Werkschau Kanton Zürich 2022 — Paulo Wirz

Paulo Wirz, 2022

Paulo Wirz, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Paulo Wirz, Atelieraufnahme, 2022

Werkschau Kanton Zürich 2022 — Paulo Wirz

Zuerst hat das Atelier in Kairo kein Strom, dann funktioniert das WLAN nicht – «Ich liebe es!», sagt Paulo Wirz lachend in die Kamera, als es schliesslich doch noch mit der Zoom-Session klappt. 
Eigentlich hätte er schon 2020 für die dreimonatige Residency von Pro Helvetia nach Kairo gehen sollen, doch dann kam Corona. Als er sie dieses Jahr endlich antreten konnte, hatte er sich bereits für die Werkschau des Kantons Zürich beworben. Nun muss er seinen Beitrag von Kairo aus organisieren. Eine logistische Herausforderung. Aber nicht nur.
Gerade als er mit der Arbeit beginnen wollte, fingen die Feierlichkeiten für ein religiöses Fest an. Er wollte von Handwerkern Glas blasen und Bronze giessen lassen. Aber alles war geschlossen. Drei Wochen lang. Danach hätte er genau noch einen Tag Zeit gehabt, bevor der Kanton Zürich erste Ergebnisse sehen wollte. Zum Glück erhielt er einen Aufschub. 
Anders als das Projekt, das er für Kairo konzipierte, ist die an der Werkschau gezeigte Arbeit eine Weiterentwicklung seiner früheren Arbeit, die er letztes Jahr anlässlich der Swiss Art Awards ausstellte. 
Statt geschlossenen, nach oben offenen, verspiegelten Kisten ist eine aufgeklappte Kiste zu sehen. Auf dieser sind diverse Objekte zu erkennen – teils mit Löchern versehen, die roten Fäden zur Aufhängung dienen, aber auch auf Codes von Lochkarten verweisen. Zudem liess Paulo Wirz seinen Kopf mit einem 3D-Scanner abbilden. 
Das System der Dinge nennt Paulo Wirz Parafernália. Das Wort bezeichnet jede Sammlung von Gegenständen, die für eine bestimmte Aktivität wie einem Sport oder einem Hobby notwendig sind, aber auch Kultgegenstände und Grabbeigaben. Ein Verweis auf seinen Heimatort Pindamonhangaba in Brasilien, wo er aufwuchs und mit seiner Familie zwischen einem Friedhof und einer Brache lebte. 
Mit achtzehn kam Paulo Wirz in die Schweiz. Um seinen Unterhalt zu verdienen, arbeitete er zehn Jahre hinter der Bar. Die Flaschen vor der Glaswand waren denn auch eine wichtige Inspiration für seine Formensprache. 
Später war er auch als «Art Handler» für Galerien tätig. Und nach seinem Master in Fine Arts an der HEAD in Genf erhielt er an der Zürcher Hochschule der Künste eine Stelle als Assistent. Begeistert erzählt er vom tollen Umfeld, den Kolleg:innen und Student:innen: «Je mehr du gibst, umso mehr erhältst du zurück.» 
Daneben zu arbeiten, sei immer ein «Hustle» gewesen, sagt er, denn Kunst zu machen, benötigt viel Zeit. Und viel Geld. Zumindest seine Kunst, bei der er gegen alle Vernunft wider seine finanziellen Verhältnisse mit aufwendigen Materialien arbeitet. Doch Verkäufe und Auszeichnungen wie der Swiss Art Award halfen da sehr.
Nach dem Master sagte er sich, dass er der Intuition mehr Raum geben wolle. Auch für Zufälle, Unfälle, die eine unerwartete, neue Richtung geben können. Nach seiner Residency in Kairo hat er nur wenige Tage Zeit für den Aufbau. Eine neue Erfahrung für ihn, denn für gewöhnlich testet er seine Ausstellungen ausgiebig. Auch hier gilt es, die Kontrolle abzugeben und sich dem Unerwarteten zu öffnen. 

Michel Rebosura studierte Philosophie und Religionswissenschaft. Er ist als freier Autor, Kunstkritiker und Kulturjournalist tätig und arbeitet zudem in der Kommunikation des Theaters Neumarkt in Zürich.

Autor/innen
Michel Rebosura

Werbung