Bethan Huws

Bethan Huws · Guido-Relief, 2021, 235 x 545 x 60 cm, Neonröhren, Transformer, Plexiglas und Aluminium, Courtesy Studio Bethan Huws und Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Marc Bundi

Bethan Huws · Guido-Relief, 2021, 235 x 545 x 60 cm, Neonröhren, Transformer, Plexiglas und Aluminium, Courtesy Studio Bethan Huws und Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Marc Bundi

Bethan Huws · Affen beim Lausen, 2021, 215 x 345 x 60 cm, Neonröhren, Transformer, Plexiglas und Aluminium, Courtesy Studio Bethan Huws und Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Marc Bundi

Bethan Huws · Affen beim Lausen, 2021, 215 x 345 x 60 cm, Neonröhren, Transformer, Plexiglas und Aluminium, Courtesy Studio Bethan Huws und Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Marc Bundi

Hinweis

Bethan Huws

Zürich — Die Erbauer der Kirche wussten, was sie wollten. Sie lenkten die Blicke durch die himmelhohen Gewölbe nach oben und durch die edelsteinfarbenen Fenster vom irdischen Elend weg zum göttlichen Licht. Doch wer zurzeit das Grossmünster betritt, wird von einem grün-pinken Widerschein angezogen, der durch zwei Bodenöffnungen vom Chor her aus der unterirdischen Krypta dringt. Hier, im verborgenen und ältesten Teil der Kirche, wo einst die Gebeine der Heiligen ruhten, ist es auf einen Schlag vorbei mit dem kirchlichen Pathos. Stattdessen schwingen gedrungene Krieger ihre Schwerter, laust sich eine Gruppe Affen, und in einer Art Lagergestell sind in der Horizontalen drei weitere Neonfiguren übereinandergeschichtet: ein menschenfressendes Monster, ein Löwe und ein Hase. Die Figuren wirken wie von Kinderhand gezeichnet und dann in feinen Neonröhren nachgeformt. Hat man sich ans Licht und die brummenden Transformer gewöhnt und begonnen, nach Verbindungen zwischen dieser skurrilen Versammlung und dem Ort zu suchen, fällt einem der kleine in Stein gemeisselte Hase auf, der mit hängender Zunge Richtung Fenster jagt. Als Abschluss eines Eckpilasters war er schon immer da. Ein Hase? Ein Symbol der Fruchtbarkeit und des sich erneuernden Lebens an diesem Ort des Todes?
Die Künstlerin Bethan Huws (*1961) steht lächelnd daneben und sinniert in ihrem walisischen Akzent: «I want to learn more about these figures.» Die Vorbilder für die Gestalten von ‹Wars, Societies and Neon› hat sie in einem Bildband über das Grossmünster gefunden – es sind Geschöpfe, die ein mittelalterlicher Steinmetz im Seitenschiff und im Kreuzgang hinterlassen hat. Dort, wo die Geistlichen weitab vom profanen Treiben des damaligen Alltags flanierten. Es scheint, als ob er die Wände mit Schaubildern tapeziert hätte, die zeigen, dass das Stechen, Jagen und Schlagen nicht Halt vor diesen Mauern macht, sondern vielmehr Teil davon ist.  Diese witzigen, bissigen Kommentare aufzuspüren und sie im zeitgenössischen Medium in neuer Aufladung auf sich wirken zu lassen, ist erhellend. Im bunten Halbdunkel der Krypta fallen plötzlich die Reste eines mittelalterlichen Freskos auf, auch dieses strotzt vor detailfreudig geschilderter Brutalität: Die Stadtheiligen werden aufs Rad geflochten und gekocht. Moralisches und Marodes, Geist und dumpfe Gewalt liegen nahe beieinander, damals wie heute.

Until 
27.02.2022

→ Grossmünster, bis 27.2.; Expertengespräch (ohne Künstlerin), 4.2., 18 Uhr ↗ www.zhref.ch/wars-societies-and-neon

Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Bethan Huws — wars societies and neon 27.11.2021 to 27.02.2022 Exhibition Zürich
Schweiz
CH

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