Donato Amstutz

Donato Amstutz in der Galleria Periferia mit Sphère, 2021, Handstickerei

Donato Amstutz in der Galleria Periferia mit Sphère, 2021, Handstickerei

Donato Amstutz, Semper Eadem, 2021, Handstickerei

Donato Amstutz, Semper Eadem, 2021, Handstickerei

Donato Amstutz, Insomnia 2015 und Ex Voto 2020, Handstickereien

Donato Amstutz, Insomnia 2015 und Ex Voto 2020, Handstickereien

Donato Amstutz

Luzern – Seit Jahren stickt Donato Amstutz (*1969, lebt in Paris) seine Bilder. Er wählt meist schwarzen Faden und einfache dichte Stiche auf weissen Stoffen. Das Medium ist ungewöhnlich für einen Mann. Wenn schon, lassen Männer ihre Entwürfe durch Stickerinnen umsetzen wie dies beispielsweise Alighiero e Boetti tat, der zugleich ein politisches Konzept verfolgte. Amstutz aber nimmt Faden und Nadel selbst zur Hand und stickt während Wochen an einem Bild. 

Dass sein Tun als Statement zu aktuellen Gender- und Rollen-Debatten gesehen werden kann, ist ihm bewusst, doch darum geht es ihm nicht.  Seine Wahl der Technik ist einfach und komplex zugleich: Er entdeckte irgendwann die sich stets wiederholende und darum meditative Handarbeit für sich und fand an ihr Gefallen und Befriedigung. Andererseits sah er sich mit seiner Arbeit in einem verwirrlichen und mancherlei Widersprüche vereinigenden Netz der Bildentstehung und Bildumsetzung. Früher dienten ihm Arzneimittelpackungen für Antidepressiva als Vorlagen für seine damals farbigen Stickereien, was sich als ein  Überdenken behaupteter oder realer Bezüge zwischen künstlerischer Praxis und psychischen Problemlösungen interpretieren liess. In der Galleria Edizioni Periferia zeigt er jetzt in sparsam-lockerer Hängung neuere Arbeiten, die auf vorgefundenen Fotografien oder Bildern der Kunstgeschichte beruhen. Amstutz bearbeitet die Vorlagen über eine lange Reihe manipulierter Fotokopien und überträgt das Resultat in die Stickerei.  Dabei öffnet sich ein Widerspruch zwischen der Geschwindigkeit von Fotografie oder Fotokopie und dem langwierigen und hohe Aufmerksamkeit erfordernden Prozess des Stickens. Ebenso verleiht der Künstler der ephemer erscheinenden Vorlage mit seiner Arbeit einen eigentlichen Objektcharakter, der sich allerdings erst mit der Zeit erschliesst: Sieht man die Bilder aus Distanz, so wirken sie wie gerastert gedruckte Fotografien oder, in einigen Fällen, wie vergrösserte Fotokopien von Lexikon-Einträgen – emotionslos und kühl. Der skulpturale Charakter der persönlichen Handarbeit, das Spiel mit Vorder- und Rückseite der Stickerei, der Verlauf der Fäden, ein kleines Ausfransen des Stoffes hier, der aus dem Grund herausragende Rest eines Fadens dort – all das nimmt man erst beim Nahetreten war, womit der Künstler beiläufig-diskret die widersprüchliche Thematik von Original und Reproduktion aufnimmt. 

Mit seiner Motivwahl greift Amstutz teils in die Kunstgeschichte zurück – auf Mantegnas Toten Christus oder auf Totenschädel in Bildern von Carpaccio oder Sebastian Stoskopff. Teils suchte er unter in der Presse publizierten Fotos nach Gesichtern von Frauen mit geschlossenen Augen, die, so Amstutz, «Dinge sehen, die wir nicht sehen können». 

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Donato Amstutz 21.05.202218.06.2022 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Donato Amstutz
Autor/innen
Niklaus Oberholzer

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