David Claerbout

David Claerbout · The confetti piece, 2015–2018, 3D-Animation, Ausstellungs­ansicht Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann 

David Claerbout · The confetti piece, 2015–2018, 3D-Animation, Ausstellungs­ansicht Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann
 

David Claerbout · Wildfire (meditation on fire), 2019–2020, 3D-Animation, Ausstellungs­ansicht Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

David Claerbout · Wildfire (meditation on fire), 2019–2020, 3D-Animation, Ausstellungs­ansicht Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

Hinweis

David Claerbout

Winterthur — Schauen wir einen Film, so bewegen wir uns meist in jener Zeit, die er uns vorgibt. Ein Tag kann eine Minute dauern, eine Stunde den gesamten Filmverlauf einnehmen. Ähnlich verhält es sich, wenn wir eine Fotografie betrachten. Eine Szene wird eingefangen, womöglich gar ein Autounfall, dem Bewegung, Zeit und die Wucht aufeinanderprallender Körper vorausgingen. Wir können versuchen, sie uns vorzustellen, vergessen dabei aber, wie unsere eigene Zeit vergeht, wie unser eigener Körper mit jeder Sekunde schwerer und älter wird. David Claerbout (*1969, Kortrijk) spielt in seinem Schaffen mit der Ausdehnung von Raum und Zeit. Dies wird etwa in der Arbeit ‹The confetti piece› deutlich, die er aus verschiedenen fotografischen Elementen zusammensetze und die im Kunst Museum auf zwei Wände projiziert wird; sie zeigt ein Fest, lachende Gesichter, die nach oben schauen, den Konfettischauer bewundern, der irgendwann zu Boden gefallen sein wird. An dieser Stelle setzt Claerbout an: Er hat die bunten Papierblättchen animiert, sodass das Fallen greifbarer wird – und mit ihm die Vergänglichkeit des Moments. Durch die raumgreifende Präsentation kann man in die Szene eintauchen, kann sich vorstellen, wie laut das Fest wohl gewesen sein muss, wie Jubeln und Lachen gemeinsam mit dem Konfetti die Luft füllten. Doch hier bleibt die Installation ohne Ton – und scheint sich einem wieder zu entziehen. Dadurch erhalten die Werke des belgischen Künstlers etwas Hybrides. Er vermischt das Laute mit dem Stillen, Freude mit Leid, Bewegung mit Starre oder Geschehen mit Nichtgeschehen, wie es der Titel seiner Ausstellung bereits vorwegnimmt: ‹Laziness of Action›.
Dieses Spannungsfeld ist auch in seiner neuesten Arbeit ‹Wildfire (meditation on fire)› wiederzufinden. Auch hierbei handelt es sich um eine raumgreifende Projektion, in die man eintauchen könnte, aber irgendwie nicht möchte. Denn die Animation zeigt ein Feuer, das sich ausbreitet, grüne Wälder einnimmt und in Flammen aufgehen lässt. Sturmartig muss es sich wohl ausgebreitet haben, scheint sich im Kunst Museum aber anders, vielleicht langsamer zu bewegen, wodurch das Fürchterliche etwas Meditatives erhält. Auch bei dieser Installation bleibt der Ton aus. Die Zeit nimmt bei David Claerbout vielschichtige Dimensionen an, verläuft nie gleichmässig, folgt ganz eigenen Gesetzen, die vor unseren Augen herumtanzen, um sich uns sogleich wieder zu entziehen.

Until 
15.11.2020
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
David Claerbout 12.09.2020 to 15.11.2020 Exhibition Winterthur
Schweiz
CH

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