Bestia rara

Stefan Rohner · Flaches Fell-Viech, Kunstfell und LED Lampen, 73 x 42 x 10 cm, 2020 © ProLitteris

Stefan Rohner · Flaches Fell-Viech, Kunstfell und LED Lampen, 73 x 42 x 10 cm, 2020 © ProLitteris

Isabell Bullerschen, Félicia Eisenring · Limbo ll, Videostill, 2016

Isabell Bullerschen, Félicia Eisenring · Limbo ll, Videostill, 2016

Hinweis

Bestia rara

Baden — Huch, will man hier weitergehen? Wer über den schmucken Altstadtsteg zum Badener Trudelhaus schreitet, sieht von weitem das Skelett eines Hundes, der einem furchteinflössend entgegenbleckt. Der Höllenhund erweist sich dann allerdings als doch nicht so bedrohlich. Er wedelt freundlich mit dem Schwanz, der von einem alten Plattenspieler angetrieben wird. Und die Nadel besteht aus einem blank polierten Knöchelchen, das sich, verbunden mit dem kahlen Schweif, im Kreis dreht und dem Hund Schwung verleiht, als ob er ein Tänzchen vollführte. Witzig. Mehr noch, über Kopfhörer ertönen die Gitarrenriffs der US-amerikanischen Hardrockband The Stooges mit dem Song ‹I wanna be your dog›, die – man erinnert sich – einst ihren ersten grossen Auftritt an Halloween 1967 inszenierte. Also doch ein bisschen höllisch, dieses Tier von Saskia Edens. Der Hund passt perfekt in die Ausstellung, die unter dem Titel ‹Bestia rara› zehn Schweizer Gegenwartskünstler/innen in der Badener Altstadt vereint. «Uns ist es wichtig, das Verhältnis des Menschen zum Tier darzustellen, sei es das Essverhalten, die Domestizierung oder die Sehnsucht nach einem Kuschelgefährten gerade in Pandemiezeiten», sagen die beiden Kuratorinnen Andrina Jörg und Jeannette Polin. Das beginnt etwa bei der Geburt vermeintlich hässlicher Tiere, wie bei den kleinen Ratten, die Marianne Engel mit dem Zeitraffer und viel Liebe für die Kreatur aufgenommen hat. Oder wussten Sie, dass Ratten niedliche Füsschen, rosa Körperchen und lustige Schwänzchen besitzen? Die Künstlerin und studierte Biologin verpackt Tierexkremente in epoxidhaltige Halbmonde, die sie des Nachts leuchten lässt, und sie verewigt den Liebesakt eines auf Stacheldraht verendeten Krötenpaars in Beton. Schönes, grauseliges Memento. Dynamisch wirken die abstrakten Tierfelle der Malerin Eva Gadient, komisch der Blick des Felltiers mit roten Taschenlampen­augen von Stefan Rohrer und unterhaltsam Tobias Rüegers Bildserie ‹Waidmanns Heilige›, eine mit versteckter Kamera und Fundobjekten aus dem Brockenhaus zusammengestellte Recherche über die Nachtaktivität von Tieren. Kurzum: Liebe, Geburt, Werden und Vergehen wechseln sich in diesem seltsamen Bestiarium munter ab. Ob das Tier auf den Hund gekommen ist oder ob es in urbaner Umgebung doch noch sein Glück findet wie auf dem Video von Isabell Bullerschen und Félicia Eisenring, sei dahingestellt. Das Blümchen im Mundwinkel des Wolfshundes könnte Gutes verheissen.

Until 
24.10.2021

→ Trudelhaus, bis 24.10.; Lecture Performance mit Benjamin Egger und David Attenberger, 23.10., 19 Uhr ↗ www.trudelhaus-baden.ch
 

Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
BESTIA RARA 29.08.2021 to 24.10.2021 Exhibition Baden
Schweiz
CH

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