Down the Hills

Marius Steiger · Grey Cyan Red Suitcase, 2021, Ausstellungsansicht Blue Velvet Projects Zürich

Marius Steiger · Grey Cyan Red Suitcase, 2021, Ausstellungsansicht Blue Velvet Projects Zürich

Hinweis

Down the Hills

Zürich — Als ich vom Bellevue in die Rämistra­se einbiege, sehe ich durch eine Glastüre den übergrossen roten Koffer auf pastellfarbenem Hintergrund bereits von Weitem.
Wo früher das Sportgeschäft Bächtold lokalisiert war, ist nun eine Galerie, ehemals Bromer und seit Neustem ‹Blue Velvet Projects› eingezogen. Auch wenn die Galerie weiterhin den Nachlass der ehemaligen Galerie Bromer betreut, hat sich die künstlerische Ausrichtung unter der neuen jungen Leitung, bestehend aus Pier Stuker und Gabriela Gonzalez, verändert. Während im Untergeschoss immer noch hochpreisige Werke der klassischen Moderne (Miró, Cuno Amiet, Le Corbusier etc.) angeboten werden, verweist die aktuelle Ausstellung ‹Down the Hills› mit drei unbekannteren Positionen auf den neuen Fokus der Galerie: junge, zeitgenössische Kunst. Die Gruppenschau entstand in Absprache mit dem Künstler Marius Steiger (*1999), der die beiden Kunstschaffenden Stefania Carlotti (*1994) und Stefan Tânase (*1996) als Ergänzung vorschlug.
Der Koffer, welcher die Besucherinnen und Besucher begrüsst, ist ein Gemälde Steigers. Seine Malereien scheinen hyperrealistisch, basieren jedoch nicht auf echten Gegenständen, sondern auf 3D-Renderings, die der Künstler als Vorlage für seine Gemälde digital erstellt. Direkt daneben ist ein Werk Carlottis platziert, es erinnert an ein Puppenhaus und das Kind in mir wird in Versuchung geführt, das Kunstwerk anzufassen. Selbstverständlich halte ich mich zurück und schaue mir stattdessen das Werk gegenüber von Tânase an, des dritten Künstlers im Bunde. Dabei handelt es sich um ein Gemälde aus einer fortlaufenden Serie, in welcher der Künstler LSD per Post an Bekannte verschickt – selbstverständlich sind diese über die Auswirkungen der psychedelischen Droge informiert. Da LSD unter anderem die Kreativität anregt, werden diese aufgefordert, ihre Trips zu verschriftlichen. Aus den Erfahrungen der Probandinnen und Probanden kreiert Tânase schliesslich Gemälde. Zudem hat er als Auftakt dieser Reihe eine Hommage an den Erfinder von LSD, Albert Hofmann, gemalt. Beim genaueren Hinsehen erkennt man auf der linken oberen Randseite eine der Briefmarken, die der Künstler auch zum Verschicken an seine Probanden verwendet hat.
Diese drei Werke bilden den Einstieg in eine Ausstellung, die mich persönlich durch verschiedene kleine Details entzückte. Die Spiegel in ‹Untitled› von Stefania Carlotti, die kleinen orangen Flecken auf der von Steiger gemalten Banane, aber auch das gefälschte Hotelbriefpapier, auf dem er Szenen aus einem fiktiven Urlaub verewigte, und schliesslich die Briefmarke bei Tânase, welche ich erst beim zweiten Blick entdeckt habe. Schlussendlich bildet der Ausstellungstext eine weitere Ebene der Ausstellung: So wird das kuratorische Narrativ anhand des amerikanischen Science-Fiction-Films ‹Westworld› (1973) entschlüsselt. Vielleicht klärt sich in der nächsten Ausstellung der Galeriename als Hommage an David Lynch und der Titel der jetzigen Ausstellung als andere Referenz, vielleicht werde ich zu einer nächsten filmischen Reise eingeladen, ich bleibe gespannt. 

Fanny Frey (Schreiben über Kunst, MA Curatorial Studies)

Until 
15.01.2022

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