Le monument, le labeur et l’hippocampe

Véronique Arnold · I need your words, 2020, Serie von 44 Stickereien auf Seide. Foto: Dominique Bannwarth

Véronique Arnold · I need your words, 2020, Serie von 44 Stickereien auf Seide. Foto: Dominique Bannwarth

Hélène Bleys · Équinoxe, Detail, Farbstifte, 300 x 50 cm, realisiert mit Unterstützung des Ateliers Poulaillon

Hélène Bleys · Équinoxe, Detail, Farbstifte, 300 x 50 cm, realisiert mit Unterstützung des Ateliers Poulaillon

Hinweis

Le monument, le labeur et l’hippocampe

Mulhouse — Eine hübsche Vorstellung: mit ­einem Seepferdchen im Gehirn schwerelos durch die fluiden Weiten unserer Erinnerung zu navigieren. Jedenfalls ist der Hippocampus – der Sitz des Langzeitgedächtnisses im menschlichen Gehirn – aufgrund der Ähnlichkeit seiner Gestalt mit dem anmutigen Meeresbewohner nach diesem benannt. In der Ausstellung ‹Le monument, le labeur et l’hippocampe›, übersetzt ‹Das Monument, der Fleiss und der Hippocampus›, hat der Hippocampus eine wichtige Funktion als Erinnerungsspeicher. Ohne ihn sind auch Entwürfe für die Zukunft nicht möglich. Die von Sandrine Wymann kuratierte Schau handelt vom individuellen und kollektiven Gedächtnis, von der Erinnerung an eine Vergangenheit, die es für die Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen gilt. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs; erlernte Fähigkeiten werden entwertet, Lebensentwürfe von Entwicklungen überholt, die nicht selten eng mit der Digitalisierung und Automatisierung fast aller Lebensbereiche verknüpft sind.
Eine Wand, gleich eingangs, mit Wörtern übersät wie Rädsla, Otti oder Moire: Sind es Namen – oder Begriffe? Wie etwa Povos, portugiesisch für Völker? Das deutsche Wort Angst findet sich auch auf Französisch und Englisch. Alle Wörter oder Namen sind auf weisses Leinen gestickt, die Buchstaben aus Blumen- und Pflanzenornamenten gebildet. Tanja Boukal hat für die Arbeit in den Archiven von DMC, dem Flaggschiff der Mulhouser Textilindustrie, recherchiert. Einst arbeiteten 10’000 Menschen in dem Betrieb; heute sind es noch 250. In Workshops gab die Künstlerin aus Wien das erarbeitete Wissen weiter. Es bildete die Grundlage für Diskussionen und den Austausch von Geschichten. Auch mit einem partizipativen Stickereiprojekt arbeitete sie an gegen eine Kultur ohne Vergangenheit. Allen sieben Künstlern aus sechs Ländern geht es um das Lernen aus der Vergangenheit, für Projekte, die in die Zukunft weisen. So legte Véronique Arnold Einblicke und Einsichten, die sie in Gesprächen mit Textilarbeiterinnen gewann, in einer 44-teiligen Garnstickerei mit der Nadel schriftlich nieder. Die in der Nähkunst bewanderte Künstlerin lebt in Mulhouse und ist in Ausstellungen in der Schweiz so präsent wie in Frankreich. Die junge Französin Hélène Bleys liess sich von floralen Motiven aus der Hochzeit der Textilindustrie faszinieren. In grossformatigen Zeichnungen und Malereien setzte sie diese um. 

Until 
15.11.2020
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Le monument, le labeur et l’hippocampe 17.09.2020 to 15.11.2020 Exhibition Mulhouse
Frankreich
FR

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