Souvenir Suisse

Johann Ludwig Aberli, koloriert von Heinrich Rieter, Vue du Château de Wimmis et des environs, um 1783/84, kolorierte Umrissradierung, 38 x 527 mm

Johann Ludwig Aberli, koloriert von Heinrich Rieter, Vue du Château de Wimmis et des environs, um 1783/84, kolorierte Umrissradierung, 38 x 527 mm

Balthasar Anton Dunker 1746–1807 nach Johann Ludwig Aberli 1723–1786, Vûë de Lausane, um 1773/75, kolorierte Umrissradierung, 275 x 404 mm

Balthasar Anton Dunker 1746–1807 nach Johann Ludwig Aberli 1723–1786, Vûë de Lausane, um 1773/75, kolorierte Umrissradierung, 275 x 404 mm

Hinweis

Souvenir Suisse

Winterthur — Als der junge Kunstschriftsteller Gottlieb Wilhelm Becker vor 240 Jahren in der Schweiz unterwegs ist, erlebt er sie als ein Paradies für Landschaftsmaler und ist beeindruckt von der Vielfalt, Schönheit und Majestät. Besonders davon, dass «Wärme und Kälte», «Anmuth und Wildheit» so nah beieinander zu finden sind. Mit Blick auf die Schweizer Landschaftsgrafik bringt er seine Erfahrungen so auf den Punkt: «Was für ein Schatz, die wichtigsten dieser Prospeckte, voll Wahrheit und Natur beysammen zu haben!» Ein solcher Schatz ist die Sammlung der Stiftung Familie Fehlmann, deren schönste und sprechendste Blätter nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die umsichtig und aufschlussreich gehängte Schau (Kuratoren: Christian Féraud / David Schmidhauser) zeigt rund hundert Exponate, in denen all das Erhabene und Abgründige, Liebliche und Wunderbare vorkommt, das die Schweiz für Becker und ganze Generationen von Europareisenden ausmacht: «Sie ist der Tempel der Natur.» Die Schweiz als neues Land der Sehnsucht lockte im Jahrhundert der Aufklärung, das mit der wissenschaftlichen und künstlerischen Erschliessung der Landschaft den Menschen in ein offeneres Verhältnis zur Natur setzte, mit Naturwundern wie Gletschern und Wasserfällen, mit Unverfälschtheit, Freiheitsstolz, ländlichem Glück und Alpenmythos. Das wirkt bis heute nach und spiegelt sich in den ausgestellten Werken und der schweizerischen Landschaftsmalerei überhaupt, die «untrennbar mit der Geschichte des Landes und der sozialen, politischen sowie landwirtschaftlichen Entwicklung verbunden ist» (Susanne Bieri im Katalog). Wer bildhafte Erinnerungen seiner Reise mit nach Hause nehmen wollte, leistete sich als kostbares Souvenir druckgrafische Blätter. War ein solches Blatt dann noch farbig und erweckte den Eindruck einer aquarellierten Federzeichnung, eines Originals also, war ihm Erfolg garantiert. Wohl gab es schon früher farbig gefasste Druckgrafik, doch noch nie hatte einer reproduzierbare Arbeit mit Blatt für Blatt originaler Handarbeit so zusammengebracht wie Johann Ludwig Aberli (1723–1786). Was der Erfinder dieser Umrissradierungen, die erst als kolorierte Blätter Werkcharakter erhielten, seine Mitarbeiter und Nachfolger wie Heinrich Rieter mit der Mischung aus Druckgrafik und Aquarell schufen, war «eine ästhetische Sensation für die damaligen Sehgewohnheiten». Mögen Aberli, ­Lory, Dunker, Weibel, Lafond und wie sie alle heis­sen auch eine Art Schönwetterschweiz zeigen, wo Wunschbild und Wirklichkeit oftmals in eins gehen: Ihre Ansichten sagen bis heute viel über das Selbstverständnis der Schweiz aus.

Until 
02.02.2020

→ Kunst Museum Winterthur I Reinhart am Stadtgarten, bis 2.2.; mit preiswertem Katalog 
www.kmw.ch 
↗ stiftung-familie-fehlmann.ch

Exhibitions/Newsticker Datesort ascending Type City Country
Souvenir Suisse 21.09.2019 to 02.02.2020 Exhibition Winterthur
Schweiz
CH
Author(s)
Angelika Maass

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