Werkschau Kanton Zürich 2022 — Cathrin Jarema

Cathrin Jarema, 2022

Cathrin Jarema, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Cathrin Jarema, Atelieraufnahme, 2022

Werkschau Kanton Zürich 2022 — Cathrin Jarema

Cathrin Jarema hockt auf dem Boden und ist in ihre Arbeit vertieft: Sie pinselt Wörter auf pastellfarbige Quader, die wie zuckrige Sahnetorten aussehen. Die Künstlerin springt auf und heisst mich herzlich willkommen – in einem Zürcher Ausstellungsraum, der für sie während der Aufbauphase zugleich als eine Art temporäres Atelier fungiert.

Cathrin Jarema erzählt voller Lebendigkeit über die Herausforderung, mehrere Projekte in kurzer Zeit hintereinander oder parallel zu entwickeln. Es ist ihr aber auch anzusehen, dass ihr dies Energie gibt und dass ihr diese Form des Arbeitens entspricht: die Vielschichtigkeit und die koordinatorisch anspruchsvolle Aufgabe. Gerade ist sie am Vorbereiten einer Einzelausstellung in einem Offspace in Zürich-Oerlikon. Bis vor Kurzem hat sie noch zusammen mit Clifford E. Bruckmann den Ausstellungsraum Hamlet in der Nachbarschaft geleitet. Zugleich arbeitet sie an einem Buchprojekt – und parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Werkschau. 

Eine Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen gibt es in ihrem Leben vor allem auch durch das viele Reisen. Die Künstlerin pendelt zwischen Brüssel und Zürich. In Brüssel, wo sie nach ihrem Masterstudium in Performance und Choreografie hängen blieb, hat sie einen Atelierraum, der tendenziell als Schreibstube fungiert. Daneben ist sie regelmässig im Tanzstudio und manchmal wird selbst das Bahnfahren zu ihrem zweiten Studio. Es ist ein fliessendes Zusammenspiel und die Kunst findet darin ihren Platz immer ganz oben, trotz der verschiedenen «Hüte», mit denen sie jonglieren müsse – wie sie erzählt. Es sei ja immer ein Balanceakt zwischen der künstlerischen Praxis und den Jobs, die man daneben mache, um die eigentliche Arbeit zu finanzieren.

Dies passt auch zu den Inhalten, mit denen sich die Künstlerin beschäftigt. Was ist eine Geschichte – eine persönliche, eine kollektive? Wie erzählen wir sie, wem erzählen wir sie und was macht sie mit uns? Cathrin Jarema sammelt nämlich Geschichten. Sie hat ein persönliches Archiv angelegt: ein Traumarchiv beispielsweise oder ein Schlafarchiv. Später fiktionalisiert sie die in Tagebuchform festgehaltenen Gedanken und verarbeitet sie wiederum zu visuellen Werken. Wie kann das Geschriebene Form finden im Raum? Gibt es eine Politik des Storytellings? 

Cathrin Jarema arbeitet interdisziplinär. Sie entwickelt Performances, Videos und skulpturale Installationen – stets einer narrativen Forschung verpflichtet, die seziert und neu zusammengesetzt wird, oftmals in direktem Kontakt mit dem Publikum. (Selbst-)Reflexion ist dabei zentral – und es kann nie komplex genug werden. Der Künstlerin wird schnell langweilig, wenn sie ihre Arbeit nicht ständig weiterentwickelt.

Wie schreibt man über sich? Oder: Wie spricht man über sich? Wie wirkt sich unser Sprachgebrauch auf unsere Kommunikation aus? Ihr Beitrag für die Werkschau geht diesen Themen nach und hinterfragt dabei Floskeln und Vokabular aus den Social Media. Eine Gruppe von Performer:innen schafft mittels eines Skripts der Künstlerin eine Art Verschiebung im Haus Konstruktiv, sorgt für einen Bruch in den klassischen Narrativen einer Kunstausstellung. 

Valeska Marina Stach studierte Bildende Kunst. Aktuell absolviert sie ein Masterstudium in Literarischem Schreiben an der Hochschule der Künste Bern, seit 2019 ist sie als freie Autorin in Basel tätig.

Künstler/innen
Cathrin Jarema
Autor/innen
Valeska Marina Stach

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