Werkschau Kanton Zürich 2022 — Nicola Genovese

Nicola Genovese, 2022

Nicola Genovese, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Nicola Genovese, Atelieraufnahme, 2022

Werkschau Kanton Zürich 2022 — Nicola Genovese

Nicola Genovese geht zielstrebig durch die Gänge des grossen Gebäudes nahe der Limmat, wo er momentan im Atelier eines Freundes arbeiten kann. Unten, in der angegliederten Werkstatt, entstehen gerade neue Skulpturen – wir steigen aber zuerst nach oben, wo er Arbeiten in einem fensterlosen Raum lagert. Zusammen hieven wir den grossen, unteren Teil der Skulptur für die Werkschau im Haus Konstruktiv auf den Boden. Wir umkreisen das Objekt aus Metall, während wir über Motive seiner künstlerischen Praxis sprechen. Zum Beispiel die Form von Hummerklauen, die sich auch in dieser Arbeit wiederfinden. «Was mir am Motiv der Klaue gefällt, ist, dass es so ambivalent ist. Du kannst damit jemanden verletzen, dich aber auch an etwas festhalten. Es beinhaltet Aggressivität und Stabilität gleichzeitig», erklärt der Künstler. Die Skulptur heisst Tinnitus und erinnert an eine Grabstätte. Aus der Metallplatte quillen kissenartige Erhebungen aus organischen Aussparungen.

In seinen grossformatigen Skulpturen verwendet Nicola Genovese Materialien wie Keramik, glattes Metall und weiche Textilien und Polster, die sich durch ihre Konnotation und die haptische Wahrnehmung kontrastieren und Spannung aufbauen. Die Ästhetik seiner Arbeiten erinnert an groteske Zeichnungen aus dem Mittelalter oder der Renaissance. Er mag das Düstere daran und beschäftigt sich gern mit dem Monströsen und seinen Symbolen, distanziert sich aber klar von Fantasy und Goblincore; eine Ästhetik, die von der Folklore der Kobolde inspiriert ist. Er verwendet diese Formensprache, um Themen wie Männlichkeit und den «Postgender-Body» zu umkreisen.

Auf dem Weg in die Werkstatt sprechen wir darüber, dass er in der Vergangenheit oft seine Skulpturen in Performances miteinbezogen hat. Momentan fokussiere er sich aber mehr auf sein skulpturales Schaffen und verlagere Performance in den Theaterraum. Nicola Genovese mag den White Cube als «Church of Freedom» für seine Skulpturen, für Performance sei es ein zu künstlicher Ort mit zu vielen Ablenkungen.

Unten warten verschiedene Werke auf ihren Platz in kommenden Ausstellungen, wo sie gestellt, an die Wand angebracht oder von der Decke hängen werden. Er kontrolliert zusammen mit seinem Assistenten die gemachten Arbeitsschritte am oberen Teil von Tinnitus. Bei dieser Hilfe für die Umsetzung seiner Skulpturen bleibe es auch. Nicola Genovese kann sich das Arbeiten im Kollektiv nur schwer vorstellen. Zu viele Kompromisse, zu viel Abhängigkeit voneinander. Dazu sei er zu «picky», zu eigenständig in seiner Arbeitsweise. Heute Nachmittag wird er sich noch ein neues Studio ansehen: «Platz ist immer ein Problem, wenn man Skulpturen macht – praktischer wärs gewesen, wenn ich Videokünstler geworden wäre», lacht er. 

Gianna Rovere ist freischaffende Autorin, Kuratorin und Kulturjournalistin in Zürich und Luzern.

Künstler/innen
Nicola Genovese
Autor/innen
Gianna Rovere

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