Stadtgalerie vor dem Aus!

PROGR-Fest 2006, Ansprache von Stadtpräsident Alexander Tschäppät auf dem Stage-Pavillon der Stadtgalerie. Foto: Peter Aerschmann

PROGR-Fest 2006, Ansprache von Stadtpräsident Alexander Tschäppät auf dem Stage-Pavillon der Stadtgalerie. Foto: Peter Aerschmann

Stadtgalerie vor dem Aus!

Bern — 66 Prozent für die Kultur! Die Stadtberner Bevölkerung hatte 2009 ein Gesundheitszentrum abgelehnt und deutlich für das Weiterbestehen des Kulturzentrums PROGR im ehemaligen Progymnasium gestimmt. Einen integralen Bestandteil im öffentlichen Sockelgeschoss mit Galerie, Off-Space und Videofenster bildet die Stadtgalerie, der nun aufgrund von Sparplänen das Aus droht: Der Gemeinderat hat Anfang März ein «Finanzierungs- und Investitionsprogramm (FIT)» verabschiedet, das unter anderem den Verzicht auf den Kulturaustausch mit New York, eine Stellenreduktion im Bereich Kunst im öffentlichen Raum und eben auch die Schliessung der Stadtgalerie vorsieht. Das Erfolgsmodell PROGR, das man in der kulturaffinen Stadt gerne hochhält, steht damit auf der Kippe. Ohne Ankerpunkt für bildende Kunst wäre diese schweizweit wichtige Kulturinstitution, die sich als «Atelierhaus und Begegnungsort im Zentrum» für «mehr als 200 Künstlerinnen und Künstler aus allen Sparten» anpreist, nur die Hälfte wert. Die Stadtgalerie besteht seit 1967. Als ‹Berner Galerie› gegründet, war ihr erster Leiter der spätere Starkurator Harald Szeemann. Heute ist sie der wichtigste nichtkommerzielle Ausstellungsort der Stadt. Ihr viel beachtetes Programm verfolgt die aktive Vernetzung mit Städten wie Zürich, Basel und Genf – für eine Stadt mit Kunsthochschule entscheidend. Mit einer dezentralen Cantonalen, der Jahresausstellung, ist es nicht getan. Katastrophal ist
der Entscheid zur Schliessung auch für junge Kunstschaffende der Region, die hier eine der raren Ausstellungsmöglichkeiten erhalten, bevor sie vielleicht später in einem Kunstmuseum oder einer Kunsthalle gezeigt werden. In einem System der Kulturförderung, das generell im Geist der kurzfristigen Einzelprojekte und Wettbewerbe gefangen ist, kommt es fast einem Statement gleich, eine Stadtgalerie zu betreiben, die ihre Angestellten ebenso wie die Ausstellenden entlohnt! Off Spaces werden diese Rolle nie einnehmen können. Die rund CHF 220’000 jährlich sind also bestens investierte städtische Kunstförderung, während
die Schliessung der Stadtgalerie schlichtweg kurzsichtig ist! Gegen die verschiedenen Sparmassnahmen im Bereich Kultur haben sich lokale Vereine und Institutionen wie die Kunstkommission, BEKULT, das Kollektiv Bern und die Stiftung PROGR zum Protest zusammengeschlossen. Es ist zu hoffen, dass sie mit vereinten Kräften
Wirkung erzielen.

www.stadtgalerie.ch
www.progr.ch

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