Monique Jacot — Dunkelkammer, Wunderkammer

Monique Jacot · Sans titre [Crins, 2014–2015], Heliogramm, Cabinet cantonal des estampes, ­Collection de l’État de Vaud, Musée Jenisch Vevey. Foto: Julien Gremaud

Monique Jacot · Sans titre [Crins, 2014–2015], Heliogramm, Cabinet cantonal des estampes, ­Collection de l’État de Vaud, Musée Jenisch Vevey. Foto: Julien Gremaud

Besprechung

Die Fotojournalistin Monique Jacot wurde in diesem Jahr vom Bund und von der Swiss Photo Academy für ihr Lebenswerk geehrt. Das Musée Jenisch Vevey fokussiert zurzeit dagegen auf die imaginative Druckgrafik, die ihre klassischen Aufnahmen seit Jahrzehnten ergänzen.

Monique Jacot — Dunkelkammer, Wunderkammer

Vevey — Monique Jacot (*1934, Neuenburg) hat als Fotojournalistin ab 1956 in den damals fast jede Stube erreichenden Illustrierten den Leserinnen und Lesern einen teilnehmenden Blick auf das Schicksal der Schwächeren zurückgeworfen. Sie unterstützte damit Bewegungen, denen wir die Besserstellung der Frauen und viele weitere soziopolitischen Errungenschaften verdanken. Zudem porträtierte sie zahllose Kunstschaffende. Unerwartet stark schlugen die routinierte Ausstellungsgängerin an der documenta 5 in Kassel 1972 jedoch die mit Federn bestückten Maschinen von Rebecca Horn in Bann. Jacot begann nicht nur leidenschaftlich Federn wie auch andere Relikte der Natur wie Häute und Haare zu sammeln. Die Fotojournalistin wurde durch die legendäre Grossausstellung grundsätzlich darin bestärkt, ein subjektiveres Werk zu entwickeln. Dies gelang ihr durch das Einstreuen metaphorischer Aufnahmen in ihre Reportagen sowie die stärkere Konzentration auf die Gattungen Landschaft und Stillleben. Zudem lernte sie,  akademisch zu zeichnen, und begann mit heliografischen Techniken zu experimentieren, die sie teils weit über das von ihr bis anhin vornehmlich kultivierte Schwarzweissbild hinausführen sollten.
Dora Sogardoyburu, Konservatorin im Musée Jenisch Vevey, lässt nun zwei Stränge von Monique Jacots druckgrafischen Arbeiten ab 1980 in einer leichtfüssigen Accrochage Revue passieren. Zum einen sind die teils zu Montagen gerinnenden Bohrungen der Künstlerin in ihrem Archiv zu sehen, die sie zu chromatisch verfremdeten Monotypien verbindet, die auch dem Zufall die Tür öffnen. Sie schiesst dafür von früheren Aufnahmen Polaroids und walzt dann die frische Farbe der sofort abgelösten Negative in ein nasses Papier. Zum anderen wartet die Schau mit Arrangements ihrer naturalistischen Schätze auf, die sie durch die aufwändige Technik des Heliogramms wie filigrane Kupferstiche erscheinen lässt. Diese Arbeiten von Jacot sind ohne Zweifel in eine Perspektive mit den parafotografischen Ansätzen auch anderer Schweizer Kunstschaffender ihrer Generation zu setzen, darunter die grossen Berner Franz Gertsch und Markus Raetz, aber auch ihr Mentor im Atelier de taille-douce de Saint-Prex, Pietro Sarto (*1930, Chiasso). Die Polaroid-Transfers und Heliogramme der ausgesprochenen Naturalistin Jacot zeichnet aus, dass die Künstlerin den feinen Strukturen der Fauna und der Flora, die vor der Erfindung des mechanischen Bildes dem Blick so gut wie vorborgen waren, schelmisch wieder etwas Betörendes zurückzugeben vermag.

Until 
06.12.2020

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