Staatliche Kunsthalle Baden-Baden — KunsthalleRevisited.com

Fotografie sichtbar machen: Cindy Sherman: Untitled Film Still #39, 1979. Foto: Sonja Gasser

Fotografie sichtbar machen: Cindy Sherman: Untitled Film Still #39, 1979. Foto: Sonja Gasser

3D-Modell des Werks: Tobias Rehberger, Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen (franchised), 2009–2011, Screenshot

3D-Modell des Werks: Tobias Rehberger, Was du liebst, bringt dich auch zum Weinen (franchised), 2009–2011, Screenshot

Interaktives Video zu: Richard Serra, Ohne Titel, 1978, Screenshot

Interaktives Video zu: Richard Serra, Ohne Titel, 1978, Screenshot

Tweets von der Vernissage mit dem Hashtag #kunsthallerevisited, Screenshot

Tweets von der Vernissage mit dem Hashtag #kunsthallerevisited, Screenshot

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden — KunsthalleRevisited.com

Baden-Baden — Die Namen vier international bekannter Künstler und einer Künstlerin laden dazu ein, in die Geschichte der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden einzutauchen. Auf einem Zeitstrahl angeordnete Werke geben online Einblick in Ausstellungen aus den letzten fünf Jahrzehnten. Gut möglich, dass künftig weitere Archivperlen hinzukommen und einen immer umfassenderen Einblick in die Ausstellungshistorie bis zurück zur Eröffnung 1909 ermöglichen.

Die Inhalte überzeugen: Ein fiktiver U-Bahn-Plan dient der interaktiven Navigation durch ein Geräuschpotpourri, das Emeka Ogboh 2017 aus Lärmkulissen seiner Heimatstädte Lagos und Berlin zusammensetzte, was für interkulturelle Verfremdung sorgt. Die Ausstellungen von Tobias Rehberger 2009 und Dan Flavin 1989 leben als virtuelle 3D-Modelle wieder auf, die eine andere qualitative Eigenschaft aufweisen, als die ebenfalls aufrufbaren, hochaufgelösten Ausstellungsansichten. Wer einen Laptop mit Touchscreen hat, nutze ihn für den speziellen Rückblick auf Cindy Shermans Ausstellung von 1997 – das Erlebnis ist dann am sinnlichsten, wenn direkt mit dem Finger über das Bild gefahren werden kann. Das extreme Hochformat, wie es auch beim interaktiven Video rund um den Aufbau einer Stahlskulptur von Richard Serra 1978 erscheint, orientiert sich eindeutig am Smartphone. Die Web-Anwendung funktioniert auf grossen wie auf kleinen Geräten gleichermassen gut, doch grossformatig sind die Raumansichten eindrücklicher.

Die fünf Beispiele bestechen dadurch, dass jedes als autonom konzipierte Umsetzung zum Entdecken einlädt – eine User Experience wie man sie sich wünscht. So bieten die Ausstellungen auch im Digitalen je eigene Erlebnisse, die weder eine schlechte Kopie der Museumspräsentation herbeibemühen, noch die Daseinsberechtigung der direkten Begegnung mit Kunst hinterfragen.

Überzeugende digitale Angebote wie dieses entstehen nicht, weil zufälligerweise ein Coronavirus die gewohnten Umstände an den Ausstellungsinstitutionen durcheinanderbringt. Vielmehr steckt hinter dem Projekt, das im Rahmen von ‹Digitale Wege ins Museum II› vom Baden Württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert wird, eine jahrelange Planungs- und Umsetzungsphase. Ob die Vernissage von Anfang an komplett digital vorgesehen war? – Jedenfalls finden sich auf Twitter Kommentare von einigen, die am 8. April 2020 begeistert dabei waren.

Virtueller Ausstellungsrundgang: http://kunsthallerevisited.com
Virtuelle Vernissage vom 08.04.2020: https://www.facebook.com/kunsthallebad/videos/2612936988984402/
Stimmen zur Vernissage auf Twitter: #kunsthallerevisited

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