Zeitbilder — ‹Sensing Bodies› von Christoph Oertli

Christoph Oertli, Sensing Bodies, 2020, Videostill

Christoph Oertli, Sensing Bodies, 2020, Videostill

Christoph Oertli, Time Line, 2014, Videostill 

Christoph Oertli, Time Line, 2014, Videostill 

Zeitbilder — ‹Sensing Bodies› von Christoph Oertli

Unter dem Titel ‹Zeitbilder› präsentieren wir Werkbetrachtungen von Kuratorinnen und Kuratoren, die ein Kunstwerk ihrer Wahl vor dem Hintergrund der Corona-Krise neu lesen.

Ines Goldbach im Gespräch mit Valeska Marina Stach

Basel/Muttenz — Die geistige kulturelle Nahrung ist von essenzieller Bedeutung – und zurzeit dringend benötigt, um der epidemischen Krise und der durch sie ausgelösten Dynamik der Ungewissheit entgegenzuwirken. So schreibt die Direktorin Ines Goldbach auf der Website des Kunsthaus Baselland: «Kunst und Kultur sind gerade jetzt und heute wichtiger denn je. Sie sind dafür da, uns in unserem Sein und Werden zu stärken.»
Aktueller denn je mag uns aus heutiger Sicht eine Sequenz aus Christoph Oertlis Video ‹Sensing Bodies› von 2020 erscheinen, das in der laufenden Ausstellung auf grossformatige Leinwänden projiziert wird: das Bild einer Person mit einem Mundschutz vor dem Gesicht. Sie liegt in der Mittagspause auf dem Boden des Parks in Tokyo, den der Künstler mit der Kamera über einen längeren Zeitraum beobachtete. Generell erhält die, in den Arbeiten spürbare Auseinandersetzung mit Nähe und Distanz jetzt eine besondere Bedeutung. Nicht nur im Hinblick darauf, sich zu fragen, welcher Abstand wo angebracht ist, sondern auch wenn wir überlegen, dass die Übersetzung Oertlis virtueller Welten in den reellen physisch erlebbaren Raum durch eine Online-Übertragung der Ausstellung wieder auf eine weitere technische Ebene verlagert wird: auf den heimischen Bildschirm der Zuschauenden.

Ines Goldbach weist darauf hin, dass sich auch die Videoarbeit ‹Time Line›, 2014, von Oertli nun aus einem neuen Blickwinkel betrachten lässt. Der Bildausschnitt zeigt den panorama-artigen Schwenk über eine kleine öffentliche Grünanlage in Brüssel, in den verschiedenen Jahreszeiten. Neben der farblichen und wetter-bedingten Veränderung der Natur, des Lichts, sind in den Zeitsprüngen auch Konstanten zu beobachten wie Bäume, Gebäudearchitektur und das rote Band, das mal still, mal bewegt ist. Vor allem aber wird deutlich, wie sich alle Formen gegenseitig überprüfen, ablösen, wiederkehren, vergehen, dort bleiben, wie letztlich alles miteinander verbunden zu sein scheint. 

«Diese Szene ist einerseits alltäglich – andererseits zeigen diese wenigen Minuten des Videos, wie poetisch, besonders ein alltäglicher Ort, der Verlauf von Zeit, Tage und Wochen sein können», führt die Leiterin und Kuratorin vom Kunsthaus Baselland aus und fährt fort: «Man muss nur genau hinschauen – und eben das ist es vielleicht, das gerade von uns verlangt wird: im Moment zu sein und Gewohntes zu hinterfragen und zu verändern.» Dadurch könnten die sonst kaum genutzten Orte, wie der kleine Garten im Hinterhof auf einmal mehr wertgeschätzt werden. Ihre Gedanken gehen noch weiter: «Mitmenschlichkeit und Mitgefühl stärken, in sich selbst hineinhorchen, dem anderen zuhören» – das sind die Potenziale des Momentanen. Der in Oertlis Arbeit ‹Time Line› erfahrbare  Aspekt, Räumlichkeit und Zeitlichkeit, auf die es ja sonst beim Durchschreiten der Ausstellungsräume ankommt, in ein neues Verhältnis miteinander zu setzen, spricht genau das an.

https://kunsthausbaselland.ch

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Christoph Oertli 24.01.202005.07.2020 Ausstellung Basel/Muttenz
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