Imi Knoebel — Pastell bis Grell

Imi Knoebel · Drunter und Drüber Z36, 2007, Acryl auf Dibond und Kunststoffpapier, 107 x 76 cm, signiert und datiert verso: Imi 2007

Imi Knoebel · Drunter und Drüber Z36, 2007, Acryl auf Dibond und Kunststoffpapier, 107 x 76 cm, signiert und datiert verso: Imi 2007

Besprechung

Vom pudrigen Zartrosa über ein waldiges Moosgrün bis zum sommerlichen Sonnenblumengelb: Das Rechteck bildet die ­Konstante, die Farben die Variablen zu einer experimentellen Reihe, die Imi Knoebel 2001 begonnen und erstmals 2002 in der Kestner ­Gesellschaft Hannover ausgestellt hat.

Imi Knoebel — Pastell bis Grell

Zürich — Die Werkserie ist mit ‹Pure Freude› betitelt, und genau so heisst auch die derzeitige Ausstellung von Imi Knoebel (*1940) bei Livie Fine Art, einer erfrischenden jungen Galerie. Sie hat sich auf den Sekundärmarkt spezialisiert und präsentiert sehr fachkundig Kunst, die bereits in Sammlerhänden war und nun neue Sammler sucht. Dabei liegt Caspar Livie und Marie Christine Schuh, den beiden Galeristen, die ungegenständliche Kunst besonders am Herzen. Spätestens seit seiner Ausstellung im Haus Konstruktiv in Zürich 2018 ist Imi Knoebel auch in der Schweiz kein Unbekannter mehr. Ein kurzer biografischer Rückblick sei dennoch erlaubt: Knoebel teilte während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys nicht nur den Vornamen mit seinem Künstlerfreund Imi Giese, sondern auch sein Atelier, den legendären Raum 19. Aber da war noch ein weiterer Künstlerfreund, der ihm nachhaltige Impulse geben sollte: Blinky Palermo, der ihn 1975 dazu bewog, sich der reinen Farbe zuzuwenden. Die Ergeb­nisse sehen wir in der Ausstellung. Knoebel arbeitet konstruktiv und systematisch, bleibt dabei aber immer spielerisch. Auch innerhalb einer Serie gibt es keine voraussehbare Logik. Ganz im Gegenteil überraschen Knoebels Variationen gerade durch Pointen, die jedes Dogma ad absurdum führen. Sie sind unberechenbar wie das Leben. Gerade darin liegt ihr besonderer Reiz, ja ihr Witz. Es beginnt schon damit, wie innerhalb einer Serie bei immer gleichbleibenden Massstäben das jeweils kleinere von zwei verschiedenfarbigen Rechtecken auf dem jeweils grösseren, das zugleich der Bildträger ist, platziert wird: Bei flüchtigem Hinsehen glaubt man an eine zentrale Position, erst beim zweiten Blick wird deutlich, dass die Kleinform dezentral auf dem grösseren Trägerblatt ausgerichtet wird. Und dies von Blatt zu Blatt in unterschiedlichem Masse. Das heisst, das Denken in Spiegelsymmetrien wird bewusst irritiert. Eine weitere Überraschung, die erst aus unmittelbarer Nähe erkennbar wird, liegt in dem bewegten Pinselstrich, der die monochromen, scharf umrissenen Farbflächen haarfein durchzieht und die exakte Geometrie durch gestische Spuren belebt. Mit rheinischer Lebensfreude und künstlerischer Chuzpe konterkariert der Düsseldorfer Imi Knoebel den heiligen Ernst der Zürcher Konkreten, deren Geist sich durch die Hintertür natürlich einschleicht, wenn ‹Pure Freude› die Limmatstadt beglückt! 

Until 
30.01.2020
Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Imi Knoebel 10.12.2019 to 30.01.2020 Exhibition Zürich
Schweiz
CH
Author(s)
Mechthild Heuser
Artist(s)
Imi Knoebel

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