Werkschau Kanton Zürich 2022 — Leila Peacock

Leila Peacock, 2022

Leila Peacock, 2022

Leila Peacock, Atelieraufnahme, 2022

Leila Peacock, Atelieraufnahme, 2022

Leila Peacock, Atelieraufnahme, 2022

Leila Peacock, Atelieraufnahme, 2022

Werkschau Kanton Zürich 2022 — Leila Peacock

Leila Peacocks Atelier befindet sich in der Zentralwäscherei im Industriegebiet des Zürcher Kreis 5. Von 1967 bis 2019 wurden hier täglich 50 Tonnen weisse Wäsche für Zürcher Heime und Spitäler gewaschen. Heute zieren Graffiti die Fassade und das Treppenhaus, im Innern wummern nachts Techno-Beats. Die ehemalige Zentralwäscherei Zürich dient bis 2026 verschiedenen Kollektiven und Initiativen als Zwischennutzung. «Mir gefällt der Gedanke, dass die ZWZ als Wäscherei gebaut wurde und nun dazu beiträgt, Spuren zu hinterlassen, anstatt sie zu beseitigen», sagt Peacock zu ihrem Arbeitsort. Ihr Atelier war einst das Direktionsbüro. Auf dem Schreibtisch türmen sich allerlei Bücher – Hildegard von Bingen, ein Gedichtband von Emily Dickinson, William Blakes The Complete Illuminated Books oder ein Bildband mit dem Titel Mysterious Britain. An Stützpfeilern und Fenstern hängen (Post-)Karten mit Sujets aus dem Mittelalter.

Bevor Leila Peacock ihren Master in Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste abschloss, hatte sie Englische Literatur in London und Montreal studiert. Sie wollte selbst Kunstwerke schaffen, anstatt nur über sie zu schreiben. In ihrer künstlerischen Praxis wirken Schreiben und Zeichnen, Text und Bild eng zusammen. Im gegenseitigen Dialog formen sie eine offene Erzählung, die zwischen Wahrheit und Fiktion pendelnd zur freien Lesart einlädt. Peacock siedelt ihre (Bild-)Sprache gerne in der Nähe der Poesie an. Ihre Arbeiten nehmen unterschiedlichste Formen an und entziehen sich einer eindeutigen Definition: «Ich zeichne Essays und schreibe Cartoons und schaffe grossformatige, handgezeichnete Installationen», beschreibt sie ihre Praxis. Seien es Kreidezeichnungen auf Schiefertafeln, Neon-Licht-Zeichnungen oder ephemere Zeichnungen auf Fensterscheiben, die Buchform überführt sie sozusagen ins Zweidimensionale. Leerstellen finden sich kaum in ihren «Bildern» und die Betrachter:innen mag diese Fülle an Information leicht überfordern. Peacock umschreibt ihre Arbeitsweise als eine Art Teppichweben. Nach und nach collagiert sie aus unterschiedlichen Versatzstücken, die sie aus diversen Quellen gesammelt und in ihren Notizbüchern festgehalten hat, ebenso theoriegeprägt wie humorvoll neue Szenerien. Sie beginnt ihre Bilder ohne vorgängige Skizzen, den Text fügt sie später ein. Als Inspiration dienen ihr mittelalterliche Handschriften, deren Marginalien oder Figuren und Erzählungen, ebenso wie Science-Fiction-Romane oder Alchemie.

Für ihre Arbeiten sucht und erfindet sie stets neue Oberflächen. Für die Werkschau plant sie drei grossformatige Leuchtkästen mit Zeichnungen, die in die Oberfläche der Folie geritzt sind. Als PORTAL betitelt, rahmen sie einen Saaldurchgang und erinnern unweigerlich an einen Flügelaltar, der mit geschnitzten oder gemalten Darstellungen ein reiches Bildprogramm offenbart. Jedes einzelne Wort in unserem Sprachgebrauch hat zahlreiche verschiedene Bedeutungen – diese vielfältig zu nutzen ist die Herausforderung, der sich Leila Peacock immer wieder von Neuem stellt. 

Patrizia Keller ist freischaffende Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin in Zürich. 

Autor/innen
Patrizia Keller
Künstler/innen
Leila Peacock

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