Scalable Skeletal Escalator

Scalable Skeletal Escalator, 2020, Isabel Lewis mit Dirk Bell, Mo Stern, Kewin Bonono, Lara Dâmaso, The Field, Rafał Pierzyński, Mathias Ringgenberg, Juliette Uzor, Marcelo Alcaide, ­Yolanda Zobel, LABOUR, Matthew Lutz-Kinoy und Sissel Tolaas, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Scalable Skeletal Escalator, 2020, Isabel Lewis mit Dirk Bell, Mo Stern, Kewin Bonono, Lara Dâmaso, The Field, Rafał Pierzyński, Mathias Ringgenberg, Juliette Uzor, Marcelo Alcaide, ­Yolanda Zobel, LABOUR, Matthew Lutz-Kinoy und Sissel Tolaas, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Scalable Skeletal Escalator, 2020, Isabel Lewis mit Dirk Bell, Mo Stern, Kewin Bonono, Lara Dâmaso, The Field, Rafał Pierzyński, Mathias Ringgenberg, Juliette Uzor, Marcelo Alcaide, ­Yolanda Zobel, LABOUR, Matthew Lutz-Kinoy und Sissel Tolaas, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Scalable Skeletal Escalator, 2020, Isabel Lewis mit Dirk Bell, Mo Stern, Kewin Bonono, Lara Dâmaso, The Field, Rafał Pierzyński, Mathias Ringgenberg, Juliette Uzor, Marcelo Alcaide, ­Yolanda Zobel, LABOUR, Matthew Lutz-Kinoy und Sissel Tolaas, Ausstellungs­ansicht Kunsthalle Zürich © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Hinweis

Scalable Skeletal Escalator

Zürich — Nun sitze ich hier, auf einem Sessel in einer grossen Halle, ihre Wände mit Planen verhängt. Neben mir ein weiterer Sessel, ein Sofa. Um mich herum Plastikvorhänge auf Rollen, die vielleicht aus einer Dusche, vielleicht aus einer Quarantänestation stammen. Eine Tänzerin und ein Tänzer dahinter. Ich sehe sie in diesem unheimlichen Wohnzimmer, durch das transparente Material hindurch, etwas verzerrt durch die Falten. Sie sitzt auf seinen Schultern, ein grosses Geschöpf, das sich mit roboterhaften Bewegungen auf mich zu- und wieder von mir wegbewegt. Dann trennt sie sich von ihm, steigt von seinen Schultern, um durch den Raum zu gehen, Vorhänge zu verschieben, mit einem grossen Spiegel meinen Blick auf mich zurückzuwerfen. Dann kommt ein dritter Tänzer auf mich zu, ich höre das Schleifen seiner Schuhe, das künstliche Knistern des Stoffes, den er trägt. Er setzt sich zu mir, sagt zunächst nichts, ich höre nur seinen Atem und einen mechanischen Ton, der sich im Raum ausbreitet. Dann spricht er, erzählt, wie alles verkehrt ist, sich die Zähne ausserhalb der Lippen befinden, die Haare im Inneren des Schädels, Körperflüssigkeiten gegen den Strom fliessen, das Blut, der Urin; der Schweiss, der in die Poren dringt.
Die performative Arbeit von Isabel Lewis breitet sich im Keller und im dritten Stock der Kunsthalle weiter aus. In der oberen Etage begegne ich erneut den Tänzerinnen und Tänzern. Sie nehmen den Raum mit ihren Körpern ein, hinterlassen Leerstellen, die sie bald wieder füllen – wie ein Sitzabdruck auf einem Sofa, der bleibt, bis sich das Polster wieder ausdehnt. Mehrere grossformatige Malereien werden wie Segel hoch- und heruntergelassen, um die eigene Achse gedreht. Ich sitze dazwischen, schaue an den Stoffen hoch, Luftstösse treffen auf meine Haut, währenddessen der mechanische Ton aus aufeinandergestapelten Lautsprechern lauter und leiser wird, das Licht an- und ausgeht. ‹Scalable Skeletal Escalator› erzeugt Denkbilder zum Körper, zu seinen Verwandlungen und seinem Dahinscheiden, wobei das Gebäude selbst zum Körper wird; die Stoffe von Matthew Lutz-Kinoy zu Herzklappen, der Ton von Labour zu seinem Schlag, die gefundenen und rezyklierten Plastikplanen von Dirk Bell zur Haut, die alt oder neu transplantiert wurde. Wie Moleküle bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer in diesem Organismus, schwirren umher, hauchen ihm Leben ein, um es ihm dann wieder zu nehmen.

Until 
08.11.2020

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