Stéphane Zaech — Die Delikatesse des Sichtbaren

Stéphane Zaech · Ausstellungsansichten ‹Nefertiti›, Musée des Beaux-Arts La Chaux-Fonds. Foto: Aline Henchoz

Stéphane Zaech · Ausstellungsansichten ‹Nefertiti›, Musée des Beaux-Arts La Chaux-Fonds. Foto: Aline Henchoz

Stéphane Zaech · Ausstellungsansichten ‹Nefertiti›, Musée des Beaux-Arts La Chaux-Fonds. Foto: Aline Henchoz

Stéphane Zaech · Ausstellungsansichten ‹Nefertiti›, Musée des Beaux-Arts La Chaux-Fonds. Foto: Aline Henchoz

Besprechung

Stéphane Zaech bewegt sich in seinen Gemälden mit einem lebendigen und ansteckenden Duktus durch das Schöne und Bizarre in der Geschichte des Mediums wie auch in seinem Alltag. Jetzt zeigt das Kunstmuseum La Chaux-de-Fonds eine riesige Rückschau auf die letzte Dekade seines Werks.

Stéphane Zaech — Die Delikatesse des Sichtbaren

La Chaux-de-Fonds — Aktuell zeigt das Musée des Beaux-Arts nicht weniger als 134 Gemälde, darunter Gruppen und Serien, von Stéphane Zaech – einem Künstler, der 1966 in Vevey geboren ist und in Montreux lebt. Dies sind nicht nur Daten. Allgegenwärtig ist in seinem Werk die spektakuläre See-Berg-Arena in dieser Gegend. In ihrer farblich intensiven, zwischen Summarischem und Detailliertem oszillierenden malerischen Umsetzung weckt sie Erinnerungen an Landschaften von Altdorfer bis Corot. Meist stellt die Landschaft dabei nur die Bühne dar für die dann eher kubistisch und surrealistisch anmutenden Objekte, Pflanzen, Tiere und Menschen. Über die grotesken Anachronismen nicht nur stilistischer Art, sondern auch der Motive führt uns Zaech jedoch dezidiert und oft in übersteigerter Form in die Gegenwart. So beispielsweise, wenn er eine verführerische dreiäugige und dreiarmige Frau in ein mittelalterliches Hofkostüm steckt, sie aber über ihrem lässig gestuften Haar eine Teflonpfanne und einen Silikonschaber tragen und in einer Hand eine Palette halten lässt, die mit einem Spiegelei und Chilis belegt ist.
Mit dieser Kontamination figürlicher Malerei durch Rückgriffe bis zur Schallmauer der Abstraktion in den 1910er-Jahren und durch seine Form von spätkapitalistischer Extravaganz ist Zaech hierzulande eher einsam unterwegs. Vor allem George Condo hatte diesen Weg jedoch bereits in den 1980ern für eine jüngere Generation beschritten. Sein Begehren war, die klassischen Malerei-Genres wieder als subjektiven Verhandlungsort zentraler Existenzfragen zu beleben, ohne deren Zäsur, ja teils Zensur durch radikale Verfechter der Abstraktion in der Mitte des 20. Jh. zu verdrängen – wie tendenziell andere Kunstschaffende, die sich neoexpressiv oder durch Appropriationen von Fotografie über diesen modernen Ikonoklasmus hinwegsetzen. Oft warf man Zaech einen Männerblick auf seine zu über 80 Prozent weiblichen Figuren vor, was der Künstler nicht verneint. Vielmehr spielt er den Ball malerisch zurück: Seine Mädchen und Frauen erweisen sich eben nicht als fragil und passiv. Sie treten eigenständig und selbstbewusst auf und sind oft selbst als Künstlerinnen dargestellt. Der auch als Autor, Kurator und Herausgeber geschätzte Zaech setzt mit seinem Werk nicht zuletzt dem multikulturellen Familien- und Freundeskreis und seiner ebenfalls als Malerin tätigen Partnerin Christine Sefolosha ein fantastisches Monument als Reibungsfläche für das eigene Schaffen. 

Until 
16.10.2022
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Stéphane Zaech — Nefertiti 19.06.2022 to 16.10.2022 Exhibition La Chaux-de-Fonds
Schweiz
CH

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