Swiss Art Awards — Neue Intervention für die Ausstellung der Kunstpreise

Ausstellungsansicht Swiss Art Awards 2017. Foto: Nici Jost / BAK 2018

Ausstellungsansicht Swiss Art Awards 2017. Foto: Nici Jost / BAK 2018

Eidgenössische Kunstkommission 2018/2019, v.l.n.r.:  Anne-Julie Raccoursier, Laura Arici, Anselm Stalder, Julie Enckell Julliard, Valentin Carron, Victoria Easton, Giovanni Carmine. Foto: Guadalupe Ruiz

Eidgenössische Kunstkommission 2018/2019, v.l.n.r.:  Anne-Julie Raccoursier, Laura Arici, Anselm Stalder, Julie Enckell Julliard, Valentin Carron, Victoria Easton, Giovanni Carmine. Foto: Guadalupe Ruiz

Fokus

Die ‹Swiss Art Awards› werden im kommenden Jahr umstrukturiert. Für eine bessere Sichtbarkeit der Bereiche Architektur sowie Kritik, Edition und Ausstellung. Im Interview erklärt Giovanni Carmine, Präsident der Eidgenössischen Kunstkommission, welche Überlegungen zu dieser Entscheidung geführt haben und was man sich davon verspricht.

Swiss Art Awards — Neue Intervention für die Ausstellung der Kunstpreise

Neuhaus: Die Eidgenössische Kunstkommission berät das Bundesamt für Kultur für die ‹Swiss Art Awards›. Diese werden im kommenden Jahr umstrukturiert, hin zu einer Stärkung der Bereiche Vermittlung – Kritik, Edition, Ausstellung – sowie Architektur. Woher kam der Impuls?

Carmine: Der Impuls kam aus der Analyse der ‹Swiss Art Awards› und Reflexionen der Kommission mit dem BAK. Der Kunstpreis nennt sich ‹Swiss Art Awards› und hat einen klaren Fokus auf die bildende Kunst. Im Jahr 1991 wurde der Bereich Vermittlung eingeführt, vor einigen Jahren der Bereich Architektur angepasst, was meines Erachtens weitsichtige und gute Entscheidungen des Bundesamts für Kultur waren. Anders als mit der heutigen Anlage der ‹Swiss Art Awards› als Wettbewerb wurden zu Beginn der Neunzigerjahre Stipendien vergeben. Mit der voranschreitenden Entwicklung und Professionalisierung des Wettbewerbs gab es immer wieder Diskussionen, wie man gleiche Bedingungen für die Bereiche der bildenden Kunst sowie der Architektur und der Vermittlung schaffen könne. Es ist natürlich schwierig, die Arbeit einer Kunstkritikerin mit der einer Kuratorin zu vergleichen, und es fehlten immer überzeugende Werkzeuge der Umsetzung. Mit den Umstrukturierungen versprechen wir uns einerseits, eine bessere Vitrine für die genannten Bereiche zu schaffen, und andererseits eine grössere Objektivität. Wichtig ist, dass es dabei nicht um eine Normierung geht, sondern das Herstellen einer Praxisnähe für Architekten und Kritiker, Kuratorinnen, Vermittler und Verlegerinnen für Kunst und Architektur. Konkret bedeutet das, dass die Architekten und Architektinnen das Modell und Konzept einer Intervention in der Messehalle für die ‹Swiss Art Awards› 2020 präsentieren. Die preisgekrönte Arbeit wird jeweils im Folgejahr umgesetzt und erhält ein Preisgeld und Baubudget in Höhe von CHF 25’000. In der Vermittlung, welche die Kuration, Kritik und Publizistik integriert, werden Vorschläge für ein kuratorisches, kritisches und verlegendes Konzept für die Ausstellung im Folgejahr präsentiert. Auch hier wird der preisgekrönte Vorschlag umgesetzt und erhält dafür ein zusätzliches Budget von CHF 5000 neben dem Preisgeld von CHF 25’000.

