William Leavitt — Bildkräftige Requisiten

William Leavitt, Ausstellungsansicht Mamco, Genf, 2017/2018. Foto: Annik Wetter

William Leavitt, Ausstellungsansicht Mamco, Genf, 2017/2018. Foto: Annik Wetter

William Leavitt, Ausstellungsansicht Mamco, Genf, 2017/2018. Foto: Annik Wetter

William Leavitt, Ausstellungsansicht Mamco, Genf, 2017/2018. Foto: Annik Wetter

William Leavitt — Bildkräftige Requisiten

Der neue Direktor der Mamco seit 2016 Lionel Bovier hat Überraschungen versprochen. Als erste davon mag nun der ausserhalb von LA kaum bekannte William Leavitt erscheinen. Tatsächlich vertieft das Museum mit dem Künstler aus Los Angeles seine bereits verdiente Vermittlung der Kunstszene der Westküste der USA.

Genf — Leavitt (*1941) gilt zusammen mit John Baldessari, Allan Ruppertsberg und William Wegmann als zentraler, aber bewusst im Hintergrund gebliebener Vertreter des in der Wüstenstadt am Pazifik gesprossenen Zweigs der konzeptuellen Kunst, der mit narrativer Kunst umschrieben wird, da sie sich um das fröhliche Sezieren des Ausstosses von Hollywood kristallisierte. Eigentlich wird in den Installationen Leavitts jedoch gerade das bildkräftig, was bleibt, wenn ein Script Doctor nicht nur alle für den Plot unnötigen Figuren und Dialoge, sondern diesen ganz aus einem Film entfernt hat. Durch die Herauslösung aus dem Zusammenhang der Filmstudios und ihre Überführung in der Heterotypie der Kunsträume enthüllt Leavitt so die Requisiten nicht nur als das Leitmotiv der billigeren Produktionen, für die sie oft rezykliert werden. Er führt mit den Springbrünnchen aus Spritzbeton, Randbepflanzungen aus Plastik, Ensembles aus Konsolen mit Urnenlampen unter Gemälden von Orchideen und Raubkatzen, Fensterfronten mit Jalousien oder Hallensäulen mit Vorhängen auch vor Augen, dass es aus nichts anderem als den biederen Hoffnungen auf ein bürgerliches Heim in den spektakulären Zügen besteht, welche in den USA jedes Ding  annimmt.  

Verstörend ist in der Tat der Schein, den dieser Dekor ausser den vom Künstler in liebevoller Handarbeit ausgeführten Gemälden gegenüber seinen vornehmen Vorbildern in Pagoden und Schlössern darstellt. Erst über eine Verfilmung würden wir ihm Bedeutung und Schönheit zuerkennen. Er existiert ausserhalb seiner einst audiovisuellen und jetzt künstlerischen Bildlichkeit wie gar nicht, obschon er zugleich sperrig im Raum steht, was Bovier und sein Chefkonservator Julien Fonsacq durch die grossen Abstände zwischen den Installationen wunderbar herausgearbeitet haben.

Von einer unheimlichen Verschiebung der Linien zwischen Wirklichkeit und Imagination erzählen auch die dazwischen isoliert aufgehängten Gemälden des Künstlers, auf denen Raumstationen oder von solchen Utopien unterfütterte Architektur wie das Theme Building in LA eine viel gewaltigere Gegenwart erreichen als die Wüstennatur, in der sie auftauchen. Eher amüsant sind die in der Mitte und am Schluss aufgestellten, mit Schläuchen und Kabeln verbundenen Gerätschaften, die auf die Obsession eines Transports von Körpern durch die Zeit und Seelen durch den Raum verweisen. Allerdings werden diese Sci-Fi-Universen von Leavitt, der auf einem nur Fuss erreichbaren Berg lebt und neben Kunst auch noch Cellos bastelt, wohl zutiefst verachtet.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
William Leavitt 11.10.201704.02.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
William Leavitt

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