Guido Baselgia

Guido Baselgia · Tierra caliente – Traurige ­Tropen, 2018, aus dem Zyklus ‹Als ob die Welt zu vermessen wäre›, Schwarzweissaufnahme

Guido Baselgia · Tierra caliente – Traurige ­Tropen, 2018, aus dem Zyklus ‹Als ob die Welt zu vermessen wäre›, Schwarzweissaufnahme

Guido Baselgia · Um die Sonne Nr. 05, 46°29’22’’N / 09°57’29’’E, 3263 m ü.d.M., 21.9.2010, 16:15–19:20, Piz Languard, Schwarzweissaufnahme

Guido Baselgia · Um die Sonne Nr. 05, 46°29’22’’N / 09°57’29’’E, 3263 m ü.d.M., 21.9.2010, 16:15–19:20, Piz Languard, Schwarzweissaufnahme

Hinweis

Guido Baselgia

Luzern — Für Guido Baselgia (*1953) ist Fotografie, was das Wort bedeutet: Schreiben – oder Zeichnen – mit Licht. Folgerichtig gibt es für den in Malans lebenden Künstler nur analoge Fotografie, die auf dem Auftreffen des Lichts auf die lichtempfindliche Schicht basiert. Mit Ausnahme der Heliogravüren erfordert deren Fertigung an Alchemie grenzende Fähigkeiten. Es gilt nur, was er in der Dunkelkammer von Anfang bis Schluss selber bewerkstelligen kann. Auch Farbfotografie ist nicht sein Thema: Baselgia bleibt beim Schwarzweiss. In seiner neuen Serie ‹OrtZeit›, die er in der Galleria Periferia zeigt, ist er dem Licht der Sonne auf der Spur: Langzeitbelichtungen machen den Weg sichtbar, den die Sonne nach dem Aufgang oder vor dem Untergang zurücklegt. Der Winkel zwischen Sonnenbahn und Horizont lässt auf den Ort der Aufnahme schliessen: In Ecuador, auf Aquatorhöhe, sinkt die Sonne genau senkrecht hinter den Horizont. Im hohen Norden Europas verläuft die Sonnenbahn beinahe parallel zum Horizont. Damit ist der Ort der Aufnahme gegeben, über den Baselgia zusätzlich mit den genauen Koordinaten-Angaben informiert. Die Dimension der Zeit bringt der Künstler insofern ins Spiel, als seine Aufnahmen nicht, wie bei der Fotografie üblich, den Moment festhalten und «einfrieren», sondern das Aufsteigen oder Niedersinken der Sonne zum Bildelement werden lassen. Ort und Zeit werden aber zu Gegensätzen, die Spannungen eröffnen: Der Ort ist definiert; die Zeit ist ohne Anfang und Ende.
Neben dieser Serie von Kleinformaten zeigt Guido Baselgia Aufnahmen, die auf seinen ausgedehnten Reisen in den Regenwäldern des Amazonasgebietes entstanden sind. Die Bedingungen nicht nur des Reisens, sondern auch der fotografischen Arbeit waren wegen Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit extrem. Ein Bild macht diese Schwierigkeiten besonders augenfällig: Auf dem Weg zwischen Aufnahme­standort und Labor wurde ein Film beeinträchtigt. Baselgia schied dieses Negativ nicht aus, sondern nahm es mit seinem Scheitern in die Serie auf – als wolle er zeigen, wie die Natur um ihr Überleben kämpft. Die Spuren des Kampfes bleiben, als politisches Statement, sichtbar. Ein «Anti-Bild»? Vielleicht – wie jenes grossformatige Diptychon, das eine karge, nicht zu benennende Gebirgslandschaft zeigt. ‹Ohne Titel› – so Baselgia – lädt uns ein, dem Bild einen, unseren Sinn zu geben. 

Until 
29.01.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Guido Baselgia 27.11.2021 to 29.01.2022 Exhibition Luzern
Schweiz
CH
Artist(s)
Guido Baselgia
Author(s)
Niklaus Oberholzer

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