DG-Kunstraum — Dialogisches Kunstnetzwerk

Nanni Schiffl-Deiler/Wolfgang Gleixner, Amseltage, 2021, Video, Dauer 6’ 3’’, Courtesy Kunstnetzwerk online

Nanni Schiffl-Deiler/Wolfgang Gleixner, Amseltage, 2021, Video, Dauer 6’ 3’’, Courtesy Kunstnetzwerk online

DG-Kunstraum — Dialogisches Kunstnetzwerk

München — Weil der Termin der Wiedereröffnung ungewiss ist, führt der DG-Kunstraum sein im ersten Lockdown begonnenes Kunstnetzwerk weiter. Gemeinsam mit der Erzdiözese München und Freising sowie dem Kunstreferat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern will man damit den Kunstschaffenden eine Möglichkeit zur digitalen Präsentation und zum Dialog bieten. Unter www.kunst-netzwerk.online kann man die Kooperation in Wort, Klang und Bild jetzt besichtigten. 

Diesmal begegnen sich Duos von Künstlern aller Sparten, jeweils ergänzt durch Interviews und Texten. Den Anfang machen die Malerin Nanni Schiffl-Deiler und der Musiker Wolfgang Gleixner. Sie stellen den sechsminütigen Film ‹Amseltage›(damit sind im Italienischen die letzten Januartage gemeint) vor, der in Kooperation entstand: Die Video-Skizze, aufgenommen 2017 während einer Zugfahrt der Künstlerin nach Rom,  stammt von Schiffl-Deiler, die Klang-Collage dazu von Gleixner. In den kunstvoll fragmentierten Bildsequenzen wird selbst die neblige Poe-Ebene und die industriell geprägte Emilia Romagna Sehnsuchtsort – zumal im Kontext einer Zeit, in der keiner reisen kann.

Jede Woche wird ein neues Duo ins Netz gestellt, als nächstes folgen Christian Schnurer und der Regisseur Paul Stebbing mit Fotografien zum Projekt ‹Salva Vida›, im Zuge dessen seit 2016 Hilfsgüter nach Lesbos und 10.000 Rettungswesten nach Deutschland transportiert und an diversen Orten quasi als Mahnmal im öffentlichen Raum aufgeschüttet wurden. Als drittes Duo treten der Fotograf Gerald von Foris und die Berliner Lyrikerin Lydia Daher auf. Von Foris Aufnahmen sind Stillleben der Vergänglichkeit, lakonisch und disparat. Daher wiederum fängt ihre in alle Richtungen ausschlagenden Gedanken und Empfindungen in kristallklaren Wortbildern ein, wie das allgegenwärtige Gefühl von Vergeblichkeit: «Bin die ganze Nacht gefahren und habe doch keine Meile geschafft». Formuliert bange «Schlag dir Unversehrtheit aus dem Kopf. Wir sammeln Schaden. Vergessen so viel.», aber auch um Zuversicht bemüht: «Vielleicht ist dies ein guter Tag, um an gute Tage zu denken.» Und erfindet damit fast schon ein Mantra, um die Zeit zu überstehen.  

www.kunst-netzwerk.online

Autor/innen
Roberta, De Righi

Werbung