Pierre-Philippe Hofmann

Pierre-Philippe Hofmann

Sion — Dem Künstler Pierre-Philippe Hofmann bin ich in den letzten paar Jahren immer wieder begegnet. Er war auf zehn verschiedenen Reisen durch die Schweiz und in Künstlerresidenz vom Rhein bis an die Rhone, vom Jura bis ins Tessin, vom Genfersee an den Bodensee, und er war am Sammeln von Bildern, Videos. Was sammelte er? In 2702 Videos von einer Minute dokumentierte er Berge, Wanderwege und Pässe, aber auch Autobahnen und Parkplätze im Mittelland, Sitzbänke und Strassen in periurbanen Zonen, zudem Jahreszeiten und Wettersituationen: Wanderer im Schnee, Mutter mit Kind am Bahnhof, Ladenauslagen bei Sonne und Regen. Der belgisch-schweizerische Künstler war seit 2014 unterwegs, immer durch das Zentrum der Schweiz – die Älggi Alp im Kanton Obwalden. Dieses Sommerhalbjahr zeigt er seine immense Bildersammlung in der Ferme Asile in Sitten, wo er auch einmal Gastkünstler war. Auf einer grossen Wand von 45 in drei Reihen angeordneten Monitoren läuft ein Panorama von 1500 Videos in Schwarz-Weiss und in Farbe. Ab und zu sind die Bildschirme auch Schwarz. Stimmengeräusche, das Summen von Auto und das Schlagen von Kuhglocken begleiten uns, während wir die Wand abschreiten. Weitere Monitorbänder sind im Raum verteilt. Zudem sind am Boden in dem hohen Raum Holzstreben grossformatige Fotografien von Stein und Betonelementen zu sehen. In vier Druckgrafiken zeigt der Künstler abstrahiert, nach welchem Konzept er die Gegend durchstreifte. Und eine acht Meter lange ausgedruckte Liste nennt alle Stellen in der Schweiz, die zur Darstellung kamen. 

Dokumentarisch bietet die Ausstellung ‹Portrait of a Landscape›einen spannenden Ausflug in eine immense Bildersammlung aus der Schweiz.Pierre-Philippe Hofmann hat ein sehr grosse und abwechslungsreiche Panoramaform entwickelt, die vieles zeigen will, im Wissen darum, dass man nicht alles zeigen kann. Die leeren Stellen im grossen Ausstellungsraum demonstrieren die Unmöglichkeit des Unterfangen, eine Landschaft mit Video und Foto komplett darzustellen. Also baut der Künstler ein bewegliches Mosaik, das es ihm erlaubt es, ein Puzzle der Videosequenzen von einer Minute auf den 72 Bildschirmen zu gestalten. Ein Klangstück mit vier Kopfhören erzählt Erlebnisse und Anekdoten während seiner Reisen, und interaktive Displays stehen den Besuchern zur Verfügung, um ihr eigenes Wissen zum Gesehenen abfragen zu  können. Die kaleidoskopische und fragmentierte Sicht auf unsere Schweizer Landschaft erzeugt so Erinnerungen an sie, die vielleicht wichtiger sind als ein Selfie auf dem Furkapass.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Pierre-Philippe Hofmann 28.04.201824.06.2018 Ausstellung Sion
Schweiz
CH
Künstler/innen
Pierre-Philippe Hofmann
Autor/innen
Sibylle Omlin

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