Werkschau Kanton Zürich 2022 — Jack Pryce

Jack Pryce, 2022

Jack Pryce, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Jack Pryce, Atelieraufnahme, 2022

Werkschau Kanton Zürich 2022 — Jack Pryce

Direkt neben dem botanischen Garten im ersten Stock lebt und arbeitet Jack Pryce zwischen Fotostudios, Ateliers und Wohnungen. Der Rundgang durch die Räume endet im Atelier. Oder eher im Büro? Der im britischen Shrewsbury aufgewachsene Künstler und Mitgründer des Luzerner Offspaces marytwo überlegt laut, «ist es ein Atelier, auch wenn man nicht mit den Händen Kunst macht?»

Ein Bücherregal, vollgestellt mit sorgfältig sortierten Kunstbüchern und Katalogen, füllt eine ganze Wand. Rechts davon hängen in Wolken Paninibilder, Fotos von Rebook-Turnschuhen und Tennisbällen – Sammlerstücke aus der Alltagskultur. Von dort schweift der Blick zur nächsten Wand mit Skizzen für die Arbeit für die Werkschau im Haus Konstruktiv und über Sockel mit Kunstbüchern, die wiederum Teil der Arbeit 11 Books Recommended By The Artist sind. Sammeln und Recherchieren entlang künstlerischer Positionen, eines Stils oder einer Bewegung sind Methoden, die in der Praxis von Jack Pryce verschmelzen. Diese Arbeitsweise nutzt er nicht nur für Langzeit-Projekte wie die Archivierung seiner Bibliothek. Sondern auch für erste Konzepte zu Arbeiten im Hinblick auf kommende Ausstellungen. Wenn die Materialität und die Umsetzung definiert sind, stellt Jack Pryce nur gerade das selbst her, was er gut kann. Das meiste Material kauft er, lässt es produzieren oder holt sich Unterstützung für die Umsetzung. Die verwendeten Materialien reichen von im Internet gehandelten «Collectibles» (Sammlerstücken) und industriell hergestellten Produkten wie einem Fussball-Fan-Schal bis hin zu kunsthistorischen Zitaten in Form monochromer Malerei. Jack Pryce verwendet alles Verfügbare als «Readymades». 

Die Faszination für den englischen Fussballclub Liverpool begleitet Jack Pryce seit seiner Kindheit. Merchandise, wie der Schal seiner Lieblingsmannschaft, wird millionenfach hergestellt. Die damit verbundene unendliche Verfügbarkeit steht der Intimität des einzelnen Stücks gegenüber, das jahrelang im Kinderzimmer an der Wand hing. Jack Pryce spielt mit Referenzfeldern aus Büchern, Objekten und Kunstwerken, mit Codes aus der Kunstwelt, Musikvereinen und der eigenen Familie. Auch der für englische Vororte typische Humor, den seine Eltern pflegen, fliesst in seine Arbeit ein, indem er ihre Witze auf monochromen Leinwänden platziert, die sich wiederum an die Monochromatic Jokes des amerikanischen Malers Richard Prince anlehnen. Wenn Jack Pryce Bestehendes nutzt und zitiert, bedeutet dies für ihn Sicherheit. Doch gleichzeitig bedingt es einen bewussten Umgang mit den Quellen, denn nur so lässt sich eine unkritische Reproduktion bestimmter Haltungen vermeiden. 

Laura Breitschmid studiert Kulturpublizistik (MA Art Education) an der Zürcher Hochschule der Künste und arbeitet als Kuratorin. 

Autor/innen
Laura Breitschmid
Künstler/innen
Jack Pryce

Werbung