Kirsten Lepore — Hi Stranger

Kirsten Lepore — Hi Stranger

Animationsfilm – Blass und nackt liegt eine Figur auf dem Bauch, dreht sich mir zu und begrüsst mich: «Hallo Fremder. Es ist ein Weilchen her». Seine sanfte Stimme suggeriert, dass wir uns schon lange kennen. «Es ist ok, Du darfst meinen Po anschauen». Ist sein Angebot an Zuwendung und Zärtlichkeit ein Flirt? Die US-Autorin Kirsten Lepore veröffentlichte den knapp drei Minuten langen Stop-Motion Animationsfilm im Oktober 2016 auf dem Internet, und löste damit zu ihrem eignen Erstaunen eine richtige ‹Hi Stranger›-Welle aus. Das Video wird nach wie vor millionenfach angeschaut und geteilt und inspiriert zahlreiche Adaptionen und Weiterentwicklungen. Das Video wird auch mit dem Phänomen des ASMR, dem «autonomous sensory meridian respons» in Verbindung gebracht, welches auf dem Internet eine grosse Community gefunden hat, die Flüsterstimmen oder stundenlangem Föhngeräusch lauschen, um sich zu entspannen oder ein Kribbeln zu erleben. Mit seiner direkten Ansprache verweigert ‹Hi Stranger› das Guckkasten-Prinzip, bei dem der Betrachter unbeteiligt und aus sicherer Distanz dem Geschehen auf der Leinwand zuschaut. Der Film schwebt statt dessen in einem merkwürdigen und faszinierenden Zwischenraum zwischen visuellem Befremden und zärtlicher Vertrautheit, zwischen kruder Abstraktion und prickelnder Intimität. 

Regie, Animation, Musik, Sound Design, Kamera, Schnitt: Kirsten Lepore, Technik: Stop Motion, Land: US, Produktionsjahr: 2016, Laufzeit: 2 Minuten 45 Sekunden, Sprache: Englisch, Altersfreigabe16+, Filmografie Kirsten Lepore: Move Mountain (2013), Bottle (2010), Sweet Dreams (2008)

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