Lisa Hoever

Lisa Hoever · Ohne Titel, 2021, Öl auf Papier, 102 x 72 cm, Besitz der Künstlerin

Lisa Hoever · Ohne Titel, 2021, Öl auf Papier, 102 x 72 cm, Besitz der Künstlerin

Lisa Hoever · Ohne Titel, 2021, Öl auf Papier, 102 x 72 cm, Besitz der Künstlerin

Lisa Hoever · Ohne Titel, 2021, Öl auf Papier, 102 x 72 cm, Besitz der Künstlerin

Hinweis

Lisa Hoever

Burgdorf — Anstatt wie geplant ins Blau der aktuellen Ausstellung von Franz Gertsch einzutauchen, bin ich im Nachmittagslicht von Lisa Hoevers Bildwelten hängengeblieben: Im Kabinett des Museums Franz Gertsch werden aktuelle Werke der Malerin aus den letzten drei Jahren präsentiert. Das privat finanzierte Haus hat sich der Kunst von Franz Gertsch verschrieben, zeigt aber seit seiner Eröffnung 2002 jährlich bis zu sechs Wechselausstellungen mit ergänzenden Positionen aus der zeitgenössischen Kunst. Lisa Hoever (*1952, Münster) studierte in Düsseldorf bei Rolf Sackenheim und Alfonso Hüppi, lebt seit 1988 in Bern und war langjährige Dozentin an der Hochschule der Künste Bern.
Die Bilder der Künstlerin dippen das Kabinett, ein einziger offener Ausstellungsraum, in warmes Herbstlicht. Es sind sanfte Pendants zu Gertschs Drucken hinter schwerem Glas und Gemälden auf gigantischen Leinwänden: Hoevers Bilder sind mit feinen Nägeln direkt an die Wand gepinnt und die ungesicherten, grossen Papiere wirken roh und verletzlich. Sie erinnern an raschelndes Laub und an Gewässer, in denen sich Bäume spiegeln und man von Nahem bis auf den Grund sehen kann. Die figürlichen Sujets, die der Künstlerin als Ausgangspunkt für ihre Aquarell- und Ölgemälde dienen, schimmern manchmal zwischen halbtransparenten Farbschichten hindurch: Dünne Äste, Hagebutten, die Silhouetten von zwei Frauen … Im selben Raum werden die abstrakteren Formen auf benachbarten Bildern zu Spuren von Holzwürmern und Lichtreflexionen auf Wasser, zu gewebtem Stoff und Linien, die wie durch eingefärbte Murmeln ihren Weg über das Papier finden. Hoevers Werke ergänzen sich und interagieren miteinander. Den grösseren Gemälden – die grössten sind fast menschengross – stehen ganz kleine gegenüber, auf Tablaren an die Wand gelehnt. Diese intimen Aquarelle sind mit Ölfarbe ergänzt, übermalt und so in einen anderen Zustand überführt. Die Künstlerin spielt in ihrer Arbeit mit dieser Weiterentwicklung ihrer Sujets: Die mittelgrossen Bilder entstanden auf Druck­bogen ihrer Publikation ‹Nomaden›, 2019, die dann wiederum als Inspiration zur Entwicklung der Grossformate dienten.
Lisa Hoevers Nachmittagslicht wärmt nach­haltig – und begleitet einen in die kühle ­Dämmerung und auf den Weg nach Hause. 

Ava Slappnig (Schreiben über Kunst, MA ­Kulturpublizistik ZHdK)

Until 
27.02.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Lisa Hoever 18.09.2021 to 27.02.2022 Exhibition Burgdorf
Schweiz
CH
Artist(s)
Lisa Hoever
Author(s)
Ava Slappnig

Advertisement