Michel Auder — Dreams Money can’t buy

Michel Auder · Dreams That Money Can’t Buy, Ausstellungsansicht Karma International, 2021. 

Michel Auder · Dreams That Money Can’t Buy, Ausstellungsansicht Karma International, 2021. 

Michel Auder · Dreams That Money Can’t Buy, Ausstellungsansicht Karma International, 2021. 

Michel Auder · Dreams That Money Can’t Buy, Ausstellungsansicht Karma International, 2021. 

Michel Auder — Dreams Money can’t buy

Zürich — Der Blick in die Schaufenster der Galerieräume von Karma International ist durch dunkle Vorhänge versperrt. Dafür ist die Sicht auf die Arbeitsplätze freigegeben. Dort wuseln vier Menschen am grossen Tisch – Co-Working-Atmosphäre anstatt internationales Galerienklischee. 

Beim Eintreten in den Ausstellungsraum dämpft man automatisch die Stimme: Die Ausstellung ‹Dreams That Money Can’t Buy› von Michel Auder kommt wie ein kuscheliges Hinterhofkino daher. Es riecht nach Plastik, farbige Kunststoffstühle stehen auf Bodenabdeckungen aus Granulat, die auf Kinderspielplätzen vor wunden Knien schützen. Das vom Design-Duo Kueng Caputo geschaffene Setting holt mich von der ersten Sekunde an ab. Ich kann wählen, Plastikstuhl oder ein geblümtes Ikea-Sofa? 

Ich entscheide mich für das Sofa – ein Überbleibsel aus Dan Grahams Ausstellung von 2015 an der ETH Zürich. Es erwarten mich über 40 Stunden Filmmaterial. 100 Einzelne Filmarbeiten von 1969 bis 2021 in alphabetischer Reihenfolge, ausgewählt vom Gastkurator Adam Szymczyk, gemeinsam mit dem Künstler. Ich steige bei einer wackligen Farbaufnahme ein. Die Bilder zeigen eine bergige Gegend, ausgebüxte Pferde, die durch die Strassen rennen, einen Altar voller Fotos und Blumen. Fauna und Fora lassen mich die Szene in Südamerika verorten. Leuchtende rosa Blumen tauchen immer wieder auf: Im Urwald, im Garten, als Grossaufnahme in der Kamera, auf dem Sofa, auf dem ich sitze, in den Fotografien, die an den Wänden hängen. 

Michel Auders Arbeiten wirken roh. Ihn als Filmer und nicht Filmemacher zu bezeichnen, wie es der documenta-14-Kurator im begleitenden Text beschreibt, trifft es. In analogen 16-mm Filmen und einer Reise durch das Bildarchiv eines iPhones ist die Auswahl an 100 Filmen auch eine Zeitreise durch das Medium Film und Auders Leben. Von dokumentarisch wirkenden, intimen Schwarz-Weiss-Aufnahmen von Freunden zu Reiseberichten, die einem über verwackelte und schweisstreibende Bilder einer kurvigen Passfahrt im Urwald führen. 

‹Dreams That Money Can’t Buy› widerspricht der Verheissung einer Galerie, sich mit Kunstkauf kleine Träume zu verwirklichen. Die international erfolgreichen Galeristinnen Marina Olsen und Karolina Dankow präsentiere Auders Werk nicht in kleinen, gut handelbaren Häppchen, sondern in einer vermessenen Menge. Es ist unmöglich, die gesamte Ausstellung zu sehen. 40 Stunden auf dem blumigen Sofa sitzen und mich in Auders Welt entführen lassen? Kann ich es mir leisten, einen kleinen Teil von diesem Traum mit meiner Zeit zu erkaufen? 

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Michel Auder – Dreams That Money Can’t Buy 17.09.202106.11.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Michel Auder
Autor/innen
Laura Breitschmid

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