Neuhaus: Musste für dieses Vorhaben und zusätzliche Budget viel Lobbyarbeit geleistet werden?

Carmine: Nein. Die Eidgenössische Kommission ist eine beratende Kommission, was bedeutet, dass die endgültigen Entscheidungen im Bundesamt gefällt werden, und in diesem Fall waren sich das BAK und die Kommission einig. Die Basis beim Bundesamt für Kultur ist immer die Bereitschaft, Dinge zu verbessern. Eine Analyse und ein Konzeptpapier wurden erstellt, und die Bedingungen wurden angepasst.

Neuhaus: Sie erwähnen, dass ein Vorhaben der Umstrukturierung das Herstellen einer grösseren Praxisnähe und Sichtbarkeit ist. Gab es die Diskussion, die Hermetik der Präsentation der ‹Swiss Art Awards› in den Messehallen parallel zur Art Basel zu verlassen und an bestehende Institutionen anzudocken?

Carmine: Die Diskussion gab es, auch im Hinblick auf die Frage, ob die Art Basel der richtige Kontext ist für die Auseinandersetzung mit Architektur. Die Neuausrichtung 2019 ist ein erster Schritt, der natürlich weitere Justierungen in späteren Jahren zur Folge haben kann, aber trotzdem: Die ‹Swiss Art Awards› selbst sind eine Institution und Ausstellung. Eine bessere Plattform gibt es nicht, denn sie wird in zehn Tagen von 10’000 Interessierten gesehen. Das ist mehr, als manche Kunstinstitutionen in einem Jahr haben. Wir glauben an den Standort Basel und die Messewoche. Die ‹Swiss Art Awards› sind eine Ausstellung mit allen Problemen, die andere Institutionen auch haben. Trotzdem ist es ein spannendes Format, um Projekte zu realisieren, so, wie es mit der Umstrukturierung verstärkt geschehen soll.

Neuhaus: Wenn Sie sagen, dass die ‹Swiss Art Awards› eine Institution sind, und zwar eine vom Bund geförderte, wo würden Sie sie im Ökosystem der Kunstwelt einordnen?

Carmine: In der Ökologie des Schweizer Kunstsystems spielen die ‹Swiss Art Awards› eine enorm wichtige Rolle, auch wegen des schwachen Markts für junge Kunstschaffende. Zwar richten sich die ‹Swiss Art Awards› ja nicht nur an junge Kunstschaffende – im Gegensatz zu früher, als die Teilnehmenden jünger als vierzig Jahre sein mussten. Aber auch heute noch zielen sie nicht prioritär auf die etablierten Kunstschaffenden, denn die haben ihre eigene Ökonomie. Wir sind glücklich, dass in der Schweiz die Öffentlichkeit noch in Kunstschaffende investiert, weil sie glaubt, dass ihre Arbeit Unterstützung verdient. Wir merken auch immer wieder, dass nicht nur das Preisgeld Freude bereitet, sondern auch die Tatsache, dass die Arbeiten ernstgenommen werden und man sich in die Tradition anderer Preisträger einreihen kann. Der Preis ist also auch ein Gütesiegel. Und wegen der benachbarten Art Basel kommen natürlich auch viele Kuratoren und Sammlerinnen: Die ‹Swiss Art Awards› sind oft also auch ein Auslöser, der weitere Beziehungen zwischen Kunstschaffenden und anderen Teilnehmenden des Ökosystems der Kunstwelt ins Rollen bringt.

Neuhaus: Inwiefern ist eine Verschränkung mit dem Markt spürbar? Allein aufgrund der Tatsache, dass die ‹Swiss Art Awards› während und neben der Art Basel stattfinden?

