Gene Beery – Schrift malen und Malerei schreiben

Gene Beery,‹Everything is First of all Amazing!›, ca. 1990, Acryl auf Leinwand, 50.8 x 67.3 cm. Courtesy of the artist and Greenspon, New York. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery,‹Everything is First of all Amazing!›, ca. 1990, Acryl auf Leinwand, 50.8 x 67.3 cm. Courtesy of the artist and Greenspon, New York. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹This Is My Last Serious Painting›, 1960, Öl auf Masonit, 61 x 122 cm und ‹Experiment in Time›, 1972, Acryl auf Leinwand, 86.4 x 106.7 cm, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹This Is My Last Serious Painting›, 1960, Öl auf Masonit, 61 x 122 cm und ‹Experiment in Time›, 1972, Acryl auf Leinwand, 86.4 x 106.7 cm, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹Clouds›, 1965, 104 x 129.5 cm, Acryl auf Leinwand. Courtesy the artist and Jan Kaps, Cologne. Foto: Mareike Tocha

Gene Beery, ‹Clouds›, 1965, 104 x 129.5 cm, Acryl auf Leinwand. Courtesy the artist and Jan Kaps, Cologne. Foto: Mareike Tocha

Gene Beery, ‹Wall Dancers›, ca. 1960–2016, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹Wall Dancers›, ca. 1960–2016, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹Wall Dancers›, ca. 1960–2016, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery, ‹Wall Dancers›, ca. 1960–2016, Installationsansicht Kunsthalle Fri Art, 2019. Foto: Guillaume Baeriswyl

Gene Beery – Schrift malen und Malerei schreiben

Freiburg — «Looking for visual thrills» oder «This painting will always be interesting» schreibt und malt Gene Beery (*1937, Racine/Wisconsin) mit groben Pinselstrichen auf Leinwand. Damit katapultiert er uns zu einem vermeintlichen Paradoxon seiner Gemälde, auf denen er die Malerei ins Lächerliche zieht und zugleich eine profunde Reflexion über ihren Kern, ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen anstösst. In Werken der frühen Sechzigerjahre dienten auf Baustellen gefundene Masonitplatten als Untergrund. Hierdurch verstärkt sich eine Assoziation seiner Text-Bilder zu unspektakulär gestalteten Ladenschildern, die unsere Aufmerksamkeit mit einem kurzen Lacher auf sich ziehen, damit wir hängen bleiben und schliesslich doch länger als vorgehabt davor stehen.

Dass Museumsbesuchende vor Gemälden mit Textelementen stets innehalten, beobachtete Beery als Aufsichtsperson im Museum of Modern Art. Dort hatte er auch mal ein eigenes Werk zu bewachen. Im New York der frühen Sechzigerjahre fiel seine humorvoll-kritische Herangehensweise jedoch zumeist aus dem Raster. ‹This is my last serious painting›, 1960, gefolgt von einer Signatur in verbundenen Buchstaben, überlagert er mit pseudoexpressiv auf den Untergrund geschmierter Farbe. Es liest sich als relativierender Kommentar zum gefeierten abstrakten Expressionismus. Weitergemalt hat er allemal – auf dem kalifornischen Land, wohin er sich mit seiner Familie zurückzog. Alltagserfahrungen, nun als Taxifahrer und als Gärtner, lässt er weiterhin in seine künstlerischen Arbeiten einfliessen.

Heute hängen Beerys Werke, zu denen auch zahlreiche Künstlerbücher sowie (dem traditionellen Begriff nach) figurative Motive zählen, mit einer grossen Selbstverständlichkeit in seiner ersten Retrospektive in der Freiburger Kunsthalle. Sie greifen in der letzten Ausstellung von Balthazar Lovay als künstlerischer Leiter dieser Institution Fragen auf, die sich durch sein kuratorisches Programm ziehen: Jene nach «Anti-Art», die letztendlich immer Kunst blieb, die nach verschiedenen Herangehensweisen, um das Medium der Malerei zu hinterfragen und neu zu denken, sowie die nach der Geschichte von Text in der Kunst.

Besonders prägnant zeigt sich das im hintersten Raum der Ausstellung mit den schräg durcheinander angebrachten ‹Wall Dancers›, 1960–2016. Zusätzlich zu «Bad Painting» könnte man hier auch von einem «Bad Hanging» der kleinen Leinwände sprechen. Der Fussboden wurde im Krankenhaus-Hellgrün von der vorherigen Schau ‹Discoteca Analitica› belassen. Das legt die Frage nahe, ob den bisher selten ausgestellten Leinwänden in dieser ungewohnt institutionellen Situation vor Aufregung schlecht geworden ist – oder ob sie doch ihre noch rechtzeitige Ehrung feiern.

Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
Gene Beery / Grégory Sugnaux / Vanessa Safavi 03.05.201930.06.2019 Ausstellung Fribourg
Schweiz
CH
Künstler/innen
Gene Beery
Autor/innen
Irène Unholz

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