, in der Leben existiert: von den Tiefen des Erdreichs bis zu den obersten Grenzen der Vegetation. An vielen Orten entstanden Observatorien, welche die Veränderungen des Klimawandels aufzeichnen. Alexandra Arènes und Soheil Hajmirbaba haben sich in das Freilichtlabor Strengbach begeben, das 1986 aufgrund der Diskussion um den «sauren Regen» entstanden ist. In Form einer topografisch-filmischen Installation zeigen sie die Beschaffenheit des Ortes und die Beobachtung des komplexen Zusammenspiels von chemischen Stoffen, Wasser, Luft, Licht und Pflanzen. Ihre virtuelle Werkvariante ermöglicht den Blick auf schematische Darstellungen des Areals. Rasa Smite and Raitis Smits vermitteln indes in einem auf Film- und Messdaten basierenden Video die feinstoffliche Lebendigkeit des Schweizer Pfynwaldes. Die geheimnisvolle Interkonnektivität von organischen und anorganischen Komponenten der gefilmten Natur sind nahezu fühlbar. 
Bereits seit Ende der Sechzigerjahre wird die Erde von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen als sich selbst organisierendes System verstanden, das die Interaktionsprozesse aller Lebensformen umfasst und sich in ständiger Transformation befindet. Lebewesen sind nicht nur Teil der Umwelt, sie schaffen ihre Umwelt. James Lovelock und Lynn Margulis benannten diese Anschauung metaphorisch ‹Gaia›. Anhand von Filmen und Texten ermöglicht die Plattform in Margulis faszinierende Evolutionstheorie einzutauchen. Danach entwickelt sich neues Leben weniger durch Zufall und Selektion als vielmehr durch Symbiose verschiedener Organismen. 
Auch Ozeane, Wolken oder das Erdinnere spielen für die dynamischen Prozesse Gaias eine Rolle. So widmen sich etwa Karen Holmberg und Andrés Burbano Vulkanausbrüchen – Momenten, während derer sich Innen und Aussen berühren. Mit Hilfe einer 360-Grad-Fotografie können wir durch die Höhlenformation unter einem erloschenen Vulkan oder durch das topografische Modell seines Ausbruchs navigieren. 
Allein schon das «Betreten» der in ständiger Veränderung befindlichen Plattform lässt ahnen, dass wir die Erde grundsätzlich neu verstehen müssen: Wir erhalten die Rückmeldung, dass wir mit anderen Entitäten im Raum sind. Gemeint sind Menschen, Texte oder gerade aufgezeichnete Veränderungen von Wind, Wasser oder Licht, die ebenso wie wir im realen und digitalen System Auswirkungen haben. Und wie in der Natur entstehen im Virtuellen ständig neue faszinierende Werke.

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Critical Zones 23.05.202008.08.2021 Ausstellung Karlsruhe
Deutschland
DE
Autor/innen
Yvonne Ziegler

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