Carmine: Ich persönlich sowie auch die Jury haben nie den Druck einer Galerie gespürt.  Die Verschränkung ist rein räumlich und zeitlich, und ich glaube, wir profitieren von dem Kontext mehr als die Art Basel von uns. Es sind zwei parallele Welten, und das zeigt sich auch in den Mitteln, die zur Verfügung stehen. Wenn man von der Art Unlimited zu den ‹Swiss Art Awards› kommt, wird das deutlich, das Packaging ist natürlich ein anderes – aber es ist gut, dass es mehrere Kunstwelten gibt, die sich parallel bewegen. Wir sind gute Nachbarn, die sehr viel Miete zahlen. Es gibt keinen objektiv guten Grund, die ‹Swiss Art Awards› von Basel loszulösen. Mehr Sichtbarkeit gibt es nirgends.

Neuhaus: Sie selbst sind ein doppelter Gatekeeper, als Direktor der Kunst Halle Sankt Gallen und als Präsident der Eidgenössischen Kunstkommission. Wie reflektieren Sie diese Position?

Carmine: Die Gatekeeper müssen weise genug sein, die Türen offen zu behalten. Eine Jury sollte aus Personen bestehen, die eine Nähe zu den Kunstschaffenden haben und das System verstehen. Für mich ist klar, dass ich mich, sobald es mich betreffende Interessenkonflikte gibt, zurückziehe. Dergleichen Konflikte kommen selbstverständlich vor, wir diskutieren stetig darüber und die Deklaration derselben ist wichtig. Wir können natürlich nicht über alle Verwicklungen von allen Bescheid wissen. Und die Schweizer Kunstszene ist viel zu klein, als dass potenzielle Konflikte kategorisch ausgeschlossen werden könnten. Deswegen ist Transparenz das höchste Gut.
 

Mathis Neuhaus (*1991), freier Autor und Mitgründer des transmedialen Verlags Transform, schreibt über und arbeitet in Themen der Gegenwart. hello@mathisneuhaus.de

→ Infos zum neuen Reglement und Einschreibung für die Schweizer Preise für Kunst, Architektur und Vermittlung, 1.11.–13.12. ↗ www.gate.bak.admin.ch

Neues Reglement für die Swiss Art Awards ab 2019

Kategorie Kunst
1.11.–13.12.2018: Einschreibung für die Swiss Art Awards mit Portfolio (max. 20 Seiten)
Februar 2019: Selektion 1. Runde, Vergabe von CHF 5000 für Produktion künstlerische Arbeit
Mai 2019: Präsentationen künstlerische Arbeit, Halle 3.0 Messe Basel
Juni 2019: Prämierung 2. Runde, Preisgeld CHF 25’000

Kategorie Architektur
1.11.–13.12.2018: Einschreibung mit Portfolio (max. 10 Seiten)
Februar 2019: Selektion 1. Runde, Vergabe CHF 1500 für Modell  + Konzept Intervention SAA 2020
Mai 2019: Präsentationen Konzept architektonische Intervention für SAA 2020, Halle 3.0 Messe Basel
Juni 2019: Prämierung 2. Runde, Preisgeld CHF 25’000 + Baubudget CHF 25’000 für SAA 2020
Juni 2020: Umsetzung architektonische Intervention Gewinner 2019, Präsentationen architektonische Intervention für SAA 2021

Kategorie Kritik / Edition / Ausstellung
1.11.–13.12.2018: Einschreibung mit Portfolio (max. 10 Seiten)
Februar 2019: Selektion 1. Runde, Vergabe CHF 1500 für Konzepterarbeitung Intervention SAA 2020
Mai 2019: Präsentationen vermittelnde Intervention für SAA 2020, Halle 3.0 Messe Basel
Juni 2019: Prämierung 2. Runde, Preisgeld CHF 25’000 + Realisierungsbudget CHF 5000 für SAA 2020
Juni 2020: Umsetzung vermittelnde Intervention Gewinner 2019, Präsentationen vermittelnde Intervention für SAA 2021

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