Doug Aitken — Mensch und Mobiltelefon

Doug Aitken, New Era,2018, Still from New Era, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / New York

Doug Aitken, New Era,2018, Still from New Era, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / New York

Doug Aitken, 3 Modern Figures (don’t forget to breathe),2018, Cast frosted resin, programmed LED lights and composition, audio speakers and components, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber; Image by Doug Aitken Workshop

Doug Aitken, 3 Modern Figures (don’t forget to breathe),2018, Cast frosted resin, programmed LED lights and composition, audio speakers and components, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber; Image by Doug Aitken Workshop

Doug Aitken, New Era,2018, Still from New Era, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / New York

Doug Aitken, New Era,2018, Still from New Era, Courtesy of the Artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / New York

Doug Aitken — Mensch und Mobiltelefon

Doug Aitken thematisiert das Überwinden des Raums durch das Mobiltelefon. Diesem Prinzip – dem Verhältnis von Raum und Individuum – setzt er auch die Rezipierenden in seinen Installationen aus, die dramaturgisch aufgebaut mittels Film, Objekt und Sound Narrative erzeugen. 

Zürich — Der erste visuelle Eindruck nach dem Eintreten in die Dunkelheit trügt: Eine sich vermeintlich ins Unermessliche ausdehnende Halle erweist sich als ein verspiegelter Raum. Abwechselnd angeordnete Spiegelwände und Screens bilden ein Hexagon für eine Dreikanal-Videoinstallation. Das Betrachten von Doug Aitkens (*1968, Redondo Beach, CA, lebt in Los Angeles und New York) dokumentarisch anmutender, jedoch stärker auf ästhetische Kriterien abzielende Arbeit wird so zum räumlichen Erlebnis. Mit dem in dramatischem Licht porträtierten Martin Cooper und seinem Ausspruch «I made a phone call» inszeniert der Künstler die Erfindung des ersten Mobiltelefons von 1973. Eingeblendet werden zudem stimmungsvolle Bilder von Antennen in der weiten Landschaft, Verkehrsflüsse, aber auch kaleidoskopartige Aufnahmen des ersten Mobiltelefons. Während die Telekommunikation in einen Kontext zur Natur gesetzt wird, findet sich die im Film auftretende Faszination für Spiegelungen und ornamental aufgebrochenen Bildern in der räumlichen Ausgestaltung der Installation wieder.

Die Arbeit im zweiten Raum regt zur Selbstreflexion an über die Auswirkung des ersten Mobiltelefonanrufs auf die Individuen unserer Gesellschaft. Eine stehende, eine liegende und eine sitzende Skulptur sind in grosszügigen Abständen zueinander positioniert. Alle halten der Geste nach ein Mobiltelefon ans Ohr. Obwohl ein choreografisches Lichtprogramm, mit dem die Skulpturen aufleuchten, sowie eine omnipräsente Tonspur die drei Gestalten miteinander verbinden, bleiben diese ihrem Ausdruck nach isoliert. Vertieft in die Kommunikation mit unbekannten Gegenübern bleibt, trotz räumlicher Nähe, eine Interaktion zwischen den selbstbezogenen Figuren aus.

Im dritten Raum steht eine Skulptur aus Stein und Beton, über die aus Öffnungen heraus Wasser in ein Becken hinunterrinnt. Vorbild für die in der Arbeit «Crossing the Border» überlebensgross im Profil dargestellte Figur ist Gandhi. Der Stab in seiner Hand leuchtet in programmierten Sequenzen und Mustern auf. Synchron dazu schwillen die Tropfgeräusche und die Wassermenge an oder ab. Diesmal kombiniert Doug Aitken Natur und Technologie in Rückbesinnung darauf, dass Kommunikation auch mit einfachen Mitteln wie dem Überschreiten von Grenzen als politischer Akt erfolgen kann, um etwas zu bewegen. Eine sehenswerte Einzelpräsentation, die aufgrund der immersiven Umsetzung und narrativen Strängen überraschenderweise mehr an eine Ausstellung in einem Museum als in einer Galerie erinnert.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Doug Aitken 10.06.201821.07.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Doug Aitken
Autor/innen
Sonja Gasser

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